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Werkstätten Hellerau : Der Vorläufer von Ikea

Interieur für Gutbetuchte: Ein Mitarbeiter montiert einen furnrierten Rundtisch. Bild: 55120154 © Sven Doering / Agent

Mit ihren zerlegbaren Möbeln setzten die Werkstätten Hellerau aus Dresden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Maßstäbe. Später statteten sie DDR-Prunkbauten aus, heute sind es Luxusyachten. Um dorthin zu kommen, bedurfte es eines kleinen Umwegs.

          Manchmal muss man scheitern, um Erfolg zu haben. Im Fall der Werkstätten Hellerau ist scheitern vielleicht ein zu großes Wort, denn immerhin entstand dabei ein Luxuszug und wenig später das neue Kerngeschäft: der Innenausbau von Yachten und Immobilien. Dass das Dresdner Traditionsunternehmen, dessen Wurzeln in der Reformbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts liegen, heute so erfolgreich ist, verdankt es Fritz Straub.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Straub – schneeweißes Haar, bernsteingelbe runde Brille, ein himmelblaues Hemd mit kleinen Karos – empfängt den Besuch im ersten Stock in einem Großraumbüro, das im alten Teil des Gebäudekomplexes liegt. Draußen im Hof sieht der Besucher an den ehemaligen Werkhallen und Bürogebäuden noch deutlich Anklänge der Reformarchitektur von 1909. Drinnen herrscht schlichtes Bürodesign: Lederbezogene Sitzgruppen, Kaffeeküche, Einzelzimmer hinter Glastüren, aufgeräumte Schreibtische durchziehen den Raum, in einem Regal stehen Kunst- und Geschichtsbände, die Tradition ist allgegenwärtig. Der Raum selbst fast schon geschichtsträchtig.

          Denn hier beschloss Straub, damals während eines Besuchs kurz nach der Wende, die Werkstätten zu übernehmen. Mehr als 20 Jahre hatte er in Höchst als Pharmamanager gearbeitet, war dann zu einem Mittelständler gewechselt und suchte just in dem Moment nach neuen Herausforderungen, als die Mauer fiel. Von der Treuhand ließ er sich einige Unternehmen vorschlagen, die für ihn als Investor interessant sein könnten. Er fuhr durch Ostdeutschland, doch nichts sagte ihm so recht zu. Dann wies ihn ein Treuhandmitarbeiter auf die Werkstätten Hellerau hin. „Sind das Behindertenwerkstätten?“, fragte Straub. „Das ist so ähnlich wie Bauhaus, nur viel früher“, kam als Antwort.

          Der marode Charme der Toskana wehte hier

          Straub fuhr also hin, es war ein schöner Maitag, und wer weiß, wie viel das Wetter letzten Endes bei Investitionen eine Rolle spielt. In Straubs Erinnerung war dieser Tag unbestritten großartig: Die Sonne schien, die Kastanien blühten, der wilde Wein rankte sich am Gemäuer entlang. „Das war der marode Charme der Toskana, der hier wehte. Wenn noch Putz am Gebäude war, stammte der von 1909“, erinnert sich Straub. Was er drinnen vorfand, enttäuschte ihn dann eher. Zu DDR-Zeiten hatte man die Werkstätten in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt, das Kerngeschäft bestand nun darin, Schrank- und Einrichtungssysteme aus gepressten Möbelplatten herzustellen. Nicht konkurrenzfähig mit Ikea, befand Straub, und dann trat er in ebenjenen Raum im ersten Stock.

          „Exakt hier, in diesem Raum, standen Hobelbänke“, erzählt Straub. „An den Bänken waren hintereinander rund 70 Schreiner am Werk.“ Die Abteilung beschäftigte sich mit Sonderanfertigungen und hatte sich auf den Innenausbau spezialisiert. Hier arbeiteten die besten Tischler der DDR. Die Dresdner Semperoper, das Gewandhaus in Leipzig, die Gästehäuser der Politikelite in Wandlitz hatten sie ausgestattet. Straub war vom Handwerk begeistert, auf dieser kleinen Abteilung wollte er das zukünftige Unternehmen gründen.

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