09.04.2009 · Der deutsche Sport hat seine Bilanzen des vorolympischen Winters gezogen - und blickt nun zuversichtlich nach Vancouver zu Olympia 2010. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat die Spitzenleistungen 2008/2009 nun in Prämien umgerechnet.
Von Jörg HahnDer Winter ist nicht vorbei. Das mag am 9. April etwas seltsam klingen. Doch in Kanada läuft noch die Curling-Weltmeisterschaft, die Eishockey-WM startet erst Ende des Monats in der Schweiz. Dennoch, der deutsche Sport hat seine Bilanzen des vorolympischen Winters gezogen und blickt nun zuversichtlich nach Vancouver, wo in 309 Tagen die Olympischen Winterspiele eröffnet werden.
Grundlage für den Optimismus, auch im kanadischen Westen wieder eine der führenden, wenn nicht die beste Olympia-Mannschaft zu stellen, sind zahlreiche Weltcup-Siege, WM- und EM-Erfolge. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat die Spitzenleistungen in Prämien umgerechnet - für eine WM-Goldmedaille zahlt sie 6000 Euro, für Silber 4500 Euro und für Bronze 3000 Euro.
Nordische Ski-WM als kostspieligste Einzel-Veranstaltung
Nun schüttet die Stiftung insgesamt 326.850 Euro an 127 geförderte Wintersportler aus. In einer Zeit, in der wir uns an Milliarden, Billionen und Phantastilliarden gewöhnt haben, erscheint diese Zahl als ausgesprochen schlank. Durchschnittlich fallen auf einen Athleten nicht viel mehr als 2500 Euro, diese Summe kommt einem gerade äußerst vertraut vor.
Die Erfolgsprämien für den Winter 2008/2009 liegen, so die Sporthilfe, auf ähnlichem Niveau wie in der vorolympischen Saison vor vier Jahren. Dass für die Spiele in Vancouver damit nun auch automatisch Resultate wie in Turin 2006 zu erwarten wären, dürfte eine etwas riskante Rechnung sein. Mit insgesamt fast 55.000 Euro waren die nordischen Ski-Weltmeisterschaften die kostspieligste Einzel-Veranstaltung für die Sporthilfe, gefolgt von der Biathlon-WM mit knapp 45.000 Euro und der Bob-WM mit 36.000 Euro. Dennoch: Die deutschen Bobfahrer gehören zu jenen, die hinter ihren Ansprüchen geblieben sind in den vergangenen fünf Monaten. Deshalb darf aus der Geldrangliste keine Olympia-Hochrechnung abgeleitet werden.
Die Erfolgsprämien bringen keinen plötzlichen Reichtum
Welches Zukunftpotential der deutsche Wintersport hat, das verrät die Aufstellung sehr deutlich: Knapp 100.000 Euro der Prämien entfallen auf 62 Nachwuchssportler (die Summe könnte sich durch Erfolge bei der Eishockey-WM der Junioren noch erhöhen), die bei Junioren-Weltmeisterschaften insgesamt 38 Medaillen holten, davon allein 13 Goldmedaillen. Als kommende Stars präsentierten sich die zweifachen Junioren-Weltmeisterinnen Viktoria Rebensburg (Ski alpin) und Nicole Wötzel (Biathlon).
Die Erfolgsprämien bringen im Übrigen keinen plötzlichen Reichtum, niemand wird in die Verlegenheit kommen, das Geld auf einmal auf den Kopf zu hauen: Das Geld wird in monatlichen Raten ausbezahlt. Die Zuwendungen der Sporthilfe sind nach wie vor für viele Athleten, die nicht aus den wenigen hochbezahlten Showsportarten stammen, eine Art Lebensversicherung; ohne die regelmäßigen Zuwendungen von manchmal gerade hundert Euro pro Monat (oder sogar weniger) ginge mancher Etat nicht mehr auf, eine Laufbahn im Spitzensport wäre nicht möglich. Das gilt erst recht in der Finanzkrise, in der selbst Olympiasieger wie Lena Schöneborn, Jan Frodeno oder sogar Matthias Steiner nicht sicher sein können, überhaupt einen längerfristigen Sponsorenvertrag zu bekommen.