10.04.2002 · Wie lauten die Anforderungen für die Stadien zur WM 2006? Und wie sieht der Zeitplan bis dahin aus?
Grundlage für die Entscheidung zur Stadionauswahl bildet ein 141 Seiten starkes Pflichtenheft, in dem die WM-Anforderungen detailliert beschrieben sind. „Die Bibel“ wird das Pflichtenheft auch beim Organisationskomitee genannt.
Neben den Fakten spielen regionale Aspekte und die Nettokapazität der Arenen eine erhebliche Rolle. Denn zum einen soll die WM in allen Teilen Deutschlands zu sehen sein, zum anderen sind die Erlöse aus dem Ticketverkauf die entscheidende Einnahmequelle für das OK.
Anforderungen höher als die Fifa-Forderung
„Was im Pflichtenheft steht, ist entscheidend", erläutert OK-Sprecher Jens Grittner. Detailliert wie bindend die Vorgaben. Exemplarisch steht der große Aufwand, der allein für die Medien zu betreiben ist: Für das Endspiel sind 2000 Plätze für die schreibende Presse bereitzustellen, über 300 Kommentatoren-Plätze für Hörfunk und Fernsehen zu schaffen.
30 Kamera-Positionen oder ein Pressezentrum von 2500 Quadratmetern sind weitere Anforderungen, die das Organisationskomitee verlangt. „Der ein oder andere hat da am Anfang geschluckt: Aber wir gehen in vielen Fragen über den Fifa-Standard hinaus", erklärt Wolfgang Niersbach. Der OK-Vizepräsident sieht in den hohen Anforderungen einen Gewinn „für den Fan, die Vereine und den Fußball". So gewinnt Düsseldorf etwa gar das Regenwasser zurück.
Mindestens fünf Partien pro Stadion
Die Auflagen umfassen auch die Anzahl der Stellplätze für Rollstuhlfahrer, die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr oder die Versorgungssituation der Zuschauer im Fanbereich bis hin zum visuellen Gesamt-Erscheinungsbild jeder WM-Stadt. Eines steht für Niersbach schon fest: „WIr erhalten die modernsten Stadien Europas.“
Die WM-Arenen erhalten mindestens fünf Partien. Das OK favorisiert offensichtlich für die 64 Partien einen Spielplan, der die Begegnungen recht gerecht auf die Städte verteilt. Damit würde vermieden, dass wie bei den 20 Spielorten in Japan und Südkorea in vielen Orten nur drei WM-Spiele zu sehen sein werden.
Ticketverkauf erst ab 2005
Am 15. April wird in der Alten Oper in Frankfurt bekannt gegeben, welche Stadien den Zuschlag erhalten. Damit sollen eventuelle Fehlinvestionen in den nicht ausgewählten Städten zu vermieden werden. „Uns bereitet eher Kopfzerbrechen, den Städte mitzuteilen, dass sie nicht dabei sind", weiß Horst R. Schmidt, OK-Vizepräsident, schon jetzt.
Folgende Termine sind nach 2002 von Bedeutung:
Dezember 2003: Auslosung der weltweiten Qualifikation zur WM 2006
Mai 2004: OK legt Ticketplan und Eintrittspreise vor, Verabschiedung des Spielplans
ab Januar 2005: Offizieller Vorverkauf der Eintrittskarten, Festlegung der Mannschaftsquartiere und Trainingsstätten, Confederations-Cup in Deutschland, Inbetriebnahme des internationalen Fernsehzentrums
Dezember 2005: Auslosung der WM-Endrunde
9. Juni 2006: Eröffnungsspiel