Die erste Verhandlungsrunde ist gescheitert. ARD und ZDF konnten sich mit dem Rechtevermarkter Infront bisher nicht über einen TV-Vertrag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland einigen und haben daher notgedrungen nur ein Minimal-Angebot über 24 Spiele abgegeben.
Nun droht ausgerechnet bei Deutschlands größter Sportveranstaltung in diesem Jahrzehnt eine Wiederholung des Ärgers von 2002: Bei den TV-Übertragungen von der WM in Japan und Südkorea waren mehr als die Hälfte der WM-Spiele nur gegen zusätzliche Bezahlung im Pay-TV zu sehen waren.
Premiere fordert Exklusivität
Die ersten Gespräche zwischen dem Schweizer Rechtevermarkter und Bezahlsender Premiere sind bereits angelaufen. „Die sind auf uns zugekommen“, bestätigte Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler. Seine Vorstellungen sind klar: „Wir wollen 2006 das gleiche Angebot wie aus Japan und Südkorea: Alle Spiele und alle Tore bei Premiere.“ Kofler läßt keinen Zweifel daran, daß es sich für seinen Sender aus finanzieller Sicht nur lohnt, wenn möglichst viele Spiele exklusiv bei seinem Sender zu sehen sind.
Während es für Premiere wirtschaftlich sinnvoll ist, erscheint es den meisten Fußball-Fans als Schreckensszenario, wenn erneut 40 Spiele nur gegen zusätzliche Zahlungen zu sehen sein sollten. Selbst Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees, findet: „Die Blamage möchte ich nicht erleben, wenn die Öffentlich-Rechtlichen das nicht hinkriegen.“
Infront fordet 350 Millionen
Aber selbst Beckenbauer hat keinen Einfluß auf dieses Geschäft, denn die TV-Lizenzierungsrechte werden im Auftrag der FIFA von der Schweizer Agentur Infront verkauft. Und die möchte angeblich auf dem deutschen Markt für alle 64 Live-Spiele rund 350 Millionen Euro erlösen. Das wäre deutlich zuviel für die beiden öffentlich-rechtlichen Sender, die dem Vernehmen nach ungefähr 250 Millionen Euro zahlen könnten. Daneben geht es aber auch noch um zahlreiche Nachverwertungs-Rechte.
„Wir sind nach wie vor an allen 64 Spielen interessiert“, hieß es am Mittwoch bei ARD und ZDF. In der ersten Runde des TV-Pokers besaßen die beiden Sender aus dem Vertrag über die WM 2002 ein „exklusives Verhandlungsfenster“, das Ende Januar ausgelaufen ist. Zu dieser Option gehörte auch, daß sie jetzt ein Angebot bei Infront abgeben mußten.
RTL bestätigt Interesse
Das komplizierte Vertragswerk hat auch einen Vorteil für ARD/ZDF und führt dazu, daß die öffentlich-rechtlichen Sender mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest die gewünschten 24 Spiele zeigen können, darunter alle Partien der deutschen Nationalmannschaft sowie das Eröffnungsspiel, die Halbfinals und das Finale. Denn nur in diesem Fall erhält Infront die vereinbarte Nachzahlung von 50 Millionen Euro aus dem 125-Millionen-Vertrag für die WM 2002.
Bei der nun eröffneten zweiten Verhandlungsrunde für 2006 gibt es aber auch noch andere Interessenten als ARD, ZDF und Premiere. „Wir prüfen jetzt, welche sinnvollen Optionen es gibt“, sagte am Mittwoch Hans Mahr, Informationsdirektor bei RTL. „Wir haben wiederholt gesagt, daß die WM 2006 ein nationales Großereignis ist, an dem alle interessierten großen Sender beteiligt werden sollten.“ RTL halte es für sinnvoll, die Last „auf möglichst vielen Schultern zu verteilen“.