07.12.2001 · Weitere sechs Städte haben ihre offiziellen Bewerbungsunterlagen für die WM-Stadien 2006 eingereicht. Franz Beckenbauer scheute sich nicht, Favoriten zu nennen.
Rudi Völler stahl der WM-Bewerbung mit seiner zwischen den Präsentationen von Hamburg und Leverkusen an gleicher Stätte öffentlich gemachten Vertragsverlängerung ein wenig die Show. Doch vor und nach der Besiegelung des Teamchef-Paktes bis 2006 standen die WM-Bewerbungen von sechs weiteren Städten als Spielorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Frankfurter Airport- Center im Blickpunkt.
Am 15. Dezember endet die Bewerbungsfrist der 16 Kandidaten, die Mitte April 2002 vom Weltverband FIFA auf endgültig 12 Spielorte reduziert werden. Der „Kaiser“ höchstpersönlich als Präsident des deutschen WM- Organisationskomitees gab den mit Prominenz aus Sport und Politik durchsetzten Delegationen bei der Abgabe ihrer Bewerbungsunterlagen die Ehre.
"WM ohne Frankfurt ist nicht vorstellbar“
Franz Beckenbauer scheute sich in der ihm eigenen Art nicht, vorsichtige Präferenzen unter den Kandidaten zu setzen. Offiziell sollen alle 16 Bewerber die gleichen Chancen haben. „Noch keine Stadt ist fest nominiert“, hatte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach beim Start des Wettrennens der Bewerber gesagt. Beckenbauer jedoch machte aus seiner Einschätzung kein Hehl, dass man an Hamburg, Gelsenkirchen, Frankfurt und Stuttgart schwerlich vorbei käme. „Eine WM ohne Frankfurt ist nicht vorstellbar“, sagte Beckenbauer etwa.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement als Polit-„Lokomotive“ des mit geballter Macht auftretenden westdeutschen Ballungsraums sprach die Hoffnung aus, dass von den sechs NRW-Bewerbern „möglichst viele“ berücksichtigt werden sollten. Clement ließ es sich nicht nehmen, die Delegationen von Düsseldorf, Gelsenkirchen und Leverkusen anzuführen.
"Gelsenkirchen vorne"
„44 Millionen Menschen in einem Umkreis von zwei Autostunden warten auf die WM. NRW hat die meisten Fußballer, die meisten Stadien und eine große Begeisterung für die Spiele“, erklärte Clement. In Düsseldorf wird geklotzt und mit der Rhein-Arena ein neues Stadion bis August 2004 auf die grüne Wiese gebaut. Zudem bewirbt sich die Landeshauptstadt um das Medienzentrum, für das die Messe genutzt werden soll. Beckenbauer mahnte Initiativen für den Fußball an.
„Ein schönes Stadion braucht auch einen guten Verein“, meinte der OK-Chef in Anspielung auf Fortuna Düsseldorfs sportlichen Abstieg. Gelsenkirchen ist mit der Arena AufSchalke praktisch gesetzt. „Die Arena ist beispielhaft für alle, die ein neues Stadion bauen. Die Atmosphäre ist einmalig. Gelsenkirchen liegt damit auf einem der vordersten Plätze“, sagte Beckenbauer. Clement lobte die Arena als „Highlight des Fußballs“, während Oberbürgermeister Oliver Wittke den weiteren Ausbau des näheren Umfeldes bis 2006 in Aussicht stellte.
Hamburg optimistisch
Auch Hamburg darf sich mit „kaiserlichem“ Segen bereits auf WM- Spiele in der neuerbauten AOL-Arena einstellen. „Es liegt nahe, dass hier Spiele stattfinden“, machte Beckenbauer seine Zuneigung zur Hansestadt, in der er einst seine große Karriere beendete, deutlich. Hamburgs Regierender Bürgermeister Ole von Beust hob neben den sportlichen Voraussetzungen den Tourismus, die Kultur und die internationalen Beziehungen als Argumente heraus. „Bei aller Bescheidenheit gehe ich davon aus, dass Hamburg dabei ist“, machte auch HSV-Idol Uwe Seeler in Optimismus.
Den kann sich auch Frankfurt leisten. Am Standort des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird für die WM 2006 kein Weg vorbei gehen. Baubeginn für das neue Stadion wird im Juni 2002 sein. Da der Spielbetrieb weiter läuft, ist die Fertigstellung des reinen Fußball- Stadions erst für 2005 vorgesehen.
"Stuttgart macht Sinn"
Die Main-Metropole hatte unter anderem Hessens Sportminister Volker Bouffier, Oberbürgermeisterin Petra Roth und Weltmeister Jürgen Grabowski ins Rennen geschickt. Ex- Nationalspieler Hansi Müller („Stuttgart macht Sinn“) gehörte der Stuttgarter Delegation an, das sich mit dem nach Berlin (76 000) und München (66 000) drittgrößten Stadion (60 000) Hoffnungen macht auf ein Halbfinale.
Staatsminister Christoph Palmer warb mit der Wirtschaftskraft des „Ländles“ und schwäbischer Experimentierfreude. Leverkusen gilt als größter Wackelkandidat, da die BayArena (22 000) die Mindestforderung der FIFA (40 000 Sitzplätze) als einziger Bewerber nicht erfüllt. Dieses Manko könnte durch Beckenbauers Fürsprache beseitigt werden. „Der Bayer-Konzern hat sehr viel dazu beigetragen, dass die WM nach Deutschland kam“, meinte Beckenbauer.