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Bosnische Möbel : Voll auf dem Holzweg

  • -Aktualisiert am

Die internationale Hockermode kommt Zanat durchaus entgegen. Bild: Zanat

Der Balkan ist bisher kein Hotspot des Möbeldesigns gewesen. Das soll sich jetzt ändern. Zwei bosnische Marken sorgen für Furore – mit schwedischer Hilfe.

          Handwerk hat goldenen Boden, sagt der Volksmund. Und schaut man sich auf den großen Möbelmessen um oder lässt sich durch Interior-Shops und -Blogs treiben, wird klar: Recht hat er! Feine Schnitzereien, dem Holz in stundenlanger Detailarbeit entlockt, kostbare Ziselierungen, zartes Flechtwerk oder handgearbeitete Keramiken mit ursprünglichem Charakter liegen aktuell im Trend. Als Zeichen der Zeit wider die Gleichmacherei befriedigen diese Produkte mit fast schon naivem Charme den Wunsch des Konsumenten nach Individualität und Authentizität. Denn wer das Besondere für sein Zuhause sucht, der legt entweder selbst Hand an, kauft Gutes aus Omas Zeiten auf dem Trödel oder aber wird bei Marken fündig, die es verstehen, traditionelle Handwerkstechniken ins Hier und Jetzt zu übersetzen.

          Dabei spielt neben dem heimlichen Star des Trends – dem Handwerker – auch der Werkstoff eine zentrale Rolle. Allen voran Holz. Versteckte sich das zuletzt noch schüchtern unter Hochglanz-lackierungen, offenbart es nun mehr und mehr seine natürliche Schönheit, beispielsweise durch Astlöcher, starke Maserungen oder sogar Baumrindenreste. Zusammengefasst ergibt sich die Trendformel „Holz plus Handwerk plus gutes Design gleich Verkaufserfolg“. Kein Wunder eigentlich, dass nun auch Marken aus Ländern Anschluss an den hiesigen Möbelmarkt finden, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt als Design-Hotspots bewertet hätte.

          Internationale Aufmerksamkeit in kürzester Zeit

          Zanat und Artisan aus Bosnien-Hercegovina gehören dazu. Beide Labels haben es binnen kurzer Zeit geschafft, international auf sich aufmerksam zu machen. Denn „sie treffen ziemlich genau den Nerv der Zeit, machen gutes Marketing, gute Produkte und nicht zuletzt auch gutes Design“, fasst es Ursula Geismann, Trend- und Design-Expertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), zusammen. Design werde nun auch endlich in Osteuropa, wo man sich vom sozialistischen Einheitsstil habe lösen müssen, anders, nämlich globaler bewertet, sagt sie.

          Zanat hat sich dafür neu erfinden müssen. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Konjic, südwestlich von Sarajevo, und sind fast hundert Jahre alt. Sie basieren auf einer primitiven Handschnitz-Technik, dem „bosnischen Konjic-Stil“, den Gano Niksic für sich entdeckte und weiterentwickelte. 1927 gründete Ganos Sohn Adem dann ein Unternehmen für die Herstellung von Luxusmöbeln, das die Grundfeste von Zanat bildet und zwischen dem Zweiten Weltkrieg, dem Ende des Sozialismus und dem Bosnien-Krieg durch dessen Kinder am Leben gehalten wurde. 1995 eröffnete die Firma zuerst unter dem Namen „Rukotvorine“ wieder, bis die heutige, zwischenzeitlich vierte Niksic-Generation der Marke eine neue Identität überstülpte. „Die Vision, Strategie und Pläne für Zanat kamen von uns, also von innen“, sagt der heutige Chef der Marke, Orhan Niksic. Er ist es gewohnt, über den sprichwörtlichen Tellerrand zu schauen, und mit internationaler Zusammenarbeit hat er Erfahrung. Denn Niksic ist Ökonom und hat bei der Weltbank und anderen großen Organisationen gearbeitet. Sein Bruder Adem, der zweite Mann des Führungsduos, ist Architekt und hat das Produktions-Knowhow beigesteuert.

          Für die beiden war klar, dass sie sich von der tradierten Gestaltung lösen musste – ohne jedoch die Herkunft der Marke aus den Augen zu verlieren. „Bosnien selbst besitzt keine wirklich starke Design-Tradition, besonders nicht, wenn es um modernes Produktdesign geht“, schränkt Niksic ein. Also suchte er Verbündete, die gelernt hatten, auf dem internationalen Parkett zu tanzen. So wie Monica Förster. Die schwedische Star-Designerin, die mittlerweile Creative Director von Zanat ist, sah vor allem die vielen Möglichkeiten, die der Aufbau der neuen Marke mit sich brachte. Aus der Verbindung von skandinavischem Ausdruck und dem hochwertigen bosnischen Handwerk ergibt sich gestalterisch ein spannender Kontrast, der sie reizt und der, wie sie hofft, etwas Neues und Besonderes auf dem Designmarkt darstellt.

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