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WM-Maskottchen Schatten über Zakumis grünen Haaren

12.03.2010 ·  Über die Schönheit der WM-Maskottchen lässt sich streiten. Neuerdings auch über die Art und Weise ihrer Herstellung. Ein Unternehmen in Schanghai ist ins Gerede gekommen, weil seine Plastikfigürchen für die Fußballweltmeisterschaft angeblich unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen entstehen.

Von Christian Geinitz, Schanghai
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Über die Schönheit von Maskottchen lässt sich trefflich streiten, neuerdings auch über die Art und Weise ihrer Herstellung. Ein Unternehmen in Schanghai ist ins Gerede gekommen, weil seine schon ästhetisch zweifelhaften Plastikfigürchen für die Fußballweltmeisterschaft angeblich unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen entstehen. Nach entsprechenden Medienberichten und einer Überprüfung kündigte der Weltfußballverband Fifa an, die Produktion bis auf Weiteres ruhen zu lassen.

Der Fifa-Hauptlizenznehmer Global Brands Group teilte mit, das Produktionsumfeld müsse "dringend verbessert werden", ehe wieder Maskottchen aus Schanghai in den Markt gelangen dürften. Dem Unternehmen Shanghai Fashion Plastics werden Kinderarbeit, geringe Löhne und unerträgliche Produktionsbedingungen vorgeworfen. Es stellt eine 20 Zentimeter hohe Kunststoffversion des grünhaarigen Leoparden Zakumi her, der für "South Africa 2010" wirbt.

„In China gehören wir zu den besten Fabriken“

Die auf Chinesisch Huasheng Sujiao genannte Gesellschaft hat nach eigenen Angaben auch Maskottchen für die Olympischen Spiele 2008 in Peking gefertigt. Sie produziert zudem den blauen Glücksbringer Haibao für die Weltausstellung in Schanghai, die am 1. Mai beginnt. Eine Sprecherin der Expo sagte der F.A.Z. am Mittwoch, über die Geschäftsbeziehungen und die Vorwürfe wisse sie nichts. Man werde den Hinweisen nachgehen. Shanghai Fashion Plastics wies alle Anschuldigungen als "erfunden" zurück. Seit einer Überprüfung im Februar habe man die Arbeitsbedingungen verbessert. Das Unternehmen nehme gern Anregungen an, um internationalen Standard zu erreichen, man dürfe die Lage in China jedoch nicht mit der in Singapur oder Großbritannien vergleichen.

"In China gehören wir zu den besten Fabriken und beachten die Gesetze", zitierten Nachrichtenagenturen eine Sprecherin. Der Betrieb wittert hinter den Vorwürfen eine Kampagne, mit der Südafrika von seiner hohen Arbeitslosigkeit ablenken wolle. Gewerkschaften in der Kap-Republik hatten die Produktionsaufträge für Fanartikel an ausländische Betriebe mehrfach kritisiert. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 25 Prozent sei das nicht zu rechtfertigen, hieß es. Nachdem Zeitungen auf die Missstände in Schanghai hingewiesen hatten, drohten südafrikanische Arbeitnehmervertreter mit Störaktionen während der Fußball-Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis zum 11. Juli.

Das Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe

Die Vorwürfe gegen Huasheng Sujiao gibt es schon seit längerem. Das Unternehmen hatte stets darauf verwiesen, dass es von den WM-Ausrichtern mehrfach geprüft und für gut befunden worden sei. Das scheint auch für die Expo zu gelten. Jedenfalls wirbt Schanghai Fashion Plastics im Internet mit dem Hinweis "Expo Bureau Approved Company". Der Vorstandsvorsitzende David Lau sagte der Hongkonger Tageszeitung "South China Morning Post", die Fifa und die südafrikanischen Wettbewerbsorganisatoren hätten die Fabrik viermal besucht, bevor Global Brands im Oktober die Produktionslizenz erteilt habe. Man dürfe 2,3 Millionen Zakumi-Figuren herstellen, die für 300 Yuan (32 Euro) je Stück verkauft würden. 17 Prozent dieses Endverbraucherpreises zahle man als Lizenzgebühr. Die Zeitung wie auch andere Medien zitierten Lau mit den Worten: "Ich bin kein großer Fußballfan, aber ich bin ein großer Geldfan."

Journalisten, die Zugang zu der Fabrik etwa 50 Kilometer außerhalb des Schanghaier Stadtzentrums erlangten, berichten von schlecht beheizten und beleuchteten Werkshallen. Wanderarbeiter aus den westlich gelegenen Provinzen Anhui oder Hubei malten die Figürchen bis 11 Uhr nachts an. Dafür erhielten sie einen Grundlohn von 800 Yuan im Monat (86 Euro) und müssten davon noch 160 Yuan für Schlafsaalunterkunft und Essen abgeben. Im Schnitt verdiene jeder Mitarbeiter, viele seien minderjährig, 21 Yuan am Tag (2,30 Euro). Das Unternehmen weist das zurück. Man zahle deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn in Schanghai von 960 Yuan im Monat.

Tatsächlich gesteht auch die kritische "South China Morning Post" ein, dass die Arbeitsbedingungen durchaus im Einklang mit dem Arbeitsrecht stünden. Dass Huasheng Sujiao den Zuschlag für die Leoparden-Produktion bekommen habe, liege möglicherweise an einem früheren Auftrag: Für die Präsidentenwahlen 2009 in Südafrika habe das Unternehmen Werbefigürchen für den Kandidaten und jetzigen Amtsträger Jacob Zuma gefertigt.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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