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Denkmalschutz : Café mit Aussicht

So sah es aus: Am Parkcafé blühten im Mai 1957 rechtzeitig zur Bundesgartenschau die Tulpen - und die schönen Ideen einer leicht beschwingten Nachkriegsarchitektur. Bild: Picture-Alliance

Runde Formen, bunte Farben: Im Kölner Rheinpark wird ein Architekturjuwel der fünfziger Jahre endlich instandgesetzt. Das denkmalgeschützte Café soll wieder in Betrieb genommen werden.

          In diesem Frühjahr hätte der sechzigste Geburtstag gefeiert werden können. Wenn es denn etwas zu feiern gäbe. Aber noch sieht es danach nicht aus. Das Gebäude ist eingerüstet, Bretter und rot-weiße Sperrbänder sichern es ab. Der Putz blättert, Rost nagt an Geländern, Brüstungen, Rohren und Dachkanten, Schutt liegt in den Räumen, Graffiti verschandeln die Wände. Ein Infopavillon, in dem eine kleine Ausstellung Zukunftsmusik anstimmt, steht davor, neben Dixi-Klos und Containern. Lange war das Parkcafé im Kölner Rheinpark dem Verfall preisgegeben, jetzt ist es endlich eine Baustelle. Doch ein Jahr wird es noch dauern, bis es wieder neu, also im alten Glanz, erstrahlt. Als Architekturjuwel der fünfziger Jahre.

          Andreas Rossmann

          Feuilletonkorrespondent in Köln.

          Am 29. April 1957 wurde in Köln die Bundesgartenschau (Buga) eröffnet und mit ihr das Parkcafé. Der Frankfurter Architekt Rambald von Steinbüchel-Rheinwall hatte 1954 mit dem Gartenarchitekten Herbert W. Dirks aus Bad Nauheim den Wettbewerb gewonnen. Doch den Auftrag erhielt er nicht. Für die Ausgestaltung der Rahmenplanung wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründet; sie sollte die besten Elemente der preisgekrönten Vorschläge zusammenführen. Steinbüchel-Rheinwall, der 1926 bei Hans Poelzig sein Studium abgeschlossen und dann im Büro von Peter Behrens gearbeitet hatte, blieb das Parkcafé. Als Trostpreis.

          Im Zeichen des Wiederaufbaus

          Bundesgartenschau 1957 – das war auch Wiederaufbau. Der Krieg hatte die Parkanlagen in eine Wüste aus Bombentrichtern und Trümmerhalden verwandelt. Häuser und öffentliche Gebäude wiederherzustellen, um Wohnraum zu schaffen und die Verwaltung wieder in Gang zu setzen, war zunächst dringlicher. Nun sollte gezeigt werden, dass die belasteten und belastenden Formen überwunden waren. Leichtigkeit und Transparenz hießen die Leitlinien. Die Architektur sollte die alte Ordnung abwerfen und zum Impuls des Aufbruchs werden. Schon 1951 hatte der Kölner Gartenbaudirektor Kurt Schönbohm ein Konzept skizziert, das sich von Achsen und geometrischen Grundrissen verabschiedete – diese Ideen flossen in die Planungen der Bundesgartenschau ein.

          So sieht es aus: Die Tulpen blühen, und am Café wird gearbeitet.
          So sieht es aus: Die Tulpen blühen, und am Café wird gearbeitet. : Bild: Edgar Schoepal

          Der Ort auf der „schäl sick“ , der rechten Rheinseite, gegenüber der Innenstadt, hat eine wechselvolle Geschichte. Erstmals bebaut wurde die Auenlandschaft von den Preußen, die 1818 Deutz zum Brückenkopf der Kölner Festung machten und ihm von 1859 bis 1863 hier das Fort XII vorlagerten. Im Osten des Geländes wurde 1872 die Endstation der Bergisch-Märkischen Eisenbahn errichtet, im Mai 1914 die Werkbundausstellung veranstaltet. Von 1922 bis 1924 wurden im südlichen Abschnitt, auf Initiative von Oberbürgermeister Konrad Adenauer, die Messehallen („Adenauers Pferdeställe“ ) gebaut, und 1928 fand hier, wieder auf Initiative des Stadtoberhaupts, die Ausstellung über das Pressewesen „Pressa“  statt, für die Adolf Abel, der Leiter des Hochbauamts, eine von Backsteinfassaden geprägte Mantelbebauung mit Kolonnaden, Turm und Aussichtsrestaurant schuf.

          Von der KZ-Außenstelle zum Blumen-Park

          In der Nazizeit wurde das Gelände beschlagnahmt: Die Wehrmacht richtete ein Kriegsgefangenenlager ein, ab Mai 1940 wurden 1500 Sinti und Roma, ab Oktober 1941 von hier 11.000 Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Im September 1943 wurde eine Außenstelle des KZ Buchenwald eingerichtet. Vom „Rheinvolkspark“  zum ersten Kreis der Hölle.

          „Blumen blühen am Rhein“  lautete 1957, schlicht und unbeschwert, der Slogan der Bundesgartenschau. Die Stadt putzte sich heraus. 1.371.560 Bäume, Sträucher und Blumen wurden gepflanzt. „Flower Power“  ante verbum: So viel Aufblühen war nie! Die Besucher strömten, rund 4,3 Millionen in 179 Tagen. Der Erfolg ließ sich nicht wiederholen. Der Versuch einer Neuauflage 1971 auf dem gleichen Gelände, erweitert um einen Brückenschlag über den Strom in die Riehler Auen, scheiterte am Geld.

          Köln, die Kulturmetropole am Rhein

          Die Bundesgartenschau war 1957 das herausragende Ereignis in Köln; Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Adenauer sprachen als Schirmherren zur Eröffnung. Aber sie war nicht das einzige. Die Stadt, so warb sie in einem bunten Faltblatt, auf dem die drei Kronen in ihrem Wappen zu gelben Tulpen mutiert sind, „beweist, dass sie mit Recht die Metropole am Rhein genannt wird“ : Am 25. Mai wurde das Wallraf-Richartz-Museum (heute Museum für Angewandte Kunst), am 15. Juni das Historische Museum im Zeughaus (heute Kölnisches Stadtmuseum) eröffnet, und am 18. Mai stand „das neue, im Stil einmalige Opernhaus erstmalig zu kulturellen Veranstaltungen bereit“. Chor-Tage, Internationale Tanz-Festspiele, Gemälde-Ausstellungen, das Deutsche Mozartfest sowie 128 Tagungen und Kongresse, 32 davon mit Bezug zur Gartenschau – die Buga als Motor der Stadtentwicklung und Stadtwerbung.

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