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Hochbeete : Garten in der Kiste

Nur die Harten kommen in’n Garten: Beim Frankfurter Garten zimmern sich die Stadtgärtner ihre Hochbeete selbst. Bild: Etienne Lehnen

Ob auf dem Balkon oder dem heimischen Rasen – das Hochbeet erlebt eine Renaissance. Warum höher gepflanzte Karotten besser wachsen und wie man ein Hochbeet leicht selbst baut.

          Warum auf dem Boden bleiben, wenn man ganz hoch hinaus will? Das denken sich immer mehr Gärtner und verlegen ihre Beete um eine Etage nach oben. Hochbeete liegen im Trend – und nicht nur urbane Hipster stehen auf selbstgezüchtete Hochbeet-Kresse auf dem Käsebrot. So auch beim „Frankfurter Garten“ in der Stadt am Main. Dort hat das Urban-Gardening-Projekt auf einem Platz am Ostbahnhof ein Zuhause gefunden. Hier treffen sich die Stadtgärtner zum Pflanzen, Essen, zum Mädchenflohmarkt – und zum Hochbeetebauen.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Wir nutzen das, was die Stadt abwirft, alte Europaletten zum Beispiel, um etwas anderes daraus zu machen“, erklärt Boris Wenzel, der seit der ersten Stunde des Frankfurter Gartens im Frühjahr 2013 dabei ist, das Konzept des Upcyclings. Für ihn hat Urban Gardening immer etwas mit Bauen zu tun. „Wenn ich auf dem Land wohne und Selbstversorger sein möchte, habe ich ja Platz“, sagt Wenzel. „Je verdichteter die Bebauung in den Städten ist, desto komplizierter wird es, selbst etwas anzupflanzen.“

          Selbst angebautes Obst und Gemüse ernten

          Boden und damit Pflanzfläche ist auch angesichts steigender Grundstückspreise in Metropolen Mangelware. Immer mehr Menschen in der Stadt haben keinen großen Garten, in dem sie breitflächig ein Blumenmeer anlegen oder einen großen Gemüsegarten bewirtschaften könnten – und die Zeit dafür haben sie schon gar nicht. Mehr als ein kleiner Grünstreifen vor der Doppelhaushälfte, ein gepflasterter Hinterhof oder ein Balkon sind nicht drin.

          1. Als Material dienen eine Europalette, Dachlatten, Wasserwaage und Winkelmaß. Bilderstrecke
          1. Als Material dienen eine Europalette, Dachlatten, Wasserwaage und Winkelmaß. :

          Trotzdem möchten viele Städter im Zuge der Do-it-yourself-Bewegung selbst angebautes Obst und Gemüse ernten. Sie wollen sich eine kleine grüne Oase schaffen oder ihren Kindern nahebringen, wie eine Tomate gedeiht. Die Lösung: das Hochbeet. Vor Tausenden von Jahren in Südchina erfunden, wo es unter dem Namen „Hügelbeet in der Kiste“ bekannt ist, bietet es reichhaltige Erträge auf kleinem Raum. Ob Gemüse, Salat, Blumen, Kräuter oder Früchte - vieles lässt sich auf dem kleinen Rechteck setzen.

          Doch was hat das Hochbeet, das ebenerdige Beete im Garten nicht haben? Im Inneren des Hochbeetes verrotten Humus und Gartenabfälle. Sie werden von Bodenlebewesen und Mikroorganismen zersetzt, und dabei entsteht Wärme. Deshalb liegt die Bodentemperatur der Hochbeete im Frühling um bis zu 10 Grad höher als die eines normalen Beetes. Die höhere Temperatur beschert dem Gärtner eine vier bis sechs Wochen frühere und längere Ernte. Außerdem setzt die Kompostierung Nährstoffe frei: Die Erde ist dadurch sehr fruchtbar und liefert einen deutlich höheren Ertrag – ganz ohne chemisches Düngen.

          „Man merkt es im Rücken“

          Das Hochbeet macht den Gärtner unabhängig von der Qualität der Erde, die er vor Ort vorfindet – besonders, wenn der Boden nährstoffarm oder gar mit Schadstoffen belastet ist. Außerdem lassen sich Substrate gezielt auswählen und so auch Pflanzen ziehen, die unterschiedliche Böden benötigen.

          „Wenn man mal sechs Stunden gegärtnert hat, merkt man’s normalerweise im Rücken und in den Knien“, nennt Wenzel einen weiteren Vorteil der erhöhten Pflanzfläche, die man rückenschonend im Stehen bewirtschaften kann. Im Idealfall reicht der obere Rand bis zur Höhe des Beckenkamms, das Hochbeet ist dann zwischen 80 und 100 Zentimetern hoch. Eine Alternative sind Pflanzkästen in Tischhöhe von etwa 60 Zentimetern, so lässt es sich bequem im Sitzen gärtnern. Außerdem haben es Schnecken und Kaninchen beim hohen Beet schwerer, an Obst und Gemüse heranzukommen – und Krankheitskeime wie Pilze und Unkraut verbreiten sich weniger stark.

          „Es gibt zwei Formen von Hochbeeten“, erläutert der Frankfurter Gärtner. Kästen mit geschlossenem Boden haben den Vorteil, dass man sie auf dem Balkon aufstellen und beim Umzug mitnehmen kann. Dafür interagieren Hochbeete, die direkt auf der Erde stehen, mit dem Erdreich, sagt Wenzel, und haben so eine höhere Biodiversität. Will man das Hochbeet auf der Erde errichten, ist es ratsam, auf dem Boden des Beetes und 20 Zentimeter hoch an den Seiten Maschendraht auszulegen, damit die Wurzeln vor Wühlmaus und Maulwurf geschützt sind.

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