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Veröffentlicht: 19.06.2017, 21:16 Uhr

Bootstour im Wannsee Frühes Glück

Wenn Angler und Ausflügler noch schlafen, ist es auf dem Wannsee am schönsten. Eine Bootstour durch märkisches Idyll und deutsche Geschichte.

von
© Matthias Lüdecke Früh morgens herrscht am Wannsee noch Stille. Dann ist die Bootstour am schönsten.

Schon der Weg ans Ufer ist mit Neugierde geladen: Woher weht der Wind heute morgen? Wie stark schlagen die Wellen? Wie hoch steht das Wasser? Die erste Frage beantwortet zuverlässig die Berliner Stern-und-Kreis-Schifffahrt, die ihre Firmenflaggen am Molenkopf des Schiffsanlegers aufgezogen hat.

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Je nachdem, wohin sie zeigen, wähle ich die Richtung meiner Kajak-Runde. Bei üblichem Westwind empfiehlt sich der Weg im Uhrzeigersinn, zuerst durch den Kleinen Wannsee, durch Stölpchen- und Griebnitzsee zur Glienicker Brücke, und dann über Havel und den Großen Wannsee zurück. Aber ein Sommerhoch dreht die Verhältnisse um.

Strandbad und Fährschiff ruhen noch

Manchmal herrscht frühmorgens, zwischen sechs und sieben, auch Windstille. Der See liegt dann glatt wie ein Spiegel. Nur das Faltboot, das mit sanftem Schmatzen auf dem Wasser aufsetzt, verursacht einen kleinen Wellenkringel zur Begrüßung. Die Sonne ist schon da, aber noch milde, die Farben sind fahl, vielleicht liegt Dunst in der Ferne, zur Insel Schwanenwerder zu.

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Die Masten der Segelboote säumen den See wie ein senkrechtes Stichmuster. Halbrechts liegt das Strandbad, ein dicker gelber Strich aus Sand und Ziegeln, aufgeräumt und leer um diese Zeit, die Strandkörbe von den Bademeistern in Paradestellung gerückt. Auch das BVG-Fährschiff, das tagsüber stündlich Wannsee mit Kladow verbindet (die billigste Kreuzfahrt Berlins, vier Kilometer weit zum Preis eines Einzelfahrscheins), hält sich noch am Anleger und gibt Ruhe.

Tagsüber schallt hier der Lärm des Vergnügens

All die Unterhaltungsgeräte, die in ein paar Stunden Scharen von Berlinern und Touristen an den See locken werden, liegen schon bereit: die Ausflugsdampfer, die neben der Fähre vertäut sind, die Tret- und Paddelboote, die Segeljollen des Bootsverleihs "am dänischen Löwen", wie die Bronzeskulptur am linken Wannseeufer heißt. Man kann sich den Lärm des Vergnügens schon vorstellen: die Sirenensignale der ablegenden Schiffe, das Kreischen badender Kinder, die brummenden Außenborder, mit denen die Angler auf ihren Motorbooten ins Revier fahren.

Außenborder treiben auch diese Holzflöße an, die immer häufiger in den Berliner Ausflugsgewässern unterwegs sind, eine Art permanentes Vatertags-oder Junggesellenabschieds-Gehäuse: hinten eine Blockhauskabine, vorne unter einer Veranda Platz für einen staksigen Holzkohlengrill und eine Bierkiste und für die Bluetooth-Lautsprecher, aus denen Adele, AC/DC oder sonstwer singt.

Ab halb Neun kommen die Ruderer

Aber noch herrscht Ruhe auf dem Wasser. Noch ist es mein Wannsee. Ich ziehe mit dem Boot durch die Stille Richtung Nordosten, entgegen dem Uhrzeigersinn. Eine Anmaßung, dieses Possessivpronomen, klar, und es hat auch bloß eine geringe Haltbarkeit. Gegen 8.20 Uhr werden die Ruderer auftauchen, unter den ersten ist immer der Alte-Herren-Achter des Berliner Ruderclubs, Männer mit Haltung, im Winter mit Mütze, und immer traditionsbewusst im verblichenen Leibchen mit dem Vereinsemblem - einem roten sechszackigen Stern.

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Gegen neun werden die Motorboot-Kapitäne wach, die im Sommer mit ihren Schiffen gern über Nacht an entlegenen Ufern vor dem Schilf ankern, die aber auf der Suche nach Natur doch nicht ganz allein sein wollen, weshalb sie ihre Kabinenkreuzer oft untereinander zu mehreren vertäuen und kleine schwimmende Motorbootpäckchen bilden.

Langweilig und trotzdem eindrucksvoll

Die Tiere sind früher da. Kormorane frühstücken in Scharen. Ganz selten lassen sich Biber beim Spielen betrachten. Einmal sah ich eine Rotte Wildschweine durch den See schwimmen, die Mutter voran, die Frischlinge wie an einer Schnur gezogen hinterher.

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