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Veröffentlicht: 19.06.2017, 10:46 Uhr

Bergsteiger-Archiv „Hat ja keinen Sinn, sich Sorgen zu machen“

9000 Expeditionen mit fast 70.000 Teilnehmern an 453 Gipfeln in Nepal: Billi Bierling führt das wichtigste Archiv über das Bergsteigen im Himalaja. Ihre „Himalayan Database“ ist ein Geschichtsbuch des Bergsteigens.

von Stephanie Geiger
© Alex Treadway Genug Erfahrung fürs Archiv: Billi Bierling, hier im Jahr 2009 vor dem Pumori im Everest-Gebiet, hat schon einige der höchsten Gipfel bestiegen.

Billi Bierling steckt der Tag in den Knochen. Es ist erst früher Abend, aber es liegen schon viele zehrende Stunden hinter ihr. Seit dem Morgen ist sie kreuz und quer durch Kathmandu unterwegs. Erst seit einer Woche ist die Neunundvierzigjährige wieder in Nepal, und jeder Tag war anstrengend. Bald brechen die Expeditionen zu den höchsten Bergen der Welt auf. Vorher will sie die Bergsteiger noch befragen. Wen sie in diesen April-Tagen nicht trifft, den hat sie vielleicht für immer aus den Augen verloren. Eine Lawine, ein Eisschlag, die Höhenkrankheit – Bergsteiger setzen sich vielen Risiken aus.

Billi Bierling, Schlabber-Shirt, Flip-Flops, Stecker in der Nase, unterstützt seit 2004 die Himalaja-Chronistin Elizabeth Hawley. Die Amerikanerin hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten ein Archiv des Expeditionsgeschehens in Nepal aufgebaut. Ihre „Himalayan Database“ ist ein Geschichtsbuch des Bergsteigens. Sie enthält mehr als 9000 Expeditionen mit fast 70.000 Teilnehmern an 453 Gipfeln in Nepal – darunter die acht Achttausender, die in Nepal oder an der Grenze des Landes liegen, beliebte Gipfel wie die Ama Dablam (6814 Meter) und selten begangene wie der Putha Hiunchuli (7246 Meter).

Fortführung des Himalayan Database

Vergangenes Jahr erklärte die 93 Jahre alte Miss Hawley, sie werde keine Expeditionen mehr befragen. Die Verantwortung für die Fortführung ihres Lebenswerks legte sie in die Hände von Billi Bierling. Es war eine gute Wahl. Während Elizabeth Hawley nie auch nur versuchte, zum Basislager des Mount Everest (8848 Meter) aufzusteigen, hat die durchtrainierte Frau aus Garmisch als ambitionierte Bergsteigerin selbst fünf Achttausender bestiegen. Ihr erster war 2009 gleich der höchste. Sie war die erste Deutsche, die über die Südroute auf den Gipfel des Mount Everest und zurück gelangte. Und sie ist überhaupt erst die vierte deutsche Frau, die den höchsten Punkt der Welt erreicht hat.

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Im Jahr 2010 stand sie als erste deutsche Bergsteigerin auf dem Gipfel des Manaslu (8163 Meter), 2011 erreichte sie den Lhotse (8516 Meter). Während sie bei ihren ersten drei Achttausender-Erfolgen jeweils mit Flaschensauerstoff unterwegs war, verzichtete sie im Herbst 2011 am Manaslu erstmals auf die Atemmaske – und erreichte wieder den Gipfel. Im Mai 2014 gelangte sie mit Flaschensauerstoff auf den Gipfel des Makalu (8485 Meter). Und im vergangenen Oktober war sie ohne Sauerstoffmaske am Cho Oyu (8201 Meter) erfolgreich. Noch mindestens zwei weitere Achttausender sollen hinzukommen. Wieso sie sich ausgerechnet sieben zum Ziel gesetzt hat? „Ich bin nur eine halb so gute Bergsteigerin wie die wirklich guten. Deshalb will ich nur die Hälfte der 14 Achttausender besteigen.“

Erklimmen für immer verewigt

Die Aufgabe von Billi Bierling bei der „Himalayan Database“ ist verantwortungsvoll. Wer es dort zu einem Eintrag gebracht hat, hat sich für immer verewigt. Name, Geschlecht, Herkunft, Besteigung mit oder ohne Sauerstoff, Erfolg oder Misserfolg – all das ist hier aufgelistet. Die Datenbank hat Gewicht. Nur was dort erfasst wird, zählt in der Bergsteigerwelt. Harte Diskussionen bleiben deshalb nicht aus.

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