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Einrichtungstrends : Biedermeier zieht nicht mehr

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Der Massenmarkt ist eingebrochen. Doch Antiquitäten besonderer Herkunft erzielen oft Spitzenpreise. Bild: Laif/Toma Babovic

Der Mid-Century-Stil hat historische Möbel verdrängt. Die nächste Mode könnte sie wieder ins Spiel bringen. Welcher Einrichtungstrend holt die Oldtimer zurück?

          Der Brexit ist da. Seit geraumer Zeit schon ist er unter deutschen Dächern im Gang: In den Wohnräumen des Landes ist für die lange Zeit so beliebten Biedermeier-Sofas und Sekretäre immer seltener Platz. Vormals waren sie als Zierden mit Historie heiß begehrt, nun verstauben sie wie auch barocke Prachtmöbel im Zuge des Exits auf Dachböden, weil sie in den meisten Neubauten entweder wie Dinosaurier in Schlumpfhäusern wirken oder für die Loft-Atmosphäre schlicht zu uncool sind.

          Das hat die Preise in den Keller fallen lassen. „Vor allem die opulenten, überdekorierten Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts sind in Deutschland günstiger geworden“, sagt Manfred Ehrl. Der Gredinger Antiquitätenhändler ist seit 30 Jahren im Geschäft und bietet sowohl auf 15.000 Quadratmetern seiner Verkaufsräume als auch im Internet Objekte vom Mittelalter bis zum Jahr 2000 an. Ohnehin weniger gefragt sind Möbel aus der Gründerzeit und bäuerliche Möbel. Und auch sakrale Objekte „sind im Verhältnis zu früher unterbewertet und bieten für Käufer eine Chance zu einem günstigen Einkauf“, beschreibt Ehrl den positiven Aspekt des Preisverfalls. Generell seien großformatige Objekte günstiger als früher zu haben. Auch bei dem einst so beliebten Silberbesteck sei die Nachfrage eingebrochen, nur Spitzenstücke konnten ihr Preisniveau halten.

          Boom des Mid-Century-Marktes

          Auf dem Spitzenmarkt sind die Preise für Meisterstücke zwar weiter hoch, dass sich das Geschäft insgesamt aber erheblich verändert hat, bestätigt auch Christiane Gräfin zu Rantzau, Chairman beim Auktionshaus Christie’s Deutschland. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren habe das Interesse an normalen, klassischen Gebrauchsmöbeln des 18. Jahrhunderts stark nachgelassen, hat sie beobachtet. Doch: „Bei Möbeln sind große Namen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts nach wie vor gefragt.“

          Spitzenobjekte von Ebenisten wie Boulle, Oeben und Roentgen oder Meisterwerke aus berühmten italienischen Werkstätten erzielten nach wie vor Spitzenpreise, berichtet sie. So ist auf der Auktion „European Furniture and Works of Art“ in London im Juli dieses Jahres eine Weisweiler-Kommode von 1790, die auf 50.000 bis 800.00 Pfund geschätzt war, für 81.000 Pfund verkauft worden; ein Paar Kronleuchter, auf 50.000 Pfund taxiert, ging für das Dreifache weg. Auch Möbel mit interessanter Provenienz aus Fürstenhäusern, großen Familien oder von Stars erzielen bei Christie’s regelmäßig Spitzenpreise, Tendenz nach oben. Bei solchen Glamour-Stammbäumen werden dann meist auch Alltagsobjekte gerne teuer bezahlt.

          Ebenfalls begehrt und daher entsprechend hoch im Preis sind Möbel aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Der Markt für Mid-Century boomt seit einigen Jahren. „Aber das kann sich ändern, da muss man aufpassen“, warnt Antiquitätenexpertin Rantzau.

          Epochenübergreifendes Mix & Match

          Die Auktionshäuser registrieren zudem, dass Käufer sich immer weniger auf eine Stilrichtung festlegen. Für die wachsende Zahl sogenannter Crossover Collectors kreieren sie neue Verkaufsformen mit Spitzenstücken angewandter Kunst aus unterschiedlichen Rubriken und Epochen, um eine jüngere Kundschaft anzusprechen.

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