Home
http://www.faz.net/-gtl-75nn7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Weltcup Deutsche Biathleten verpassen Podestplatz

Die deutsche Biathlon-Staffel schaffte es beim letzten Heimweltcup nicht auf das Podest. Zwar lag Schlussläufer Lesser auf Podiumskurs, musste dann aber die Konkurrenz vorbeiziehen lassen. Vor dem Damen-Sprint am Freitag gab es Einzelgespräche bei den Skijägerinnen.

© dpa Der deutsche Biathlet Arnd Peiffer in Ruhpolding.

Am letzten Anstieg hatte es Erik Lesser erwischt. Der Schlussläufer der deutschen Biathleten blieb in der entscheidenden Phase des Staffelrennens von Ruhpolding fast stehen, die Konkurrenz zog nahezu spielerisch an ihm vorbei und das deutsche Quartett mit Lesser sowie Simon Schempp, Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer ging mit Platz vier leer aus. „Die Erwartungshaltung an mich war riesig. Da will ich dann zu viel und mein ganzer Körper geht fest. Da ging bei mir gar nichts mehr“, kommentierte der erstmals als Schlussläufer eingesetzte Lesser nach dem Zieleinlauf enttäuscht.

Vor 11.000 Zuschauern hatte das deutsche Quartett nach 4 x 7,5 Kilometern 21 Sekunden Rückstand auf die siegreichen Franzosen. Zweiter wurde Norwegen vor Österreich. Dennoch zeigten die Vier am Donnerstagabend zwei Jahre nach dem letzten Staffelsieg mit nur drei Nachladern eine starke Leistung. „Kompliment an das Team. Wir haben gezeigt, dass wir mit der Weltspitze mithalten“, sagte Männer-Coach Mark Kirchner.

Auch Michael Greis zollte seinen einstigen Teamkollegen im vorletzten Staffel-Rennen vor der Weltmeisterschaft in Nove Mesto Respekt. „Eine starke Leistung. Das ist zwar schade, aber kein Beinbruch“, meinte der dreimalige Olympiasieger, der das Rennen als Experte für den Fernsehsender Eurosport kommentierte, und bei der WM im Vorjahr Garant für den Gewinn der Bronze-Medaille war.

Mehr zum Thema

Schempp startete verheißungsvoll ins Rennen. Obwohl er sich am Schießstand zwei Nachlader einhandelte und ein paar Sekunden einbüßte, machte er das in der Loipe wieder wett und schickte Birnbacher als Führenden ins Rennen. „Es war kein Wind, von daher waren das ein bisschen zu viele Fehler. Aber läuferisch lief es sehr gut“, sagte der Uhinger, der nach dem Zieleinlauf erleichtert ins Publikum winkte: „Vor den heimischen Fans will man es besonders gut machen. Das ist Motivation genug.“

Motiviert ging auch Birnbacher in seinem „Wohnzimmer“ ChiemgauArena in die Loipe. Hatte er zuletzt den Weltcup in Oberhof wegen einer leichten Grippe noch auslassen müssen, zeigte er, warum er der derzeit stärkste Deutsche ist. Er schoss fast fehlerfrei, einzig beim Liegendanschlag passierte ihm ein kleines Malheur. Er repetierte seine letzte Patrone unabsichtlich heraus und musste nachladen. „Das war aber kein Problem“, erzählte der Schlechinger, der dafür mit dem einsetzenden Schneefall haderte. Er hatte sich angesichts des zuvor herrschenden Nieselregens für einen Nassschnee-Ski entschieden, in dem Moment jedoch das falsche Material: „Da hat mein Ski wahnsinnig gebremst.“

Peiffer schoss auch nur einmal daneben und schickte Erik Lesser als Dritten in die Schlussrunde. Und der Sprint-Weltmeister von 2010 ahnte schon, was auf seinen Teamkollegen zukommt: „Ich möchte jetzt nicht in seiner Haut stecken.“

