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WM-Affäre : Bin Hammam bestätigt Millionen-Zahlung

  • Aktualisiert am

Mohamed bin Hammam: „Die Summe ist erst nach der WM-Vergabe auf meinem Konto eingegangen.“ Bild: dpa

Der frühere Fifa-Vizepräsident Bin Hammam bricht sein Schweigen und bestätigt den Erhalt von 6,7 Millionen Euro in der deutschen WM-Affäre. Fragt sich nur, wofür?

          Schlüsselfigur Mohamed Bin Hammam bricht in der Affäre um die Fußball-WM 2006 in Deutschland sein Schweigen. Für entscheidende Aufklärung zur ominösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus Deutschland über die Schweiz nach Qatar sorgt jedoch auch die Aussage des früheren Fifa-Vizepräsidenten nicht. Der qatarische Unternehmer bestätigt in der ZDF-„Sportreportage“ (Sonntag) lediglich, dass er das Geld erhalten habe. Den Zweck der Zahlung ließ Bin Hammam aber offen und bestreitet eine damit verbundene Bestechung aus Deutschland.

          „Die 6,7 Millionen Euro sind auf mein Konto geflossen“, sagte der inzwischen gesperrte Spitzenfunktionär. „Aber ich würde gerne wissen, warum Deutschland mich hätte bestechen sollen, für etwas, was sie schon erhalten haben. Die Summe ist erst nach der WM-Vergabe auf meinem Konto eingegangen.“ Bin Hammam betonte: „Ich schwöre zu Gott, es war nicht für die WM.“

          Die 6,7 Millionen Euro und ihre Verwendung sind eine der zentralen offenen Fragen in der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Deutschland im Jahr 2000. Das Geld floss im Jahr 2002 von einem Konto von Franz Beckenbauer und seinem später verstorbenen Manager Robert Schwan über die Schweiz auf ein Konto in Qatar, das zu dem Firmengeflecht von Bin Hammam gehörte. Kurz darauf erhielt Beckenbauer diese Summe als Darlehen vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurück, der wiederum sein Geld drei Jahre später vom DFB zurückforderte. 2005 überwies der Verband die 6,7 Millionen Euro über ein Konto des Weltverbandes Fifa an Louis-Dreyfus.

          Wofür floss das Geld zu Bin Hammam? „Ich weiß es nicht“, meinte er lachend im ZDF-Interview und ergänzte dann: „Nein, natürlich weiß ich es. Aber entschuldigen Sie - das interessiert doch nur Sie, keine anderen.“ Mögliche Korruption rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft in seine qatarische Heimat bestritt Bin Hammam für seine Person ebenfalls. Die Vorwürfe „betreffen mich alle nicht. Das sind nur Anschuldigungen und bleiben Anschuldigungen“, sagte der 68-Jährige.

          Wegen wiederholter Verstöße in seiner Zeit als Präsident der asiatischen Konföderation AFC und Mitglied des damaligen Fifa-Exekutivkomitee ist er für jede Tätigkeit im Fußball gesperrt. Dennoch behauptete er mit Blick auf den Fifa-Skandal: „Wenn Sie uns auf einer Skala für Korruption einteilen würden, dann war ich wohl der, der am wenigsten korrupt war.“

          DFB-Chef Reinhard Grindel hatte Anfang Dezember in der „Sport Bild“ erklärt, er strebe ein persönliches Treffen mit Bin Hammam in Qatar an. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hatte eine Anfrage über das Anwaltsbüro des Unternehmers gestellt, allerdings keine Antwort erhalten.

          Beckenbauer wies eine Bestechung bei der WM-Bewerbung zurück und argumentierte, dass die WM-Organisatoren mit der Zahlung einen Organisationskosten-Zuschlag des Weltverbandes absichern wollten. Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter hatte dem erst vor einem Monat abermals widersprochen: „Das stimmt nicht. Das ist Quatsch. Das habe ich auch vor der Schweizer Bundesanwaltschaft, die mich als Auskunftsperson einlud, gesagt. Dass man zuerst etwas zahlen muss, damit man im Gegenzug Geld bekommt von der Fifa, ist abstrus“, sagte Blatter im Dezember der Funke Mediengruppe.

          Der DFB verschleierte das Geld nach Ansicht der Finanzbehörden in seiner Steuererklärung für 2006 als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala, die am Ende nie stattfand. Der Verband hat die falsche Deklarierung eingeräumt, aber auch erklärt, Louis-Dreyfus habe Beckenbauer das Geld gegeben, um einen Organisationskosten-Zuschuss von der Fifa abzusichern. Die 6,7 Millionen stünden deshalb in einem direkten Zusammenhang mit der WM und seien daher steuerlich als Betriebsabgabe zu sehen. Das Finanzamt sieht darin indes einen schweren Fall von Steuerhinterziehung und fordert eine Nachzahlung von 19,2 Millionen Euro. Die DFB-Spitze hatte angekündigt, diese Entscheidung anfechten zu wollen.

          Quelle: dpa

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