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Veröffentlicht: 12.04.2016, 10:31 Uhr

„Staude des Jahres“ Königinnen unter sich

Die Schwertlilie ist „Staude des Jahres 2016“. Gärtnerin Anja Maubach über den Charme der Iris, Duftnoten und blühfaule Exemplare.

von Florian Siebeck
© Hans Reinhard Hier hat die Iris ihren ganz großen Auftritt: Garten des Malers Claude Monet in Giverny, Frankreich

Frau Maubach, die Schwertlilie ist vom Bund deutscher Staudengärtner zur Staude des Jahres gekürt worden. Ist sie überhaupt noch der Deutschen Liebling im Garten?

Das ist schon etwas her. Ihre Hochzeit hatte sie in den siebziger und achtziger Jahren. Da war sie hierzulande etwas Besonderes und Neues, galt als anmutig mit ihren exotischen großen Blütenblättern und diesem feinen Duft. Etwas, was die heimische Flora ja nicht mitbringt. Die Pflanze selbst hat keine besonders lange Blütezeit oder gar schönes Laub. Es ist der Zeitpunkt der Blüte, der für die Leute zählt. Die Begeisterung hat aber nachgelassen. Heute arbeitet man wieder mehr mit der Natur, und da wirkt etwa eine zierlichere Sibirische Iris natürlicher und schöner als diese große, exotische Schönheit, die Bart-Iris. Die Sibirische Iris hat ein kleineres Farbspektrum. Schwertlilien haben einen unterschiedlichen Charakter: So blüht zum Beispiel die sibirische Schwertlilie schon im Mai und Juni, die Bart-Iris im Juni und Juli.

Wer jetzt angesichts der schönen Fotos unbedingt eine Iris haben will, ist mit dem Pflanzen spät dran, oder?

In der Tat. Jetzt sollten sie in die Erde. Wenn die Iris anfängt zu blühen, sollte man die Finger von ihr lassen. Im Freiland ernten wir die Erdsprossen bis April, später nicht. Pflanzzeit ist im August und September, dann hat die Iris Ruhezeit. Manchmal kommen Kunden während der Blüte und sagen: „Graben Sie sie einfach aus, ich grabe sie auch gleich wieder ein.“ Denen fehlt das Verständnis dafür, dass sie die Pflanze mitten aus dem Liebesleben herausreißen und dass die Iris keinesfalls Stunden später noch genauso aussieht. Ihnen fehlt der Bezug zu den Abläufen der Natur. Wir können die Iris natürlich ausgraben, aber dann müssen wir die Blüte abschneiden. Man muss sich eben entscheiden, ob sie blühen soll oder Wurzeln schlagen. Beides gleichzeitig geht nicht. Die Kunden können sie aber, ganz altmodisch, in der Blüte aussuchen. Wir rufen sie dann im Herbst an, wenn die Pflanze abholbereit ist.

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Iris soll man am besten in Gruppen pflanzen, heißt es. Aber wie viele?

Eine Iris allein sieht blöd aus im Garten. Sie müssen das als Bild sehen: Die vertikale, aufstrebende Form und das schmale Laub, das an Gras erinnert, geben dem Garten eine schöne Struktur, und das sagt vielen Leuten zu. Ideal ist etwa eine Dreiergruppe, aber nie mehr. Wenn die verblüht sind, hat man sonst ein Riesenloch im Garten.

Ein Iris-Meer wie in Giverny, dem Garten des Malers Claude Monet in der Normandie, sieht also nach der Blüte nicht sehr ansehnlich aus?

Genau. Ein ganzer Iris-Garten kann daher nicht schön aussehen. Also pflanzen Sie lieber drei von einer Sorte, das hat eine schöne Wirkung, und die können Sie dann mit anderen Pflanzen kombinieren. Oder pflanzen Sie sie wie eine mit dem Pinsel gezogene Fläche. Wer die Pflanze versteht, wird auf gute Ideen kommen. Sehr schön sehen Schwertlilien auch als Einfassung entlang des Wegesrandes aus, wie ein Spalier. Es ist ein wunderschöner Anblick, wenn einen 50 blaue Iris bis zur Haustür geleiten. In Frankreich sieht man das recht häufig. Aber so weitläufige Phantasien gibt es derzeit in Deutschland nicht. Hier findet das Gärtnern mit der „Landlust“ in der Hand im Wohnzimmer statt, nicht draußen in der Erde. Allerhöchstens noch am Weber-Grill.

Hainburg, Oesterreich, bluehende Zwergiris Iris pumila © Caro / Riedmiller Bilderstrecke 

Welche Nachbarn passen zur Iris?

Immer schön ist Lavendel. In England habe ich das gesehen, das ist eine schöne Kombination. Denn Schwertlilien haben nach der Blüte kein schönes Laub. Der Lavendel kaschiert, dass es der Iris an schönem Laub mangelt. In der Toskana mag das egal sein, aber nicht hier in Wuppertal. Man kann also zwei Reihen Lavendel pflanzen und dazwischen Iris. Wie eine Allee. Nach der Blüte der Iris hält der Lavendel die Stellung. Die Iris hat eine mediterrane Ausstrahlung, insofern ist das eine kluge Kombination. Oder man nimmt Katzenminze. Die ist niedriger und umspielt die Iris. Außerdem setzt sie im Spätsommer einen neuen Akzent. Oregano oder Thymian sind ebenfalls gut oder Steinquendel, der ist auch für Bienen interessant.

Es gibt aber auch sogenannte remontierende Sorten, die zweimal hintereinander blühen sollen.

Das ist ein Versprechen, von dem ich nicht weiß, ob es viele halten können. Die Sorte ’English Cottage‘ hat schon zweimal bei uns geblüht, bei anderen ist es mir noch nicht aufgefallen.

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