http://www.faz.net/-hrx-85ue0

Designerin Inga Sempé : „Frankreich ist ein furchtbares Land für Designer“

  • -Aktualisiert am

Eigentlich entwirft Inga Sempé lieber Lampen. Denen setzt der menschliche Körper keine Grenzen. Denn die mag sie nicht. Bild: Sofia Sanchez & Mauro Mongiello

Inga Sempé ist Frankreichs gefragteste Designerin – und die eigenwilligste. Ein Gespräch über schöne und hässliche Dinge, jammernde Franzosen und nervtötende Journalistenfragen.

          Sie hört es nicht so gern, deswegen sagen wir es gleich zu Beginn: Ja, der Vater von Inga Sempé hat, man merkt’s am Namen, auch den „Kleinen Nick“ gezeichnet. Mittlerweile hat seine Tochter Inga selbst zwei Kinder und sich als Designerin einen Namen gemacht. Inga Sempé entwirft neben Sofas, Tischen und Stühlen vor allem Lampen. Eine Interview-Anfrage per Mail beantwortet sie selbst (und auf Deutsch). Sie mag Deutschland, in ihrem Studio im 10. Pariser Arrondissement liegen folgerichtig eine Brezel, frisch vom Münchner Flughafen, und eine Tüte „Sauce à la Café de Paris“ vom Rewe.

          Madame Sempé, reden wir jetzt mal nicht über Ihren Vater.

          Wir können schon über meinen Vater reden, aber ich habe auch eine Mutter. Jeder fragt nur nach meinem Vater. Als Kind hat man aber mit beiden Elternteilen gleichermaßen zu tun, auch wenn einer der beiden nicht bekannt ist. Wenn man ein Kind ist, sind die Eltern nur die Eltern. Beide beeinflussen Sie.

          Was haben Sie als Kind von Ihrer Mutter gelernt?

          Ich lebte bei meiner Mutter, sie hat mich sehr geprägt. Sie zeichnete auch und achtete sehr auf Objekte, mehr noch als mein Vater. Ich ging immer mit ihr auf den Flohmarkt, nie mit meinem Vater. Wir gingen einmal die Woche, manchmal auch zweimal. Paris hat sich stark verändert in den vergangenen Jahren, die Stadt ist viel lebendiger geworden. Früher war das Leben so traurig am Sonntag, und Flohmärkte waren die einzigen lebendigen Orte. Meine Mutter kaufte sehr viel, aber ich schaute mich nur um. Das ist heute noch immer so. Ich kaufe fast nichts.

          Woran arbeiten Sie gerade?

          Das ist schwierig zu beantworten, weil ich es immer vergesse. Moment. Also: Ich arbeite an einem Stoff, an einem Kerzenhalter, an einer Lampe und an einem Sofa.

          Wie entscheiden Sie, mit welchen Herstellern Sie zusammenarbeiten?

          Ich arbeite lieber mit kleinen Firmen, die kein Geld machen, als mit großen Häusern, die aus einem schönen Objekt ein grässliches machen. Ich arbeite auch grundsätzlich nur mit Chefs zusammen. Wenn Sie mit Leuten weiter unten in der Hierarchie arbeiten, funktioniert das nicht. Die wollen immer irgendwas ändern, weil sie es irgendwem recht machen wollen. Und ich arbeite selten in Frankreich, weil es hier kaum gute Hersteller gibt.

          Immerhin entwerfen Sie hier für Moustache und Ligne Roset. Für die haben Sie das Sofa „Ruché“ (Rüsche) aus Holz mit einer dicken Decke aus einer Art Waffelstoff gemacht.

          Ein Sofa kann sehr langweilig sein. Die Herausforderung ist also, es nicht langweilig aussehen zu lassen. Ich mag es nicht so sehr, Sofas zu entwerfen. Man muss es ja irgendwie so machen, dass es interessant aussieht, für den Designer und für den Kunden, auch wenn das nicht unbedingt dieselben Parameter sind. Durch den menschlichen Körper sind dem Designer enge Grenzen gesetzt. Deshalb mache ich lieber kleine Objekte.

          Sofa „Ruché“ für Ligne Roset Bilderstrecke

          Michel Roset sagte, er sei vor Ihrem ersten Treffen sehr skeptisch gewesen, weil Sie als schwierig galten.

          Wissen Sie, man sagt Ihnen immer nach, dass Sie eine schwierige Person sind, wenn Sie Leuten mal klipp und klar Nein sagen. Besonders, wenn Sie eine Frau sind. Wenn Sie als Frau nicht übereinstimmen mit dem, was Leute Ihnen vorschlagen, sind Sie für die schon fast eine Hexe. Es ist wichtig, schwierig zu sein – wenn das bedeutet, dass Sie es nicht allen recht machen wollen und nicht jeden Wunsch erfüllen, der an Sie herangetragen wird.

          Was wird denn an Sie herangetragen?

          Weitere Themen

          Schlecht versteckt Video-Seite öffnen

          Uhren und Schmuck : Schlecht versteckt

          Im Safe liegen Schmuck und Uhren nicht unbedingt sicher. Besser man verwahrt sie in den chaotischen Ecken. Da sind sie schlecht versteckt, da sucht sie kein Einbrecher – wie unsere Schmuck-Bilderstrecke zeigt.

          Topmeldungen

          Aussage zu Asylrecht : Einig gegen Merz

          Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn preisen das individuelle Recht auf Asyl aus dem Grundgesetz. Auch aus anderen Parteien schlägt Friedrich Merz, ihrem Mitbewerber um den Parteivorsitz, Kritik entgegen.

          Wegweisende Entscheidung : Datenschützer bestrafen massenhaften Datenklau

          Behörden verhängen das erste Bußgeld nach der Datenschutzgrundverordnung gegen ein Unternehmen – das soziale Netzwerk Knuddels. Jetzt zeigt sich: Wer kooperiert, bekommt einen erheblichen Discount.
          Abgase sind entscheidende Kohlendioxid-Quellen.

          Neue Rekordwerte : Kein Rückgang der Treibhausgase in Sicht

          Wieder Rekordwerte: Treibhausgase, die das Klima verändern, nehmen ungebremst zu in der Luft. Besonders besorgniserregend stuft die Weltwetterbehörde die neuen Höchstwerte von Kohlendioxid ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.