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Eishockey : Der Lockruf der Adler

  • -Aktualisiert am

Aus relativ wenig immer wieder jede Menge gemacht: Eishockey-Trainer Pavel Gross Bild: dpa

Immer um den Meistertitel mitzuspielen und ihn doch nie zu gewinnen, kann auf Dauer keinen Spaß machen. Eishockey-Trainer Gross verlässt Wolfsburg für einen konzeptionellen Neustart.

          Seine persönliche Taktik hat über Jahre gut funktioniert. Ein Vereinswechsel, so lautete die Argumentation von Pavel Gross, würde sich für ihn „wie ein Aufgeben“ anfühlen. Dass der dienstälteste Trainer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nun aber doch die Wolfsburg Grizzlys verlässt, um sich nach dieser Saison den Mannheimer Adlern anzuschließen, kommt nicht überraschend. Nach zehn Jahren in Diensten der Niedersachsen, davon acht als Chefcoach, bleibt festzuhalten: Immer nur um den Meistertitel mitzuspielen und ihn doch nie zu gewinnen kann auf Dauer keinen Spaß machen. Es ist also nachvollziehbar, dass der 49 Jahre alte Deutsch-Tscheche den (finanziellen) Lockrufen aus Mannheim folgt und das Ende einer außergewöhnlichen Ära einläutet.

          Für die regelmäßigen Besucher der Wolfsburger Eissporthalle wird es sich merkwürdig anfühlen. Das Bild vom energischen Gross am Rande der Bande, der während des Spiels hinter der Heim-Mannschaft auf und ab läuft, hat sich verfestigt. Es sah aus wie eine Dauerschleife. Trotzdem wird sich der smarte Wolfsburger Sportdirektor Karl-Heinz Fliegauf mit seinem Personalproblem schon seit längerer Zeit auseinandergesetzt haben. Unter der Regie von Fliegauf und Gross wurden die Grizzlys zu einer der beständigsten Mannschaften in Deutschlands bester Puck-Liga. Sie erreichten neunmal in Folge die Play-offs und 2011, 2016 sowie 2017 die Finalserie. Dass es dennoch nie für den Sprung nach ganz oben genügte, ist kein Makel, sondern auch auf die Rahmenbedingungen bei den Niedersachsen zurückzuführen. Sie werden zwar aus dem Hause Volkswagen unterstützt – aber nicht so großzügig wie der benachbarte Fußball-Bundesligaklub VfL Wolfsburg. Das größte Verdienst von Gross ist, aus relativ wenig immer wieder jede Menge gemacht zu haben.

          Konzeptioneller Neustart zur Saison 2018/19

          Im Gegensatz zu den Grizzlys behaupten die Adler Mannheim von sich, ein Schwergewicht der DEL zu sein. Sie wurden schon sieben Mal Meister. Doch ihr geschätzter Saisonetat von rund zehn Millionen bewahrt sie derzeit unter der Regie von Trainer Bill Stewart, der im Dezember Sean Simpson abgelöst hatte, nicht vor dem düsteren Szenario, in dieser Spielzeit nicht mehr zu den acht Teams zu gehören, die sich direkt für die Endrunde qualifizieren. Selbst ein Nachrücken über die Pre-Play-offs, die den Mannschaften auf den Plätzen sieben bis zehn bevorstehen, ist fraglich. Momentan stehen die ehedem so erfolgsverwöhnten Kurpfälzer in der 14er-Liga lediglich auf dem zwölften Rang.

          Mit Gross wird in Mannheim alles auf einen konzeptionellen Neustart zur Saison 2018/19 hinauslaufen. Er gilt als engagierter Arbeiter, kann wechselweise vornehm schweigen, um dann doch laut zu poltern. Er ist von seiner Sportart besessen. Ständig alles zu hinterfragen und neue Ansätze zu finden, rühmen sie in Wolfsburg als seine Stärke. Dass Gross für sich einen neuen Impuls und bessere Arbeitsbedingungen möchte, ist daher nicht unverständlich, nachdem für ihn mit den Grizzlys bis heute nur der Pokalsieg 2009 heraussprang. Und es ist kein Aufbruch ins Unbekannte: Im Trikot der Adler ließ sich Gross als Center zwischen 1997 und 1999 dreimal als DEL-Champion feiern.

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