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Wintersport-Kommentar Absprung verpasst

19.02.2012 ·  Martin Schmitt und Michael Greis hätten einen Abgang mit Applaus verdient. Doch zumindest der Skispringer hat vielleicht den richtigen Zeitpunkt schon verpasst.

Von Jörg Hahn
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© dapd Beim Skispringen ist der Absprung Zentimeter-Sache - das gilt auch für das Karriereende

Michael Greis gehört dazu, vorläufig. Er ist in das deutscheTeam für die Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding berufen worden; nominiert für die am 1. März beginnenden Wettkämpfe ist er damit aber noch nicht. Der dreimalige Olympiasieger von 2006 muss im Trainingslager einen Form-Nachweis liefern. Auf die letzten Weltcup-Rennen verzichtete er notgedrungen, ihm fehlte die Substanz.

Das war die Folge einer im vergangenen August erlittenen Sprunggelenksverletzung, die Operation und lange Rekonvaleszenz nach sich zog. Wer schon olympische Medaillen geholt hat, taugt nicht zum Mitläufer. Gerade nicht bei Titelkämpfen im eigenen Land. Greis wird hoffentlich nicht erst auf das Diktum des Bundestrainers warten, sondern mit sich selbst ins Gericht gehen, wenn er in den nächsten Tagen keinen Fortschritt spürt.

Und dann? Er ist bald 36. Er muss sich denselben existenziellen Fragen stellen wie der zwei Jahre jüngere Martin Schmitt, für den diese Saison gelaufen ist. Die permanenten Knieprobleme haben den einstigen Vorspringer während der Vierschanzentournee zum Verzicht auf weitere Wettkämpfe gezwungen, auch für die Skiflug-Weltmeisterschaft nächste Woche in Norwegen kehrt er nicht ins Team zurück.

Bundestrainer Werner Schuster hat das Aus verkündet. Schmitt selbst tut sich schwer mit klaren Worten, vor allem mit Aussagen zur Zukunft. Wird Schmitt überhaupt noch einmal von einer Schanze springen? „Langsam wird die Sache für alle nervenaufreibend. Wir werden uns darüber unterhalten, ob es Sinn macht, dass er sich für die restlichen Springen in dieser Saison noch quält“, sagt Schuster und er klingt, als wolle er mit Schmitt unter vier Augen nicht nur über die Zeit bis Ende März sprechen.

Einen Bonus für seine Verdienste um das deutsche Skispringen hat Schmitt nie gefordert - und auch nicht erhalten. Seit 1997 war er an jeder Mannschaftsmedaille bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Winterspielen beteiligt, weil er sich jeweils für das Quartett qualifizieren konnte. Nun wird er sportlich kaum mehr vermisst und hat seinen Platz unter den besten vier deutschen Skispringern wahrscheinlich dauerhaft verloren. „Er ist momentan definitiv nicht auf dem Stand wie die anderen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er eine Verstärkung sein könnte, ist daher sehr gering“, sagte Schuster über Schmitt.

Der Schwarzwälder hätte, genauso wie der Allgäuer Greis, einen Abgang mit Applaus verdient, also bei einem großen Wettbewerb, am besten noch in Deutschland. Doch vielleicht ist der richtige Zeitpunkt zumindest für Schmitt schon verpasst. Beim Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen verfehlte er das Finale und flog aus dem Team. Das könnte der ungewollte, traurige Schlusspunkt einer Erfolgskarriere gewesen sein.

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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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