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WM-Stadien 2006 Kein Geschäft ohne Risiko

29.11.2001 ·  Kein Geschäft ohne Risiko - das trifft auch auf den Bau und Betrieb von Stadien zu. Experte Claus Binz erläutert die Gefahren an den Modellprojekten in Frankfurt, Leipzig und Düsseldorf.

Von Frank Hellmann
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Mehr als drei Milliarden Mark, zum Großteil Steuergelder, werden für den Stadionbau ausgegeben. Finanzmittel, die ohne die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland kaum in Ländern, Städten, Kommunen bereitgestellt worden wären.

Dass einige Risiko-Investitionen dabei sind, bestreitet auch Claus Binz, Geschäftsführer am Institut für Sportstättenberatung, nicht. "Es gibt kein Geschäft ohne Risiko. Der Bau und Betrieb von Stadien gehört dazu."

Kein Betreiber in Frankfurt

Das etwa hat gerade die Stadt Frankfurt erfahren. Unvermittelt ist Octagon als Betreiber des neuen Stadions abgesprungen. 150 Millionen Mark hatte der US-Vermarktungsriese garantiert - selbst für die Eintracht in der zweiten Liga. "Octagon hat sehr mutige Zahlen geliefert, denn für die zweite Liga lagen die von der Deutsche Städte Medien oder der IMG deutlich darunter", erläutert Binz, der angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage nun prophezeit, "dass im neuen Wettbewerb das alte Octagon-Angebot nicht zu erreichen ist."

Direkte Auswirkungen auf die WM-Bewerbung hat allerdings ein fehlender betreibender Vermarkter nicht, sofern das Stadion wie geplant gebaut wird - die Arenen müssen ohnehin werbefrei zur WM übergeben werden, so dass der Vermarkter in dieser Zeitspanne nicht mitverdienen kann.

Multifunktionalität in Düsseldorf

Auf ein Problem völlig anderer Größenordnung traf Binz bei seiner Beratung für die neue fast 440 Millionen Mark teure Multifunktionsarena in Düsseldorf. Denn Profifußball wird in der Rheinmetropole derzeit nicht gespielt, die heimische Fortuna kickt in der Regionalliga und wieder am Flinger Broich. Derzeit scheint der Abstieg in die Oberliga wahrscheinlicher als der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dennoch wird ein modernes Stadion gebaut.

"Das geht nur mit einer Komplementärnutzung", erklärt Binz, der die Lösung für die Refinanzierung des Neubaus nennt. "Da ist zum einen die direkte Anbindung an die Rheinhalle und die Nutzung der Messe. Dabei werden die gute Lage und die Stellplätze genutzt. Weiterhin werden ein Hotel und ein Zentrum für Physiotherapie integriert und langfristig soll auch das Football-Team der Rhein Fire dort spielen." Einnahmen aus unterschiedlichen Geschäftsfeldern sollen die Rechnung für das Projekt aufgehen lassen.

Das neue Stadion ist komplett verschließbar und hält einige intelligente Lösungen parat: So kann in der Arena der Rasen angehoben, damit das Fassungsvermögen verkleinert werden, "dann ist möglich, dass Fortuna Düsseldorf nur in einem Stadion mit 25.000 Plätzen spielt."

Großes Wagnis in Leipzig

Fehlkalkulationen, Fehlentwicklungen gibt es auch für Binz bei allen 16 Projekten nur wenige. Experten befürchten Risiken am ehesten in Leipzig, wo die weitere Nutzung durch den Profifußball auf absehbare Zeit nicht vorhanden ist. Binz: "Da sehe ich die größten Probleme. Bezeichnenderweise soll dort ja auch zunächst ein Kunstrasen eingebaut werden." Die wirtschaftliche Nutzung der Arena ohne höherklassigen Fußball sei halt in so einem Falle kaum möglich. Leipzig kann es sich leisten: 123 der 177 Millionen Mark Baukosten kommen von Bund und Stadt.

Binz gibt in den anderen Stadien indes auch immer das sportliche Risiko zu bedenken. "Köln hätte mit der Arena sicherlich Probleme, wenn der Verein absteigt und dauerhaft nur in der zweiten Liga spielt." Ansonsten seien die Projekte "nachvollziehbar kalkuliert."

Das Organisationskomitee argumentiert, dass selbst die Städte profitieren, die nicht WM-Spielort werden. "Vor allem die durchschnittlich über zehn Millionen Fans, die jede Saison die Spiele der Bundesliga besuchen, die Vereine und die Städte", meint Wolfgang Niersbach, "werden über Jahrzehnte hinaus von dieser Entwicklung profitieren."

Kosten von mehr als drei Milliarden Mark

Und gerne wird der Vergleich zu 1974 gezogen, als die erste WM in Deutschland eine nachhaltige Verbesserung der Stadion-Infrastruktur brachte. Doch am Frankfurter Waldstadion, damals hochmoderne Spielstätte, heute marode Betonschüssel, lässt sich trefflich der gestiegene Anspruch an die Arenen der Moderne ablesen. Den neuesten Standard herzustellen, wird nicht billig.

Über drei Milliarden Mark sind bereits in den Ausbau geflossen, ein Großteil Steuergelder. Das Argument von Niersbach: "Diese werden jedoch nicht nur für vier Wochen im Sommer 2006 investiert, sondern für die kommenden Jahrzehnte."

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