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Jardin Majorelle : Das Paradies, es liegt in Marrakesch

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Ein unwirklicher Ort: Der Jardin Majorelle in Marrakesch, Rückzugsort von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé Bild: Jonathan Prime

Der Jardin Majorelle ist einer der schönsten Gärten der Welt. Früher wohnte hier Yves Saint Laurent. Es ist ein unwirklicher Ort. Sein Obergärtner kam über Umwege – jetzt will er nicht mehr weg. Ein Protokoll.

          Irgendwann, ich weiß nicht mehr, wann, habe ich angefangen, mit den Pflanzen zu reden. Das mag pathetisch klingen, es ist aber so. Ich weiß, wann es ihnen gutgeht und wann nicht, ob sie krank sind, wann sie Wasser brauchen. Ich kann das sagen, ohne hinzusehen. Ich kenne hier jede Pflanze. Ich gebe mein ganzes Herz für sie.

          Mein Name ist Youssef Jellab. Seit acht Jahren bin ich Obergärtner im Jardin Majorelle in Marrakesch. Der Maler Jacques Majorelle hat ihn 1923 gegründet, vier Jahre nachdem er sich in Marrakesch niederließ. Der Garten war sein Lebenstraum. Majorelle war nicht nur ein begnadeter Maler, sondern auch leidenschaftlicher Botaniker. Aus aller Welt brachte er Pflanzen in diesen Garten, er galt als einer der großen Sammler seiner Zeit. Später bat er den Architekten Paul Sinoir, ihm hier ein Atelier und Wohnhaus zu bauen. Es ist in der Farbe gestrichen, die seinen Namen trägt: in Majorelle-Blau.

          Leuchtende Farben und Ornamente dominieren den Garten.

          Dass der Garten überhaupt noch existiert, haben wir dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent und seinem Lebensgefährten Pierre Bergé zu verdanken. Anfang der Sechziger, nach Majorelles Tod, lag der Garten brach und war verwildert. 1980 kaufte ihn das Paar. Laurent und Bergé haben viel für den Garten getan. Sie haben ein Bewässerungssystem angelegt, das 40 Prozent Wasser spart. Sie haben die Zahl der Pflanzen verdoppelt. Viele bekamen sie aus der Baumschule von Sadeq Tazi, einem Freund Bergés, in Casablanca. Die Kakteen und Sukkulenten haben sie bei einem Deutschen gekauft, Hans Thiemann, der sie hier mit seiner Frau Fatima züchtete. Statt Gras legten sie Schotter aus, um Wasser zu sparen. Im Garten wachsen Pflanzen aller fünf Kontinente, hauptsächlich Kakteen und Bougainvilleen, weil die das ganze Jahr über schön anzusehen sind. Es sind 300 Arten. Wie viele Pflanzen es insgesamt sind, kann man gar nicht zählen. Oder vielleicht doch, aber ich habe es nie gemacht.

          Eigentlich wollte ich gar kein Gärtner werden. Ich war, wie man so schön sagt, jung und brauchte das Geld. Zwei Jahre lang hatte ich Jura studiert und dann abgebrochen. Dann war ich arbeitslos. Ich wollte meinen Eltern aber nicht auf der Tasche liegen. Also habe ich Kleidung verkauft. Dann Zigaretten. Dann war ich Maurer, habe Keramiken gemacht, Mosaike, solche Dinge. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, in einem Garten zu arbeiten. Dann bekam ich das Angebot, für Patrick Guerrand-Hermès zu arbeiten, einen Franzosen, der hier ein 14 Hektar großes Privatanwesen hatte. Erst lehnte ich ab, weil mir die gärtnerische Ausbildung fehlte. Dann sagte ich doch zu, die Arbeit versprach gutes Geld und es sollte nur für einen Monat sein.

          Eine Oase inmitten der Stadt: Mehr als 300 Arten gibt es hier, vor allem Kakteen und Bougainvilleen.

          Aus dem Monat wurden vier Jahre. Im Garten hat mir ein Franzose, Thierry Fuentes, den Weg gewiesen: Er hat mir die vielen Namen beigebracht; er hat mir gezeigt, wie man sieht, ob eine Pflanze gesund oder krank ist, wie es ihr geht und was sie braucht. Es war eine harte Schule. Andauernd musste ich mir was anhören. Was ich wieder falsch gemacht hatte, was ich hätte besser machen können, wo ich versagt hatte. Eines Tages sagte ich mir: Das war’s, morgen komme ich nicht wieder. Aber dann habe ich gedacht: Warum geht er so hart mit dir ins Gericht? Er macht das doch in deinem Interesse. Später kaufte Marella Agnelli, die Fiat-Witwe, das Grundstück. Fünf Jahre habe ich für sie gearbeitet. Sie ließ den Garten von Madison Cox neu gestalten. Irgendwann kam Monsieur Thierry gar nicht mehr zu mir. Ich fragte ihn, ob ich aus seiner Gunst gefallen war, doch er antwortete nur: Youssef, du bist jetzt angekommen.

          Und dann kam ich her, ins Paradies. Monsieur Thierry hatte mich Monsieur Cox empfohlen, der auch den Majorelle neu gestaltet hatte und nun einen Obergärtner suchte. Acht Jahre ist das her. Um den Garten zu erhalten, arbeiten wir zu siebt. Jeder Gärtner kümmert sich um einen Abschnitt. Wobei einer der Gärtner eigentlich ein Maler ist. Jeden Tag wird hier gestrichen. Auch das ist ein Vermächtnis von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé: Sie brachten mehr Farbe in den Garten, all die Töpfe strahlen in leuchtenden Farben. Das Blau rühren wir noch so an wie früher.

          Bei der Arbeit: Obergärtner Youssef Jellab.

          Yves Saint Laurent zog sich 2002, als er seine Karriere beendete, nach Marrakesch zurück. 2008, als er starb, wurde seine Asche im Rosengarten verstreut. Der ist im privaten Teil des Gartens, neben seiner Villa Oasis, die einen noch größeren Garten hat als der öffentliche Teil. Wir kümmern uns auch um den Garten des Gästehauses, das Pierre Bergé noch nutzt, wenn er Freunde empfängt. Er kommt noch häufig vorbei. Er liebt Marrakesch, und er liebt den Garten. Wie alle, die hier arbeiten. Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben, und dafür bin ich sehr dankbar. Gibt es einen Garten, den ich mehr liebe als diesen? Nein, sicher nicht. Der Majorelle ist ein geheimnisvoller Ort, der atmet und lebt. Ich gehe hier nicht mehr weg. Der Garten ist jetzt ein Teil von mir.

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