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Veröffentlicht: 06.06.2017, 12:41 Uhr

Neue Ausrüstung fürs Picknick Geflügelsalat im Grünen gefällig?

Was tun, wenn das Wetter schön und die Laune gut ist? Die neue Begeisterung fürs Fahrradfahren lässt auch die Lust auf eine Picknick-Tour aufleben. Für den Ausflug im Grünen gibt es nun jede Menge Ausrüstung.

von
© Camille Moirenc/hemis.fr/laif Idyllisches Picknick ohne Aufwand? Diese beiden sind keineswegs allein und haben auch nicht ihr ganzes Picknick-Equipment auf dem Tandem hergeschafft.

Wochenend’ und Sonnenschein, und schon zum Morgenkaffee hat die resolute Angetraute dekretiert, bei solchem Wetter stelle sie sich nicht an den Herd: „Wir machen eine Radtour und essen irgendwo nett draußen.“ Offenbar verlief in jedem zweiten Haushalt des Ballungsraums das Gespräch über den Zeitungsrand hinweg gleichlautend. Denn erstens kommt man sich auf dem hessischen R 7 – das ist so etwas wie die A 5 für Radfahrer – vor wie am Tag, als NRW große Ferien bekam. Und zweitens, drittens und viertens: Die Gartenwirtschaften platzen aus allen Nähten, kein einziger freier Sitzplatz und stöhnende Kellner. Für eine schnöde Currywurst mit Pommes-Schranke muss man sich am Badesee auf eine Warteliste setzen lassen. Und unter zwanzig Minuten Schlangestehen ist nicht einmal an einem äußerst bescheidenen Wasserhäuschen ein Getränk zu bekommen.

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Eine Woche später lautet die morgendliche Ansage daher: Picknick. Stellt sich die Frage: Was brauchen wir dafür? Als erstes ein Plaid, eine Wolldecke. Auch wenn Édouard Manet seine Frühstücksgesellschaft im Grünen einfach im Grase lagern ließ, ist es aus vielen Gründen nicht verkehrt, zwischen sich und dem Gras samt Krabbeltieren eine Picknickdecke zu haben. Kostet im Outdoor-Laden nicht die Welt, ist gegen etwaige Feuchtigkeit einseitig beschichtet, gibt es für eine Person oder sozusagen zweischläfrig. Das ist dann gerollt oder gefaltet schon ein ganz schönes Paket auf dem Rad, nicht schwer, aber voluminös. Der freundliche Outdoor-Händler empfiehlt als Alternative ein besonders stark komprimierbares Badetuch.

Wie wäre es mit einem Picknick-Korb? Oder -Rucksack?

Was die Größe der Unterlage betrifft, bleibt noch anzumerken. Ein Picknick, das diesen Namen verdient, beginnt erst mit der Mindestteilnehmerzahl zwei. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt, wie manche britischen Freiluftmahlzeiten beweisen. Aber egal, ob man nun ganz für sich auf einer Uferwiese Industrie-Sushi, befeuchtet von ein paar Asahi-Bieren, mampft oder ob man sich von bewährten Sedativa wie einer Flasche Château Lafitte und Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ unter einem Baum in den Schlaf wiegen lässt: so allein ist das einfach kein Picknick.

Ist man mindestens zu zweit und fährt man nicht auf einem, sondern wie wesentlich wahrscheinlicher auf zwei Fahrrädern, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass man alles auf den Rädern unterbringen kann, was man so braucht: Essen und Trinken, Lektüre und Unterhaltungselektronik, das Plaid und den ganzen Kleinkram, den man eh auf eine Fahrradtour mitnimmt, Ersatzschlauch, Patentwerkzeug, Mückenspray, Heftpflaster und so. Aber halt! All das wird keinesfalls in die auf mancher Radreise bewährten, wasserdichten Packtaschen von Ortlieb oder Vaude, die mit dem Rollverschluss, gestopft. Erstens wird das knusprigste Baguette in diesen Taschen rasch und grauslich lätschig, und außerdem, was wäre ein Picknick ohne ein bisschen Stil?

46822448 Die Tasche „Picnic for 2“ von Donkey wird ans Fahrrad gehängt und ist oben offen. © Hersteller Bilderstrecke 

Also bitte keine nach zwei Picknicks zudem ein wenig streng riechenden, ja ja, der Brie war überreif, Müffelcontainer! Wie wäre es stattdessen mit einem Picknick-Korb? Da ist alles drin, kommt alles Ess- und Trinkbare hinein, für zwei oder für vier Personen, manchmal samt einer dünnen Decke auch das Geschirr und das Besteck dazu. Zwei Probleme: Viele der Körbe sind nicht Fahrrad-kompatibel, es sei denn, man fährt mit dem Lastenrad ins Grüne. Und zweitens: Der freundliche Outdoor-Händler hat keine. „Hatten wir mal, gingen aber schlecht.“ Ja, das waren eben noch andere Zeiten.

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