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WM-Qualifikation Völlers Wechsel-Glück: Joker stachen gegen die Griechen

 ·  Das deutsche Nationalteam hat nach einer engagierten Leistung in Griechenland mit 4:2 (2:2) gewonnen. „Wir haben wieder eine Mannschaft“, sagte ein zufriedener Rudi Völler.

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Ist Rudi Völler nun ein Riese, weil er zur richtigen Zeit die richtigen Spieler einwechselt? Oder war es einfach Glück, dass Deutschland in Griechenland einen 4:2-(2:2-)Erfolg landete und eklatante Abwehrschwächen ohne Folgen blieben? Von beidem wohl ein bisschen. Fakt ist, dass die WM-Qualifikation auf direktem Wege beinahe schon gesichert ist.

Denn ein äußerst spannendes, tor- und ereignisreiches Länderspiel nahm einen Verlauf, mit dem nach einer gelb-roten Karte gegen Sebastian Deisler (65.) nicht gerechnet worden war. Beim Stande von 2:2 schien sich die Elf von Rudi Völler nach vielen verpatzten Chancen mit dem Punktgewinn abgefunden zu haben, als der Teamchef den glücklosen Oliver Neuville durch Miroslav Klose und wenig später den eifrigen Carsten Jancker durch Marco Bode ersetzte.

Es war der entscheidende Glücksgriff: Miroslav Klose, den Mann den Otto Rehhagel schon mit einem Völler in frühen Tagen verglich, lenkte den Ball in der 82. Minuten nach Flanke von Michael Ballack ins Netz. Marco Bode, der Bremer, war es, der kurz vor Schluss gar noch den vierten Treffer folgen und 50.000 lautstarke Griechen im Olympiastadion verstummen ließ.

Deisler mit Dummheiten nach starker Leistung

Der Völler-Jubel war umso größer, weil der jüngste Deutsche sich zwei Dummheiten erlaubt hatte, die in einer gelb-roten Karte mündeten. Sebastian Deisler stieg im Mittelfeld zweimal so töricht ein, dass der 21-Jährige fast folgerichtig nach 65. Minuten vom Feld schlich. Danach schien aus deutscher Sicht nur Schadensbegrenzung angesagt.

Bis dahin war es eine Stunde lang - aus Sicht des neutralen Beobachters - eine Partie, die ihren Unterhaltungswert aus der offen(siv)en Grundeinstellung der Griechen und den defensiven Schwächen der Deutschen bezog. Leistungsgerecht die Pausenbilanz: 16 Torschüsse, gleich verteilt, vier Treffer, gleich verteilt. Es begann gut für den Gast: Carsten Jancker schirmte das Runde ab, Marko Rehmer beförderte es freistehend ins Eckige (6.).

Den Griechen gehörten die größeren Spielanteile. Und als Christian Wörns eine Kopfballabwehr gänzlich missriet, bedankte sich Charisteas mit dem 1:1 (20.). Auch eine erneute Führung gab dem Tabellenführer keine Sicherheit: Kaum hatte Michael Ballack einen an ihm selbst verursachten Elfmeter glücklich verwandelt (24.), da leistete sich der schwache Christian Ziege im eigenen Strafraum ein unnötiges Foul. Großes Glück, dass der Referee aus Portugal Melo Pereira Georgiadis gelb gab statt den fälligen Strafstoß (26.).

Griechen konnten zweimal ausgleichen

Der so gereizte Stürmer aus Saloniki revanchierte sich auf seine Weise: Erst ließ er sich im letzten Moment von Christian Wörns bremsen, dann köpfte er mit dem nächsten Spielzug den Ball in die kurze Ecke (42.). Den verdienten Ausgleich bejubelten 50.000 die der Pyrotechnik sehr aufgeschlossenen Griechen frenetisch.

Auch im zweiten Durchgang sollte es an Chancen nicht mangeln: Carsten Jancker vergab freistehend (48.), Oliver Neuville verfehlte mit Kopfbällen aus zwei und vier Metern das Tor (55. und 57.), Michael Ballack scheiterte am starken Eleftheropoulos im griechischen Gehäuse (70.). Dennoch: Genauso anfällig war die Elf von Rudi Völler in der Rückwärtsbewegung.

Dabei hatte der Teamchef seiner Eleven auch in Hinblick auf eine bessere Ordnung gleich ein Quintett neuer Gesichter verpasst. Neben dem Mittelstürmertausch Carsten Jancker für Oliver Bierhoff, rückten für die indisponierten Didi Hamann, Carsten Ramelow und Marco Bode nun Jörg Heinrich, Marco Rehmer und Christian Ziege ins Team, Michael Ballack ersetzte den gesperrten Mehmet Scholl.

Taktik und Personalwechsel von Völler

Doch vor allem war die taktische Ausrichtung eine andere: Sebastian Deisler durfte nach den hoffnungsvollen Albanien-Ansätzen von Beginn an in der Kreativ-Zentrale wirken. Jens Nowotny und Christian Wörns erhielten in einer Dreierkette Unterstützung von Jörg Heinrich.

Ein Rezept, das nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen war. Vor allem Leverkusens Libero Nowotny behagte seine Chef-Rolle gar nicht. Gleich nach wenigen Minuten winkte der 27-Jährige hilflos zu seine Mitspielern, weitere ratlose Gesten mit Händen sollten folgen. Die Zusammenarbeit mit Wörns und Heinrich, das Einrücken von Rehmer und Ziege funktionierte nur fehlerhaft - der Stürmer Rudi Völler hätte an einer derart schlecht abgestimmten Abwehr seine helle Freude gehabt.

Ergebnis-Bilanz optimal, aber es bleiben Fragen

So stellt die Bilanz der beiden Spiele auch nur bedingt und in erster Linie an den Ergebnissen gemessen zufrieden. Zu vieles auf und außerhalb des Platzes bleibt ein Rätsel. Der Mangel an Kreativität im Albanien-Spiel, das Abwehr-Chaos in Griechenland. Doch am Ende hat Rudi Völler offenbar alles richtig gemacht - vor allem richtig ein- und ausgewechselt.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich im noch ungelösten Streit zwischen griechischem Verband, Fifa und griechischer Regierung noch eine Lösung ergibt. Sonst droht Griechenland nämlich der Ausschluss aus dem Weltverband. Und gleichzeitig würden auch alle Punkte aus dem WM-Qualifikation annulliert werden. Das wäre nun für Deutschland gleich sechsfach dumm.

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