http://www.faz.net/-gpc-8lpsz

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Spott-Nobelpreis verliehen : Warum man besser ein weißes Pferd sein sollte

  • Aktualisiert am

Bitte nicht auf das falsche Pferd setzten: Eine mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnete Forschergruppe beschäftigte sich damit, auf was für Pferden man bei einer Bremsen-Abneigung reiten sollte. Bild: dpa

Seit 26 Jahren verleiht die Harvard-Universität Jux-Nobelpreise für kuriose Forschungen. In diesem Jahr gingen gleich drei Preise nach Deutschland.

          Das hat Volkswagen im Abgasskandal wohl gerade noch gefehlt: An der amerikanischen Eliteuniversität Harvard hat der Autohersteller einen Ig-Nobelpreis in der Kategorie Chemie bekommen – einen mit reichlich Spott vergebenen Spaßpreis. Die Auszeichnung erfolge für „die Lösung des Problems des übermäßigen Ausstoßes von Autoabgasen, indem automatisch elektromechanisch weniger Abgase produziert werden, wenn die Autos getestet werden“, sagte der Moderator der Preisgala, Marc Abrahams. Und fügte dann genüsslich an: „Der Gewinner konnte oder wollte heute Abend nicht bei uns sein.“

          Die zweifelhafte Ehre für Volkswagen ist eine Ausnahme. Üblicherweise werden bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise („ignoble“ heißt auf Deutsch „unwürdig“) stets renommierte Wissenschaftler für seriöse, wenn auch kuriose Forschungen ausgezeichnet. Die Preise sollen „das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren“ – sie belohnen Forschung, die „erst zum Lachen und dann zum Denken anregt“. Die klamaukig-schrille Preisgala mit mehr als 1000 Zuschauern, hat längst Kultstatus und ist lange vorher ausverkauft. Zwischendurch fliegen Papierflieger durch die Luft, es gibt Sketche und bizarre Kurz-Opern. Die Trophäe war in diesem Jahr eine Plastikuhr.

          Erkenntnisse über Hautjucken und Lügendurchschnitte

          Zwei weitere davon gingen ebenfalls nach Deutschland. Ein Forscherteam um Christoph Helmchen von der Universität Lübeck bekam die Plastikuhr in der Kategorie Medizin für die Entdeckung, dass ein Hautjucken auf der linken Seite des Körpers auch gelindert werden kann, indem man sich vor einen Spiegel stellt und die rechte Seite kratzt – und umgekehrt. „Man kann sein Gehirn austricksen“, sagte Andreas Sprenger von der Universität Lübeck, der zu der Gala angereist war und den Preis entgegennahm. „Ich möchte all meinen bisherigen Lehrern danken, die die Basis für diese Forschung gelegt haben.“

          Mehrere Forscher um Evelyne Debey von der Universität im belgischen Gent – darunter Kristina Suchotzki von der Universität Würzburg – wurden für eine Studie ausgezeichnet, in der 1000 Lügner befragt wurden, wie oft sie lügen. Die Wissenschaftler forschten ebenso dazu, ob man ihren Antworten glauben kann. Das Ergebnis: 2,2 Mal am Tag lüge der Mensch durchschnittlich, sagte Forscher Bruno Verschueren in seiner Dankesrede. „Hillary Clinton und Donald Trump sind im Wahlkampf beide als krankhafte Lügner bezeichnet worden. Wenn sie aber ein bis fünfmal am Tag lügen, dann sind sie einfach nur ganz normale Lügner wie wir alle.“

          Gekleidet wie Ziegen und Zebras

          Wissenschaftler aus Ungarn, Spanien, Schweden und der Schweiz wurden in der Kategorie Physik für die Entdeckung geehrt, dass Pferdebremsen weniger von weißen Pferden angezogen werden als von schwarzen. „Wir haben herausgefunden, dass man besser ein weißes Pferd sein sollte als ein schwarzes, wenn man nicht von Pferdebremsen gebissen werden will“, sagte Forscherin Susanne Akesson. „Man kann aber auch im Zebra-Look gehen oder gepunktet – wie ich heute Abend.“

          Thomas Thwaites bekam einen Preis, weil er sich für seine Forschungen als Ziege verkleidete. „Ich hatte genug von all den Sorgen und den Schmerzen eines Menschen, habe eine Auszeit genommen und bin zur Ziege geworden“, sagte der Forscher.

          Dreibändiges Werk über Sammelfreude bei tote Fliegen

          Fredrik Sjöberg erhielt die Auszeichnung für sein dreibändiges Werk über die Freuden des Sammelns von toten Fliegen – und Fliegen, die noch nicht tot sind. „Männliche Insektenkundler auf der ganzen Welt wissen, dass es unmöglich ist, Frauen mit Insekten zu beeindrucken“, sagte Sjöberg. „Aber das beste an Wissenschaft ist ja, dass man immer falsch liegen kann. Ich habe über das Sammeln von Fliegen geschrieben und dachte, es würde niemanden beeindrucken, insbesondere keine Frauen –und ich lag falsch.“

          Moderator Abrahams, Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu kurioser Forschung, beendete die Gala schließlich mit seinen traditionellen Abschlussworten: „Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben – und besonders dann, wenn Sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!“

          Weitere Themen

          Der Mensch als Ersatzteillager

          Medizin von morgen : Der Mensch als Ersatzteillager

          Künstliche Eileiter, Hirn aus dem Labor: Wie weit ist die „Reparaturmedizin“ gekommen? FAZ.NET zeigt, wie der menschliche Körper zum Testfeld der Bioingenieure geworden ist – und wie Alzheimer künftig angegangen wird.

          Antikörper gegen Asthma

          Neuer Immunstoff : Antikörper gegen Asthma

          Therapieoptionen gegen Asthma kann es nicht genug geben. Bald könnte ein Antikörper, der eigentlich gegen Hautjucken eingesetzt wird, gegen die lästige Krankheit helfen.

          Forschern gelingt Sensationsfund in Ägypten Video-Seite öffnen

          Deutsch-ägyptisches Team : Forschern gelingt Sensationsfund in Ägypten

          Forscher aus Deutschland und Ägypten haben in der Nähe der Unas-Pyramide bislang unbekannte Grabkammern mit zahlreichen Mumien entdeckt, die 2500 Jahre alt sein sollen. Sie fanden auch kostbare Grabbeigaben, darunter eine gut erhaltene vergoldete Totenmaske aus Silber.

          Topmeldungen

          4:2 gegen Kroatien : Frankreich ist Weltmeister

          Le jour de gloire est arrivé! Deutschlands Nachfolger kommt aus dem Nachbarland: Frankreich ist zum zweiten Mal nach 1998 Fußball-Weltmeister. Im torreichsten Finale seit 1958 sind die Kroaten der etwas unglückliche Verlierer.
          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron jubelt auf der Tribüne über den Erfolg der französischen Nationalmannschaft.

          Liveblog zur Fußball-WM : Macron jubelt am besten

          Küssende Franzosen +++ Frankreichs Präsident rastet aus +++ DFB-Elf gratuliert dem Weltmeister +++ Kroaten feiern trotzdem +++ Kroatiens Präsidentin gewinnt die Herzen +++ Alle Infos zum WM-Finale finden Sie im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.