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360°-Projekt: Wie der Wormser Dom noch nie zu sehen war

Wie der Wormser Dom noch nie zu sehen war

Von SEBASTIAN EDER und TORSTEN HEMKE
Foto: Torsten Hemke

19.10.2017 · Der Wormser Dom wird nächstes Jahr 1000 Jahre alt. Aus diesem Anlass lässt sich das Bauwerk schon jetzt auf völlig neue Art erleben. In einem dreidimensionalen Panoramarundgang öffnen sich auch Türen zu bisher nicht zugänglichen Orten – zum Beispiel der Gruft.

S chon der Punkt, an dem der Rundgang beginnt, ist ungewöhnlich: Während Besucher des Wormser Doms normalerweise durch die Tür in das Gebäude spazieren, beginnt der dreidimensionale Panoramarundgang weit über dem höchsten Hügel der Stadt, auf dem der Dom steht. Aus der Vogelperspektive können sich die virtuellen Besucher im Sturzflug auf Entdeckungsreise machen. Beginnen kann man zum Beispiel an einem Ort, den ein normaler Besucher nie zu Gesicht bekäme: Im Dachstuhl ist das Archiv des Doms, dort werden auch Skulpturen gelagert, die man aus nächster Nähe betrachten kann.

Mit Hilfe der Icons in der 360°-Anwendung können Sie sich durch die Szenerie bewegen. Außerdem ist ein Rundumblick möglich (klicken & ziehen).

Torsten Hemke, der verantwortliche „3D-Panorama-Artist“, sagt: „Das war phänomenal, das alles mal zu sehen.“ Er beschäftigte sich schon mit virtueller Realität (VR), als viele Menschen noch gar nicht wussten, was das Internet ist: 1994 gab er eine Diplomarbeit zu dem Thema ab. Später gründete er eine Firma und produziert seitdem für verschiedene Partner 3D-Panoramen, zum Beispiel von der Goldenen Kamera, der Buchmesse – oder den Oscars.

Bild: Torsten Hemke, Musik: James Kibbie, Animation: Carsten Feig

Der Panorama-Rundgang

Mit dem Bistum Mainz, das sich in der Anwendung der virtuellen Realität als Pionier im kirchlichen Bereich versteht, arbeitet Hemke schon seit 2005 zusammen. Anfang des Jahres kam die Idee auf, etwas Besonderes zum Domjubiläum zu schaffen. Zwei Wochen lang erkundete Hemke daraufhin mit seinen Kameras jede Ecke des Doms, außerdem arbeitete er mit einem Drohnenpiloten zusammen, der seine fliegende Kamera auch aus dem Turm heraus steigen ließ. „Ganz schwierig war das mit dem Wetter, das sollte ja möglichst schön sein auf den Bildern“, sagt Hemke.

Das Ergebnis seiner Arbeit präsentiert der Künstler am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im Dom, von da an können Besucher auf der Homepage des Bistums Mainz (und auf FAZ.NET) auf große Entdeckungstour gehen. Platzangst sollte man dabei nicht haben: In der Gruft kann man sonst ein mulmiges Gefühl bekommen – auch wenn man nur vor dem Bildschirm sitzt.

Mit Hilfe der Icons in der 360°-Anwendung können Sie sich durch die Szenerie bewegen. Außerdem ist ein Rundumblick möglich (klicken & ziehen).

Im kommenden Jahr, wenn das große Jubiläum dann wirklich begangen wird, können sich die Besucher vor Ort mit einer anderen Urangst konfrontieren: der Höhenangst. Hemke arbeitet zusammen mit dem Bistum gerade an einem weiteren Projekt.

Ziel ist, dass die Besucher sich mit Hilfe einer VR-Brille zwischen den beiden Türmen des Doms auf einer virtuellen Plattform bewegen können – und dabei einen 360-Grad-Blick auf die Stadt haben. Auch dafür gibt es ein Vorbild: Beim Katholikentag 2016 in Leipzig konnten Besucher mit einer VR-Brille virtuell durch den Mainzer Dom fliegen. Der Glaube kann also wirklich manchmal Flügel verleihen – zumindest wenn man eine VR-Brille trägt.

Text: Sebastian Eder, 360°-Panoramen: Torsten Hemke, Drohnenpilot: Remigius Wloczkowski, Multimedia: Carsten Feig


Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 19.10.2017 12:09 Uhr