http://www.faz.net/-hrx-8dtjl

Accessoires für die Wohnung : Die neue Lust am Nebensächlichen

  • -Aktualisiert am

Bestseller und Ikone unter den Accessoires: Die Savoy-Vase, die der finnische Architekt Alvar Aalto 1937 entworfen hat. Bild: Hersteller

Jahrzehntelang galten Accessoires als Nippes. Jetzt feiern sie ihr Comeback mit auffälligen Materialien und Formen – zuweilen aber auch als grenzwertiger Kitsch.

          Schnelllebig und launisch, wie die Modebranche ist, darf sie viel ausprobieren und mit extravagantem Beiwerk verzieren. Ihre saisonalen Tücher, Hüte oder Taschen sind Kultobjekte und tragen als Sammelbegriff den schönen Namen „Accessoires“. Auch zu Hause halten dekorative Accessoires seit einiger Zeit Einzug. In allen erdenklichen Formen, Farben und Materialien schmückt das wohnliche Beiwerk die bürgerliche Einrichtungswelt.

          Wer etwas auf sich hält, der arrangiert und kombiniert in seinem Wohnzimmer Kissen und Kerzenständer mit Tabletts oder Vasen. Für den Flur gibt es ausgefallene Wanduhren und raffinierte Kleiderhaken, in die Küche passen andere Zierelemente wie die besondere Tischdecke oder der edle Porzellanteller, der nur zum Hinschaun und nicht zum Essen bestimmt ist.

          Selbst der Balkon und die Terrasse können mit kleinen Dingen dekoriert werden - etwa mit Windlichtern oder einem dieser raffinierten Blumentöpfe, die spätestens im Frühling überall angeboten werden. Die eigentliche Funktion ist für viele Accessoires eher unbedeutend, manche haben gar keinen Nutzen und sind nichts als dekorativ. Ihr Charakter allerdings muss perfekt zum jeweiligen Alltagssetting passen und individuelle Glanzpunkte setzten, wozu die Möbel heute offenbar nicht mehr herhalten.

          Die mundgeblasene Container-Vase des Offenbacher Gestalters Sebastian Herkner setzt einen solchen Glanzpunkt. Das silbrige Gefäß schimmert in Altrosa, „spicy red“ oder einer jener anderen Farbnuancen, die stark an Christbaumkugeln erinnern. Seit kurzem bietet Pulpo die doppelwandige Vase auch in XXL-Größe an - mit dreißig Zentimetern Höhe verbreitet sie eine unübersehbare Dauerweihnachtsatmosphäre, die sich irgendwo zwischen Kitsch und Tradition verorten lässt und garantiert für Aufsehen in jedem Wohnzimmer sorgt.

          Dauerweihnacht: Mundgeblasene Vasen mit Christkugelglanz von Sebastian Herkner (Pulpo) Bilderstrecke
          Dauerweihnacht: Mundgeblasene Vasen mit Christkugelglanz von Sebastian Herkner (Pulpo) :

          Vasen zählten schon immer mit zur Lieblingsdisziplin von Gestaltern, wie sich leicht an herausragenden historischen Beispielen belegen lässt. Die Savoy-Vase des finnischen Architekten Alvar Aalto, nach wie vor ein Bestseller von Ittala, wurde 1937 auf der Weltausstellung von Paris ausgestellt und zählt längst zu den Ikonen des skandinavischen Designs. Ihr mundgeblasenes Kristallglas krümmt sich in Wellen zu einer mysteriösen Form, die in Zeiten des Rationalismus große Wogen schlug und heute fast schon wieder nüchtern wirkt.

          Zu den schönsten mundgeblasenen Objekten zählen die des italienischen Architekten Carlo Scarpa für die venezianische Glasmanufaktur Venini. Die kostbaren schwarz-weißgestreiften Tessuti-Vasen aus den dreißiger Jahren werden in numerierter Edition auf Murano, der für ihre Glaskunst bekannten Inselgruppe, hergestellt. Sie sind Paradebeispiele für das raffinierte Spiel der Dekoration, die allerdings in diesem Fall auch den stolzen Preis von einigen tausend Euro hat. Connaisseure sammeln Scarpas vollendete Glaskunst, deren wertvollste Stücke auf internationalen Auktionen Spitzenpreise erzielen.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Doch neben solchen historischen Preziosen des Designs hat der Markt heute auch deutlich günstigere Blumenbehälter wie die neuen Vasen des Kölner Designerduos Kaschkasch auf Lager. In gebürstetem Messing, glänzendem Nickel oder Kupfer präsentierte der französische Möbelhersteller Ligne Roset die eleganten Tulpenformen kürzlich auf dem Messestand in Köln und gab seiner Einrichtungswelt so eine feine feierliche Note. Insgesamt sorgten dieses Jahr in Köln weniger die Möbel für Aufsehen, sondern die omnipräsenten Accessoires.

          Weitere Themen

          Brutalismus-Bauten: Kerker oder Kunst? Video-Seite öffnen

          Architektur : Brutalismus-Bauten: Kerker oder Kunst?

          Roh, wuchtig, grau: Die Bauten des Brutalismus polarisieren. Der Architekturstil der Nachkriegszeit erlebt gerade ein Comeback. Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt widmet den „Betonmonstern“ eine Ausstellung.

          Pomp an der Wand

          Atelierbesuch : Pomp an der Wand

          Anstatt Schlammgrau nun Tapeten wie im Schloss des Sonnenkönigs: Drei junge Pariser Kunsthandwerker bedrucken Kattunpapiere per Hand. Ein Atelierbesuch.

          Topmeldungen

          Emmerson Mnangagwa : In Zimbabwe übernimmt das „Krokodil“

          Mugabes eigene Partei hat sich von ihm abgewandt. Der frühere Vizepräsident Mnangagwa ist neuer Vorsitzender und wohl bald auch Präsident. Die Zimbabwer beobachten das mit gemischten Gefühlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.