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Grüner Daumen : Im Kindergarten der Kleingärtner

Früh übt sich: Gärtnern ist kinderleicht und geht auch ohne großen Aufwand. Bild: Jan Roeder

In der Erde buddeln, pflanzen und vor allem ernten, das erdet und macht glücklich. Und selbst im gästehandtuchkleinen Garten lässt sich mit dem Nachwuchs einiges anstellen.

          Natürlich könnte man sich jetzt klug darüber auslassen, warum gärtnerische Drecksarbeit sinnliche Erfahrungen bietet, die Welt formbar und erlebbar macht und Stresshormone betoniert. Das geht kürzer: Gärtnern erdet und macht glücklich. Das gilt für kleine und große Menschen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Kinder sind keine Meister der Geduld, und Cosmeen beim Wachsen zuzusehen ist für sie nicht ersprießlich. Also muss Schnellwachsendes her, bei dem man rasch Ergebnisse sieht. Jeder kennt das vom Küchen-Kresse-Beet: In ein flaches Gefäß, zum Beispiel eine Auflaufform, Watte oder Küchenkrepp legen, gründlich nässen, Kressesamen drauf verteilen, regelmäßig wässern, an einen hellen, warmen Ort stellen, das Keimen geht ruckzuck. Nach wenigen Tagen kann geerntet werden. Selbst hartnäckige Gemüseverweigerer schnippeln sich die frische Kresse dann aufs Quarkbrot.

          Auf schnelles Wachstum setzen

          Glücklich, wer nicht nur ein Fensterbrett, sondern einen Balkon oder Garten hat. Denn dann kann er beispielsweise Bohnen pflanzen. Die machen beim Setzen etwas her, und man kann ihnen beim Wachsen förmlich zusehen. Außerdem macht es Spaß, Rankgitter zusammenzuschustern. So ein Sichtschutz ist ersprießlicher als jede tierfreitraurige Thujenhecke mit Friedhofscharme. Unschlagbar ist Kapuzinerkresse. Sie kann draußen ausgesät werden, das geht übrigens auch jetzt noch in jedem Balkonkasten.

          Beim Nachwuchs besonders beliebt: Alles, was schnell wächst und verzehrt werden kann

          Vor allem aber wuchert und wächst sie, dass es eine Freude ist, täglich neue Triebe zu entdecken. Sparsam düngen, denn Dünger fördert das Blätter-, nicht das Blütenwachstum. Dabei sind sie die Krönung, die Blüten leuchten von hellorange bis tiefrot und können gegessen werden und hübschen mit angenehmer Schärfe Salate und Pudding auf. Das ist unkomplizierter, als kandidierte Veilchen herzustellen. Auch Gänseblümchen sind essbar und krönen ein saftiges Gelee, Hauptsache, sie sprießen nicht in irgendeiner verpinkelten Abgasecke. Das begeistert Kinder, und auch diejenigen geraten in Schnappatmung, die sonst um jede Gurke einen großen Bogen schlagen.

          Tomaten und Paprika baumeln schon

          Es ist sicher großartig, Salat selbst auszusäen und den Werdegang vom Samenkorn bis zum üppigen Salatkopf mitzuverfolgen – das sieht im Sachkundebuch vorbildlich aus. Kinder sehen das anders. Auf das Erscheinen eines Erbsenkeimblatts zu warten, das frustriert ganz ungemein. Hier heiligt der Zweck die Mittel: lieber auf Setzlinge setzen und vorgezogene Salat- und Kohlrabipflänzchen kaufen, das ist für Garteneinsteiger erfolgversprechender, vorausgesetzt, die Schnecken sind nicht schneller. Das geht bei Platzmangel auch problemlos in Töpfen oder Kästen.

          Akzente setzen: Tomatenpflanzen geben dem Garten schöne Farbtupfer.

          Sogar robuste Beerensträucher gedeihen auf dem Balkon. Und als Farbtupfer dazu ein paar Tomaten mit Früchten und Paprikapflanzen mit leuchtendem Gemüse spendieren. Empfehlenswert sind Zucchinipflanzen, die sind ziemlich robust, und das Gemüse wächst beeindruckend schnell, wenn das Wetter mitspielt. Unter den ausladenden Blättern quasi über Nacht große Zucchinis zu entdecken, das ist nicht nur für Kinder großes Kino. Abgesehen davon, dass die knallgelben Blüten bezaubernde Farbtupfer sind. Den ersten Zucchinipuffer aus eigener Ernte zu verspeisen, das erschien dem Nachbarmädel sakraler als die Erstkommunion. Seit dieser Verkostung ist Gemüse nicht mehr automatisch igitt.

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