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Xaver Unsinn wird 80 : Mister „Eishockei“

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Xaver Unsinn (l.) im Angriff: Bei den Olympischen Spielen 1952 gegen Kanada Bild: AP

In welcher Sportart sind Pepitahut und olympische Bronzemedaille auf einen Nenner zu bringen? Im Eishockey, in Gestalt von Xaver Unsinn. An diesem Sonntag feiert der legendäre Trainer in Füssen seinen 80. Geburtstag.

          In welcher Sportart sind Pepitahut und olympische Bronzemedaille auf einen Nenner zu bringen? Im Eishockey, in Gestalt von Xaver Unsinn. So hieß 1976 jener Bundestrainer, der die Nationalmannschaft in Innsbruck bis auf Rang drei führte. Weil der Torquotient des deutschen Teams um 0,041 besser war als jener der Finnen. Es war ein einmaliger Glücksmoment im Trainerleben des Allgäuers, der davon profitierte, dass Schweden wie Kanadier dem Turnier ferngeblieben waren und die Vereinigten Staaten mit einer zweitklassigen Auswahl antraten.

          „Man hat den Xari gern als Glückskind bezeichnet, aber er hat sich alles erarbeitet. Er hatte ein Händchen dafür, in der richtigen Sekunde die richtige Entscheidung zu treffen“, erinnert sich Erich Kühnhackl, einst Spieler, später Assistent unter Unsinn. Dieser war ein Mann der Intuition. Gedacht, getan. Seine Kopfschmerzen als Folge der Kälte an der Bande bekam er dank einer Kopfbedeckung in den Griff. Erst war's eine Zipfelmütze, dann ein Pepitahut - Unsinns Markenzeichen.

          Sechs Olympische Spiele und zwölf Weltmeisterschaften erlebt

          Als Xaver Unsinn in Füssen begann, dem Puck hinterherzujagen, war der EV die erste Adresse im Eishockey. Zu acht deutschen Meisterschaften kam der Flügelstürmer mit dem Traditionsklub, am Ende seiner Karriere blickte der Bayer auf 72 Länderspiele zurück. Als Spieler und Trainer erlebte er sechs Olympische Spiele und zwölf Weltmeisterschaften. Darunter Platz zwei, als 1953 nur vier Nationen an der WM teilnahmen und die Tschechoslowakei auch noch vorzeitig abreiste.

          Ausnahmsweise ohne Pepitahut: Eishockey-Trainer Xaver Unsinn
          Ausnahmsweise ohne Pepitahut: Eishockey-Trainer Xaver Unsinn : Bild: dpa

          Unsinn begann als Spielertrainer beim ESV Kaufbeuren. Seine nächsten Stationen: Preußen Krefeld, Kölner EC, Augsburger EV, Düsseldorfer EG (Meister 1972), Berliner SC (Meister 1974/76) und EV Rosenheim. 1964 war Unsinn kurz Bundestrainer, dauerhaft von 1975 bis 1977 und nochmals von 1981 bis 1989. Zwischendurch führte er 1979 den SC Bern zum nationalen Meistertitel. Ein Schweizer Journalist hat Unsinn mal „den Salvador Dalí des gesprochenen Wortes“ genannt. „Unsinn spricht bewegt und bewegend, die Worte purzelten heraus. Kaum war ein Satz oder Gedanke da, verdrängte ihn schon der nächste.“

          „Er ist Teil des deutschen Eishockeys“

          Unsinn pflegt den Allgäuer Dialekt. Eishockey wurde zum „Eishockei“, „Mister Eishockei“ zu seinem Spitznamen. Für das Olympiateam von 1976 und andere Weggefährten ist es eine Ehrensache, am Sonntag zum Xari zu fahren, der seinen 80. Geburtstag feiert. Er ist längst dorthin zurückgekehrt, wo er einst auszog, seine Vision vom Eishockey unter die Leute zu bringen - nach Füssen. Seit einigen Jahren ist er, wie man dort zu sagen pflegt, „nicht mehr so gut beieinander“.

          Kühnhackl, Vizepräsident des Deutschen Eishockey Bundes, hat eine Einladung dabei. Xaver Unsinn am 7. Mai 2010, zum Eröffnungsspiel der Eishockey-WM in der Arena auf Schalke einzuladen sei Ehrensache. Das „ist mehr als eine Geste, denn er gehört dazu, er ist Teil des deutschen Eishockeys“.

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