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Designerin Inga Sempé : „Frankreich ist ein furchtbares Land für Designer“

  • -Aktualisiert am

Es ist mir egal. Es ist mir vollkommen wurscht. Man hat nicht immer die gleiche Beziehung zu einem Produkt. Manchmal hat man abgeschlossen mit ihm, man hat es zu oft gesehen, oder man hat wirklich viel zu viel Zeit damit verbracht, so dass man es einfach loswerden will und bloß nicht mehr darüber nachdenken.

Aber es muss doch etwas geben, das Ihnen am Herzen liegt, etwas, das Sie vielleicht auch zu Hause haben.

Ich habe ein paar Sofas und Lampen zu Hause. Nicht viele. Ich benutze Besteck, das ich für Alessi entworfen habe. Die letzte Lampe, die ich für Wästberg gemacht habe, die mag ich wirklich. Weil die alles zusammenfasst, was ich an Lampen interessant finde. Man kann sie hängen, stellen, klemmen. Sie ist ein happy object, das kann man jeden Tag benutzen, und es passt in jede Wohnung. Ich bin noch nicht drüber hinweg.

Wie kamen Sie auf Wästberg?

Ich war auf der Messe in Stockholm, und ich wollte unbedingt jemanden von Wästberg treffen. Ich traute mich aber nicht, zu denen an den Stand zu gehen. In der nächsten Woche kontaktierte mich Magnus Wästberg plötzlich von sich aus, und wir gingen Mittag essen. Er fragte mich, ob ich eine Idee hätte, und ich sagte: ja! Ich malte eine ziemlich furchtbare Skizze auf eine Serviette, aber er hatte sofort verstanden, wie es aussehen sollte. Er sagte: Das machen wir! Das war wie im Traum.

Waren Sie einmal enttäuscht, weil Ihnen das Modell oder die Idee besser gefallen hat als das Produkt?

Nein. Dann wäre irgendwas in der Produktion schiefgelaufen. Man sollte sich dessen bewusst sein: Selbst das Modell eines hässlichen Objekts ist hübsch, weil es ein Modell ist. Aber die Wahrheit liegt nur im richtigen Maßstab. Das ist der harte Teil der Arbeit: ein schönes Produkt zu machen im Maßstab 1:1.

Sie sind vor allem für Ihre Lampen bekannt. Warum gerade Lampen?

Der menschliche Körper setzt vielen Gegenständen Grenzen. Bei Lampen ist das anders, die müssen sich nicht an den Körper anpassen. Es gibt eine viel größere Produktvielfalt. Ich kann vielleicht fünf Lampen im Jahr entwerfen, aber nicht fünf Sofas.

Was machen Sie, wenn Sie mal keine Ideen haben?

Ich zeichne. Ich fange an mit Produkten, die ich vorher lanciert habe. Dann zeichne ich Dinge, die ich oft nicht mag, aber manchmal finde ich dabei einen neuen Dreh, und so nähere ich mich an. Manchmal habe ich eine Idee, ohne vorher gezeichnet zu haben, aber das kommt äußerst selten vor.

Gibt es einen Ort, der Sie anregt?

Ich gebe nichts auf Inspiration. Das ist ein furchtbares Wort. Viel zu nah dran an der Kopie. Es gibt Leute, die sind total „inspiriert“ von Magazinen und Katalogen, und dann kombinieren sie zwei Produkte, die sie vorher gesehen haben. Das mache ich nicht. Ich kann höchstens versuchen, aus einem wirklich miserablen Produkt ein besseres zu machen. Dann gibt es noch Leute, die von Musik oder von Orten inspiriert werden. Auch das ist mir nicht vergönnt.

Verbringen Sie viel Zeit im Internet?

Ich will mich neben der Arbeit nicht so viel im Internet aufhalten. Ich bin nicht auf Facebook und Konsorten – meine Kollegin Léa hat das Passwort dafür. Ich mag aber Ebay, da bin ich sehr häufig unterwegs.

Also kaufen Sie doch rege?

Ich nutze die Seite anders als andere Leute. Ich habe nicht das Bedürfnis, viel zu besitzen. Ich schaue mir gern Dinge an, ich möchte sie verstehen, aber nicht besitzen. Das Tolle an Ebay ist, dass ich eine Menge Produkte finden kann, die nur aufgrund ihrer Typologie zusammengehören und alle auf einer Seite aufgelistet sind. Da schaue ich mich um. Wie damals, auf dem Flohmarkt.

Das Gespräch führte Florian Siebeck.

Quelle: F.A.S.

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