Home
http://www.faz.net/-gtl-14fxm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Xaver Unsinn wird 80 Mister „Eishockei“

In welcher Sportart sind Pepitahut und olympische Bronzemedaille auf einen Nenner zu bringen? Im Eishockey, in Gestalt von Xaver Unsinn. An diesem Sonntag feiert der legendäre Trainer in Füssen seinen 80. Geburtstag.

© AP Vergrößern Xaver Unsinn (l.) im Angriff: Bei den Olympischen Spielen 1952 gegen Kanada

In welcher Sportart sind Pepitahut und olympische Bronzemedaille auf einen Nenner zu bringen? Im Eishockey, in Gestalt von Xaver Unsinn. So hieß 1976 jener Bundestrainer, der die Nationalmannschaft in Innsbruck bis auf Rang drei führte. Weil der Torquotient des deutschen Teams um 0,041 besser war als jener der Finnen. Es war ein einmaliger Glücksmoment im Trainerleben des Allgäuers, der davon profitierte, dass Schweden wie Kanadier dem Turnier ferngeblieben waren und die Vereinigten Staaten mit einer zweitklassigen Auswahl antraten.

„Man hat den Xari gern als Glückskind bezeichnet, aber er hat sich alles erarbeitet. Er hatte ein Händchen dafür, in der richtigen Sekunde die richtige Entscheidung zu treffen“, erinnert sich Erich Kühnhackl, einst Spieler, später Assistent unter Unsinn. Dieser war ein Mann der Intuition. Gedacht, getan. Seine Kopfschmerzen als Folge der Kälte an der Bande bekam er dank einer Kopfbedeckung in den Griff. Erst war's eine Zipfelmütze, dann ein Pepitahut - Unsinns Markenzeichen.

Mehr zum Thema

Sechs Olympische Spiele und zwölf Weltmeisterschaften erlebt

Als Xaver Unsinn in Füssen begann, dem Puck hinterherzujagen, war der EV die erste Adresse im Eishockey. Zu acht deutschen Meisterschaften kam der Flügelstürmer mit dem Traditionsklub, am Ende seiner Karriere blickte der Bayer auf 72 Länderspiele zurück. Als Spieler und Trainer erlebte er sechs Olympische Spiele und zwölf Weltmeisterschaften. Darunter Platz zwei, als 1953 nur vier Nationen an der WM teilnahmen und die Tschechoslowakei auch noch vorzeitig abreiste.

Xaver Unsinn wird 80 © dpa Vergrößern Ausnahmsweise ohne Pepitahut: Eishockey-Trainer Xaver Unsinn

Unsinn begann als Spielertrainer beim ESV Kaufbeuren. Seine nächsten Stationen: Preußen Krefeld, Kölner EC, Augsburger EV, Düsseldorfer EG (Meister 1972), Berliner SC (Meister 1974/76) und EV Rosenheim. 1964 war Unsinn kurz Bundestrainer, dauerhaft von 1975 bis 1977 und nochmals von 1981 bis 1989. Zwischendurch führte er 1979 den SC Bern zum nationalen Meistertitel. Ein Schweizer Journalist hat Unsinn mal „den Salvador Dalí des gesprochenen Wortes“ genannt. „Unsinn spricht bewegt und bewegend, die Worte purzelten heraus. Kaum war ein Satz oder Gedanke da, verdrängte ihn schon der nächste.“

„Er ist Teil des deutschen Eishockeys“

Unsinn pflegt den Allgäuer Dialekt. Eishockey wurde zum „Eishockei“, „Mister Eishockei“ zu seinem Spitznamen. Für das Olympiateam von 1976 und andere Weggefährten ist es eine Ehrensache, am Sonntag zum Xari zu fahren, der seinen 80. Geburtstag feiert. Er ist längst dorthin zurückgekehrt, wo er einst auszog, seine Vision vom Eishockey unter die Leute zu bringen - nach Füssen. Seit einigen Jahren ist er, wie man dort zu sagen pflegt, „nicht mehr so gut beieinander“.

Kühnhackl, Vizepräsident des Deutschen Eishockey Bundes, hat eine Einladung dabei. Xaver Unsinn am 7. Mai 2010, zum Eröffnungsspiel der Eishockey-WM in der Arena auf Schalke einzuladen sei Ehrensache. Das „ist mehr als eine Geste, denn er gehört dazu, er ist Teil des deutschen Eishockeys“.

Quelle: F.A.Z / ley.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mannheimer Adler Hitzköpfe, Clowns und Leisetreter

Die Mannheimer Adler sind eine der besten Eishockey-Adressen. In diesem Jahr stimmt auch die Mischung. Am Freitag sind die Grizzly Adams aus Wolfsburg im ersten Play-off-Halbfinale zu Gast. Mehr Von Marc Heinrich, Mannheim

27.03.2015, 16:15 Uhr | Sport
Berlin Schäuble nennt griechische Beschwerde über ihn Unsinn"

Griechische Medien hatten berichtet, der deutsche Finanzminister habe die Kommunikation seines griechischen Amtskollegen Yannis Varoufakis am Rande eines EU-Finanzministertreffens am Dienstag als dümmlich naiv" abgetan. Mehr

13.03.2015, 10:46 Uhr | Wirtschaft
Jan-Philip Glania Zwischen Studium und Schwimmbecken

Die letzten Uni-Prüfungen sind noch gar nicht vorbei, da beginnt schon das Training für die nächste Meisterschaft. Der 26 Jahre alte Jan-Philip Glania aus Fulda vereint Spitzensport und Zahnmedizin-Studium. Das ist nicht immer einfach. Mehr Von Katja Sturm, Frankfurt

27.03.2015, 15:13 Uhr | Rhein-Main
Olympia 2024 DOSB berät: Hamburg oder Berlin?

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) berät derzeit darüber, ob sich Hamburg oder Berlin für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 bewerben soll. Die Entscheidung soll heute fallen. Mehr

16.03.2015, 14:05 Uhr | Sport
Hamburger Olympia-Bewerbung Das Tor zur großen Sportwelt

Die Entscheidung des DOSB, mit Hamburg in das Rennen um eine Olympia-Kandidatur zu gehen, fällt überraschend deutlich aus. Die Bewerbung bietet Chancen – aber es muss mit heftigem Gegenwind gerechnet werden. Mehr Von Anno Hecker

16.03.2015, 21:13 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.11.2009, 08:00 Uhr

Kein Pipifax

Von Anno Hecker

Dass falsche Fahnder bei einem Boxkampf auftauchen und Sportler zur Probe und zur Kasse bitten, ist neu – und für die Antidopingagentur Nada alles andere als lustig. Mehr 1