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Beton-Möbel : Wie hingegossen

Überraschende Leichtigkeit: Beistelltisch und Hocker Lito Bild: Betoniu

Beton ist hart, Beton ist sanft und ganz groß in Mode. Kein Wunder, denn das Gemisch sieht einfach gut aus. Die Herstellung ist einfach, und neuerdings lässt sich Beton auch vielfältig gestalten.

          Es ist nicht ganz einfach, dieser Tage zu Alexis Oehler vorzudringen. In der Werkstatt des Berliner Designbüros Betonware versperren zwei langgestreckte Betonklötze den Weg. 3,50 Meter lang, knapp einen Meter breit, 500 Kilogramm schwer, so thronen sie da, bereit für den Abtransport in ein frisch saniertes Einfamilienhaus im Norden der Hauptstadt. Dort werden sie als Sitzbänke in einem weiträumigen Wohnzimmer dienen. Wer denkt, das könnte eine ziemlich ungemütliche Angelegenheit werden, dem zeigt Oehler die Aussparungen unter der Sitzfläche: „Hier kommt eine Sitzheizung rein.“ Der Architekt hat an alles gedacht.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Oehler muss schmunzeln, wenn er sein Werk betrachtet, zeigt es doch, welche Auswüchse der gegenwärtige Hype um Möbel aus Beton treibt. Um die wuchtigen Teile gießen zu können, musste er seine Werkstatt umbauen. Was leichter gesagt als getan war. Die Gerätschaften eines Betondesigners lassen sich nicht mal eben so verrücken, stattdessen mussten sie mit einer Kranwinde umgehoben werden. Eigentlich, sinniert Oehler, sei es ja Quatsch, Sitzmöbel aus Beton herzustellen. „Beton ist hart und kalt.“ Aber der Kunde ist König – zumal wenn er 15.000 Euro ausgibt, wie die Auftraggeber der beiden Sitzbänke.

          Beton ist in Mode. Man muss nicht in die Werkstätten der einschlägigen Designer gehen, es reicht ein Blick durch die Regale im Buch- und Zeitschriftenhandel. Bildbände, Ratgeber und Do-it-yourself-Anleitungen allerorten, der archaische Werkstoff erfreut sich größter Beliebtheit. „All die Jahre habe ich etwas gemacht, was sich nicht verkauft“, erzählt Oehler, der das Material in seinem Industriedesignstudium Ende der neunziger Jahre wegen seiner Ehrlichkeit lieben gelernt hat. „Eine Holzplatte ist innen Faserbrei. Beton ist innen wie außen gleich“, schwärmt er. Jetzt brummt das Geschäft, und Oehler – verschmierte Hände, verschmierte Hose – freut sich, dass er weiter manschen darf. „Ich hab den Sandkasten im Grunde nie verlassen.“

          Zauberformel: Zement, Sand, Kies und Wasser

          Es war ein langer Weg vom „Béton brut“, vom rohen Sichtbeton, mit dem Le Corbusier die Architektur der Moderne formte, bis hin zum angesagten Möbelstück für Besserverdiener. In der Nachkriegszeit wurde Beton in erster Linie als günstiger und einfach zu verarbeitender Baustoff für Gebäude geschätzt. Ob Plattenbauten und Parkhäuser: Beton war ein Zeichen von Pragmatismus, nicht aber eines ausgeprägten Stilbewusstseins. Das änderte sich erst in den frühen neunziger Jahren, als Architekten mit ungewöhnlichen Formen zu spielen begannen. Aufsehen erregte zum Beispiel der Pavillon, den der Japaner Tadao Ando als Konferenzzentrum für den Möbelhersteller Vitra in Weil am Rhein errichtete. Auch das von Axel Schultes und Charlotte Frank konzipierte und 2001 fertiggestellte Bundeskanzleramt in Berlin wurde zu einem – wenn auch kontrovers diskutierten – Symbol, was sich mit Beton alles anstellen lässt.

          Die Herstellung von Beton ist denkbar einfach: Die Basis ist stets Zement, hinzu kommen Sand und Kies (der sogenannte Zuschlag) und Wasser. Die Rolle des Wassers ist dabei eine entscheidende, weil es für die „Hydratation“ benötigt wird. Erst durch diese chemische Reaktion wird der Beton am Ende hart. Kommt zu wenig Wasser zum Einsatz, wird der maximale Härtegrad nicht erreicht, gibt es zu viel davon, bilden sich während des Aushärtens im Beton Poren, die zu Lasten der Qualität gehen. Mit Beton zu arbeiten, hat viel mit Experimentieren zu tun; dem eigentlichen Guss eines Möbelstücks gehen oft viele Proben voraus.

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          Neu hinzugekommen sind im Lauf der vergangenen Jahre diverse Möglichkeiten, den Beton nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Das fängt schon bei der Wahl der Gießform an: Ist sie aus Holz, wird die Oberfläche rauher als bei einer Form aus Stahl oder Kunststoff. Man kann die Oberflächen der fertigen Teile glattschleifen und mit speziellen Lacken versiegeln oder aber sie unbehandelt lassen. Besonders dünne Möbelstücke aus Beton lassen sich durch das Hinzufügen von Glasfasern (früher: Asbest) herstellen. Aber auch das Einfärben mit Pigmenten, sei es in flüssiger oder in Pulverform, ist möglich.

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