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Kohls Chauffeur : Der getreue Eckhard

Eckhard Seeber fuhr Kanzler Kohl jahrzehntelang. Bild: Wolfgang Eilmes

Jahrzehntelang fuhr Ecki Seeber Helmut Kohl - es ist sein Lebensthema. Dann stieg der Altkanzler aus. Seeber fährt weiter.

          Eckhard Seeber, jahrzehntelang Chauffeur von Helmut Kohl, wohnt mit seiner Frau etwa einen Kilometer Luftlinie vom Haus des Altkanzlers im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim entfernt. Aber Eckhard Seeber sagt nicht: einen Kilometer. Sondern: „Fünf Minuten Fahrt mit dem Auto.“ Die Strecke ist er früher tausendfach gefahren. „Nach drüben.“ Diesen Begriff verwenden die Seebers, wenn sie über das Anwesen der Kohls sprechen. „Drüben“ - das klingt zugleich ganz nah und sehr weit weg. Und genau so ist es.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Wir haben uns eigentlich verabredet, um allgemein über den Beruf des Chauffeurs zu sprechen. In den Vorgesprächen hatte Seeber angedeutet, dass er nicht noch einmal in den alten Erinnerungen an seinen einstigen Chef wühlen wolle. „Das hat alles schon mal in den Zeitungen gestanden.“ Im Haus der Seebers wird aber schnell klar, dass es für beide Seiten künstlich wäre, übers Autofahren zu reden und über den Kanzler zu schweigen. Denn Kohl ist nun einmal Seebers Lebensthema.

          „Das Beste am Kanzler ist Ecki, Wetten dass!“

          Allein der Keller birgt so viele Erinnerungsstücke an die gemeinsame Zeit, dass man dereinst ein Museum daraus machen könnte: die Trikolore, die François Mitterands Limousine bei dessen letztem Deutschland-Besuch schmückte; Autokennzeichen aus der ganzen Welt; ein Blechschild mit der Aufschrift „Früher hatten wir den Kohl, jetzt haben wir den Salat.“ Auch der Aufgang zum Wohnzimmer ist getäfelt mit Erinnerungen: „Ecki“, wie Kohl ihn nannte, auf einem Foto mit Papst Johannes Paul II., neben Boris Jelzin, zwischen George W. Bush und Kohl. Außerdem eine Widmung von Thomas Gottschalk: „Das Beste am Kanzler ist Ecki, Wetten dass!“

          Im Jahr 1962 sind sie sich zum ersten Mal begegnet. Eckhard Seeber hatte zuvor, bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr, erste Erfahrungen gesammelt als professioneller Fahrer: Er chauffierte den Kommandeur. Über einen Kameraden beim Militär kam der Kontakt zu Wigand Freiherr von Salmuth zustande, dem Chef der in Ludwigshafen ansässigen Chemie-Firma Giulini. Seeber wurde sein Fahrer und Butler. So kam der gebürtige Thüringer, der in Bayern aufgewachsen ist, überhaupt in die Pfalz. Eines Abends gab der Freiherr ein Essen. Kohl, seinerzeit stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Mainz, war auch eingeladen. Als Seeber ihn nach Hause fuhr, fragte ihn der Politiker, ob er ihm nicht einen Fahrer empfehlen könne, er suche einen.

          „1000 Kilometer am Tag - noch immer kein Problem“

          Seeber ist kein Mann gedrechselter Worte. Auf die Frage, wie er Kohl damals erlebt habe, sagt er: „Ganz normal.“ Eine Woche später bot er sich selbst als Fahrer an, mit Erfolg. Er blieb zwar noch in Diensten des Freiherrn, der aber akzeptierte, dass Seeber einen zusehends größeren Teil seiner Arbeitszeit für den aufstrebenden Politiker aufwendete. 1969 wurde Kohl Ministerpräsident und erwarb damit das Recht auf einen eigenen Fahrer. Von nun an waren die beiden auch offiziell ein Team, bis ins Jahr 2008, also fast vier Jahrzehnte lang.

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