Denn Lesser, der erst seit diesem Winter fest im Weltcupkader ist, hatte mit Martin Fourcade (Frankreich) und dem Norweger Emil Hegle Svendsen im direkten Duell die schwerste Aufgabe des Abends vor sich. Zudem stürzte Lesser in der Anfahrt zum ersten Schießen. Doch das schockte ihn nicht, der Frankenhainer räumte alle fünf Scheiben ab. Beim finalen Showdown Mann gegen Mann zeigte er dann erneut keine Nerven und ging 0,5 Sekunden vor Fourcade vom Stand. Auf der Strecke konnte er dann jedoch nicht mithalten. „Das Schießen war bombastisch. Schade, dass es nicht gereicht hat.“

Bei den Skijägerinnen gab es vor dem Abschlusstraining für den Sprint-Wettkampf an diesem Freitag (18.15 Uhr/ARD und Eurosport) Einzelgespräche. „Wir haben alles sachlich analysiert“, sagte Bundestrainer Gerald Hönig am Tag nach Staffel-Platz vier hinter Norwegen, Russland und Tschechien. Im Kurzrennen will das Team wieder angreifen und es ähnlich gut machen wie zuletzt in Oberhof. Da hatte Miriam Gössner gewonnen und Andrea Henkel war auf Rang drei gelaufen. Erstmals wieder dabei nach gerade einmal sechsmonatiger Baby-Pause ist Kathrin Lang, geborene Hitzer.

Quelle: DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Leichtathletik-WM Double für Farah - Doppelsieg für Jamaika

Jamaika gewinnt beide Sprintstaffeln. Mo Farah ist nicht zu schlagen. Marie-Laurence Jungfleisch springt fast zwei Meter. Und der kleine Harting kann den großen nicht ersetzen. Mehr

29.08.2015, 16:47 Uhr | Sport
Tortenschlacht Japaner ganz vorne

In England hat bei einer Tortenschlacht-Weltmeisterschaft das japanische Team gewonnen. Die Japaner haben 17 andere Teams aus dem Rennen geworfen. Jedes Quartett hatte ein bestimmtes Outfit an. So war vom rosa Kleidchen bis zum Vogelkostüm viel kurioses zu sehen. Mehr

08.07.2015, 10:25 Uhr | Gesellschaft
100-Meter-Halbfinale Bolt fällt beinahe hin

Schreckmoment für Usain Bolt: der Jamaikaner strauchelt im ersten Halbfinale nach dem Start, holt dann aber auf. Deutlich souveräner läuft Justin Gatlin ins Finale. Mehr

23.08.2015, 13:42 Uhr | Sport
Vorgeschmack auf Olympia 2016 Sprint-Star Usain Bolt siegt souverän in Rio

Bolt gewinnt das 100-Meter-Rennen vor dem Amerikaner Ryan Bailey mit einer für ihn geradezu gemütlichen Zeit von 10,12 Sekunden. Ein leichtathletischer Vorgeschmack auf Olympia 2016 in Rio. Mehr

20.04.2015, 14:51 Uhr | Sport
Leichtathletik-WM 2015 Bolts Gänsehaut im Vogelnest

2008 begeisterte ein 21 Jahre alter Jamaikaner bei Olympia die Welt. Sieben Jahre später kehrt Usain Bolt zur WM nach Peking zurück – als Ikone. Dennoch ist die Frage nach dem besten Sprinter offen. Mehr Von Michael Reinsch, Peking

21.08.2015, 08:10 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 10.01.2013, 20:01 Uhr

Das Fressen und die Moral

Von Christoph Becker

Drei Tonnen Essen, die ein Caterer für das BMW-Team zum DTM-Rennen nach Russland bringen sollte, werden vernichtet. Weil Wladimir Putin es so will. Was für eine Verachtung gegenüber dem Leben. Mehr 53 24