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Ausstellung von Georg Thumbach : Die Spur der Späne

Aus der zweiten in die dritte Dimension: Der 44 Jahre alte niederbayerische Künstler Georg Thumbach, hier in seinem Atelier in Fürstenzell, will mit seinen Holzbildern in die Tiefe der Fläche. Bild: Tobias Schmitt

Wie man ins Holz hineinschaut: Der niederbayerische Maler und Bildhauer Georg Thumbach hat sein Künstlerleben mit dem Wald verknüpft. Eine Ausstellung erkundet seine Arbeiten rund um das Material.

          Wann das angefangen hat mit dem Holz, das kann Georg Thumbach nicht genau sagen. Vermutlich sehr früh, wenn man wie er aus einer Försterfamilie stammt und in Forsthäusern aufwächst. Zeichnen konnte er immer schon gut, aber Kunst als Berufung - dagegen hat er sich lange Zeit gesperrt. Bis seine Gegenwehr schwächer wurde, bis ihm klar wurde, dass er gar nicht anders kann, als dem, was da in seinem Inneren brodelt, Ausdruck zu verleihen. Nicht, dass er sich das anmerken ließe oder gern darüber spräche. Denn der hochgewachsene, asketische Holzgeist, 1972 in Landshut geboren, ist Niederbayer. Und zwar mit allen Schikanen. Das heißt, er redet erst, wenn er nachgedacht hat, und nicht vorher. Er ringt in der Zwischenzeit nach dem richtigen Ausdruck. Er sagt selten Kunstbetriebssätze. Er geht seinen Weg, weil es der für ihn richtige ist.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Dieser Weg führt ihn zunächst „ins Holz“, wie man in Bayern für den Wald auch sagt. Das muss man bei Thumbach wörtlich und im übertragenen Sinn nehmen. Am Anfang steht die Freiluftzeichnung. Mit großen Papierrollen marschiert er in die Waldeinsamkeit monokultureller Fichtenschonungen. Nadelbäume ohne Reiz, scheinbar steril und leblos. Dort, wohin sich kein Spaziergänger verirrt, betritt Thumbach sein Atelier: Im Unterholz zeichnet er in schneller Folge Ausschnitte dieser Dickichte, Licht und Schatten in flirrendem Wechsel, Astgewirr, Bruchholz, gestürzte Stämme, verrottende Stümpfe, dürre Äste, Nadelteppiche.

          Auf Papier gebanntes Chaos, vom Menschen gepflanzt, von der Natur durcheinandergebracht, das so gar nichts mit dem seit der Romantik gepflegten Bild des Waldes zu tun hat. Kohle auf Papier, eine strenge Kühle trotz des pflanzlichen Wirrwarrs. Und doch weiß man sofort, wie es sich anfühlen muss, selbst dort zu sein. Das Dickicht hat eher etwas Magisches denn etwas Mystisches: So kann der deutsche Wald nämlich auch aussehen. Fern der röhrenden Hirsche in Eichenwäldern.

          Der abstrakte und konkrete Wald

          Obwohl nichts an ihnen fotorealistisch oder rein gestisch ist, sind die Bilder bezwingend stimmig. Abstrakt und doch konkret. In ihnen scheint die Zeit aufgehoben zu sein oder zumindest ein anderes Zeitmaß zu herrschen. Dauer hat hier ein größeres Gewicht, das Werden und Vergehen der pflanzlichen Materie stellt sich herausfordernd der Eile des Betrachters entgegen.

          Wie so viele andere Kunststudenten hat sich Georg Thumbach auf die Laufbahn eines Kunstlehrers vorbereitet. Die Familie muss ernährt werden, und allein mit seiner Kunst Geld verdienen zu müssen - das hätte er als Einengung der künstlerischen Freiheit empfunden. Aber irgendwann war die Entscheidung fällig: Eine Anstellung an einem Gymnasium oder abbiegen in die freie Wildbahn? Thumbach wählte zusammen mit seiner Frau, einer Lehrerin, die unsicherere Variante. Das alte Haus am Ortsrand von Fürstenzell im niederbayerischen Klosterwinkel renovierte und erweiterte er in Handarbeit; Jahre vergingen, bis er endlich das rückwärtige Wirtschaftsgebäude zu seinem Atelier ausbauen konnte.

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