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WM Stadien 2006 Bitterböse Verlierer

15.04.2002 ·  Bremen, Düsseldorf und Gladbach haben sich vergeblich als Spielort für die WM 2006 beworben. Die Verlierer erhoben hinterher harsche Vorwürfe, allen voran Bremen.

Von Frank Hellmann
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Jedesmal wenn Gerd Müller auf eine fußballähnliche Plastikkugel drückte, lächelte Moderator Gerhard Delling. Kurz danach sahen 350 handverlesene Gäste, die meisten irgendwie der Politik und dem Fußball verbunden, einen kurzen Film, an deren Ende eine Stadt benannt wurde. Dann trat aus jener Stadt der frohgelaunte Bürgermeister auf die Bühne und nahm eine Urkunde entgegen. Wieder war ein Spielort für die WM 2006 gefunden.

Eine hübsche Prozedur, die sich das akribisch arbeitende deutsche Organisationskomitee für die Benennung der WM-Spielorte 2006 hatte einfallen lassen. So ganz nach dem Credo von Innenminister Otto Schily, der schließlich für das „größte Ereignis nach den Olympischen Spielen 1972 und der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 eine ganze besondere Note unseres Landes versprach.“ Schily meinte damit Freundlichkeit und Fröhlichkeit in einem weltoffenen und wiedervereinigten Deutschland.

„Für mich ist der DFB tot“

Dummerweise traf derlei Charaktereigenschaft nur der an, der sich mit den Delegationen der zwölf per Film vorgestellten Städten befasste. Berlin, Dortmund, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart - sie alle hatten das große Los erwartet und gezogen. Und sie gaben freundlich-fröhlich über die besondere Ehre Auskunft, bei dem Großereignis bei mindestens fünf WM-Spielen im Mittelpunkt zu stehen.

Bild für Bild: Alle WM-Stadien, alle Informationen

Etwas abseits in Ebene zwei im Mozartsaal der Alten Oper hielten sich die Delegationen von Bremen, Düsseldorf und Mönchengladbach auf. Ihre Miene verriet Betroffenheit und Enttäuschung. Und manch einer war richtig verbittert. Allen voran Franz Böhmert. „Für mich ist der DFB tot“, sagte der 58-Jährige, der immerhin noch Vorstandsmitglied bei DFB und DFL ist.

„Hier hat der Kanzler entschieden“

Der Aufsichtsratsvorsitzende des SV Werder Bremen fuhr mit ernster Miene schwerstes Geschütz auf. „Hier hat der Kanzler entschieden“, wetterte Böhmert vor dem Hintergrund, dass Hannover im Nord-Zweikampf mit der Hansestadt den Vorzug erhalten hatte.

„Die sportlichen Erfolge des SV Werder werden nicht gewürdigt und Hannover mit seinen Millionen-Schulden erhält den Zuschlag.“ Böhmert sprach gar „von der größten Schweinerei, die er erlebt hat.“ Da witterte jemand Betrug.

Düsseldorf geht gänzlich leer aus

Nicht nur die Bremer waren verbittert. „Mal sehen, ob die andere Stadien ihre schönen Cabrios und Schlauchboote auch bauen“, lästerte etwa Mönchengladbachs Präsident Adalbert Jordan in Anspielung auf die noch nicht realisierten futuristischen Projekte in Frankfurt und München. Und auch Düsseldorf fühlte sich brüskiert. „Vieles ist nach aktuellem Tabellenstand entschieden worden“, glaubte Düsseldorf Stadtoberhaupt Joachim Erwin, „wir fühlen uns nicht gut behandelt.“

Was der in Düsseldorf geborene OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach gar verstehen konnte. „Wir haben bis zuletzt bei der Fifa für 13 Stadien gekämpft - das wäre Düsseldorf gewesen. Doch das war nicht durchzusetzen und bereitet mir größte Bauchschmerzen“, gestand Niersbach gegenüber FAZ.NET.

Medienzentrum in München

Zumal Düsseldorf wie Leipzig und Frankfurt bei der Bewerbung um das Internationale Pressezentrum (IMC) leer ausging. In München werden nun 40.000 Quadratmeter für bis zu 20.000 Medienvertreter zur Verfügung gestellt, Berlin wird als Sitz des Weltverbandes Fifa ein Pressezentrum für Printmedien erhalten.

Düsseldorf baut dennoch eine Multifunktionsarena mit unmittelbarer Anbindung an die Messe dennoch, so ist das Unverständis der Rhein-Metropole durchaus nachvollziebar. Nicht wenige witterten auch in dieser Frage Beckenbauers besondere Beziehung zu München. Böhmert sprach's unverblümt aus: „München hat halt eine Lobby.“

Nur zwölf Stadien von der Fifa zugelassen

Da war er der Ärger, den das OK vermeiden wollen. „Es gibt keinen Ersatz, WM-Spielort zu sein“, wusste OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt vorher. „Es war natürlich enttäuschend für uns, dass wir bei zwölf Austragungsorten bleiben mussten, aber so stand es ganz klar im Pflichtenheft der Fifa“, erklärte Beckenbauer.

„Wir haben klare Vorgaben, Bedingungen und Prinzipien“, versicherte Sepp Blatter. Und warum, Herr Fifa-Präsident, wird in Japan und Korea noch 2002 in 20 Arenen gespielt? „Weil wir dort zwei Weltmeisterschaften spielen.“

Verweigerter Handschlag

In Deutschlands drei Verlierer-Städten wird auch noch international gekickt: Statt WM-Spiele sollen dort vorrangig deutsche Länderspiele zu sehen sein oder namhafte WM-Teilnehmer trainieren. Horst R. Schmidt, der Mann für die Stadien, weiß, dass das ein schlechter Trost ist. Deshalb riet er: „Nehmen Sie unsere ausgestreckte Hand entgegen. Wir werden uns etwas einfallen lassen.“

Davon will Böhmert nichts wissen: „Meine Hand gebe ich ihm nicht. Der einzige Ehrenmann beim DFB ist für mich ab sofort nur noch Egidius Braun.“ Jener Braun hatte vor drei Jahren anlässlich der 100-Jahr-Feier von Werder Bremen versprochen, dass das Weserstadion WM-Arena werde.

Regional gerechte Verteilung

Bei aller Kritik ist jedoch zu bedenken: Das OK hat mit seiner Auswahl zwei Hauptkriterien erfüllt: Zum einen ist die WM regional gerecht verteilt. So verfügt der Norden (Hamburg, Hannover) wie der Osten über zwei (Berlin, Leipzig) Spielorte, der Westen über drei (Dortmund, Gelsenkirchen und Köln), der Südwesten und Süden über fünf (Frankfurt, Kaiserslautern, München, Nürnberg und Stuttgart).

Zum anderen darf das OK maximale Kapazitätsauslastung erwarten. So deuten sich 2006 ganz andere Erlöse als noch 1974 an. Wenn alles gut läuft, werden 3,2 Millionen Zuschauer sitzend und trocken die WM verfolgen.

Vielleicht war das auch das entscheidende K.o-Kriterium für Böhmerts Spielstätte. Horst R. Schmidt: „In Bremen wären 10.000 Sitzplätze nicht überdacht gewesen. Das sind Nuancen, die am Ende entscheidend sind.“ Und mancherorts Freude und Fröhlichkeit ersticken.

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