13.12.2001 · Nun haben auch Köln, Dortmund und Bremen ihre Bewerbungen als Austragungsort für Spiele der Fußball-WM 2006 abgegeben. Die Bewerbung Dortmunds überzeugte Günter Netzer.
Weltmeister Wolfgang Overath spielte verbalen Doppelpass mit seinem einst kongenialen Mittelfeld-Pendant Günter Netzer. „Unsere Hoffnung ist riesengroß, dass Köln bei der WM 2006 zum erlauchten Kreis der Spielorte zählen wird“, sagte Overath am Donnerstag. Er ist Kölns sportlicher WM-Botschafter. Im Frankfurter Airport-Center übergab Overath für Köln die Bewerbungsunterlagen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Netzer nahm in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsmitglied des WM-Organisationskomitees auch die Bewerbungen der beiden Kandidaten Dortmund und Bremen entgegen.
Netzer spielte den Ball zum früheren Rivalen und langjährigen Freund gekonnt zurück. „Ich bin fasziniert von der Idee, das Kölner Stadion WM-reif zu machen. Ich denke, sie werden ganz weit vorn liegen.“ Oberbürgermeister Fritz Schramma, der Netzer das bearbeitete „Pflichtenheft“ überreichte, pries Köln als Wirtschaftszentrum und Stadt der Medien, Kunst und Kultur. Schramma gab sich entschlossen: „Die größte Stadt im bevölkerungsreichsten Bundesland verdient es, dabei zu sein. Wir sind fit für die WM.“ Der Umbau des Müngersdorfer Stadions zu einer reinen Fußball-Arena für 45 000 Zuschauer wird rund 215 Millionen Mark kosten. Er soll bereits am 20. Dezember, einen Tag nach dem letzten Bundesliga-Spiel des 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart, beginnen und im Frühjahr 2004 abgeschlossen sein.
Dortmund statt Stuttgart?
Noch weiter aus dem Fenster lehnte sich Netzer bei der Dortmunder Präsentation des Westfalenstadions, das er als „imponierend und einzigartig“ bezeichnete. „Dortmund bekommt meine Stimme für ein Halbfinalspiel“, versprach Netzer, nachdem Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer und Borussia-Präsident Gerd Niebaum die Ausbaupläne für das größte Stadion Nordrhein-Westfalens bekannt gegeben hatten.
Um die Forderung des Weltverbandes FIFA von mindestens 60.000 Plätzen für die Austragung eines Halbfinalspiels zu erfüllen, soll das Westfalenstadion durch den Ausbau der vier Ecken um 14 700 Plätze auf ein Fassungsvermögen von „netto“ 60 343 Sitzplätze gebracht werden. Die Kosten von 70 Millionen Mark sollen nicht zu Lasten des Landes gehen, sondern privat finanziert werden. Nach den Stadien von Berlin mit 76. 000 und von München mit 66.000 Plätzen, den voraussichtlichen Spielorten für Finale und Eröffnungsspiel, würde Dortmund das Stuttgarter Gottlieb-Daimler- Stadion (60 000) vom dritten Rang der Zuschauerkapazität verdrängen. Auch Stuttgart hofft auf ein Halbfinalspiel.
16 Städte im Rennen
Bescheidener, aber „sehr beachtlich“ - so Netzer, kam die Bremer Bewerbung daher. „Wir waren noch nie Austragungsort und möchten es gerne werden“, sagte Bürgermeister Henning Scherf. Denn Deutschland müsse bei einem solchen Weltereignis nicht nur durch Metropolen wie Berlin oder München repräsentiert werden, sondern auch durch seine Regionen. Scherf: „Bremen ist durch die nationalen und internationalen Erfolge des SV Werder in den letzten 20 Jahren zu einem internationalen Platz geworden.“ Das Weser-Stadion soll für rund 55 Millionen Mark auf ein Fassungsvermögen von 45 000 Zuschauern gebracht werden.
Das Bewerbungs-Wettrennen der 16 Städte, die Mitte April 2002 vom Weltverband FIFA auf endgültige 12 Spielorte reduziert werden, wird am Freitag mit den Präsentationen von Hannover, Nürnberg, Mönchengladbach, Leipzig und München abgeschlossen. Zuvor hatten Kaiserslautern, Berlin, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Hamburg, Leverkusen, Frankfurt und Stuttgart ihren Hut in den WM-Ring geworfen.