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Wasalauf Der Lauf des Lebens

 ·  Blaubeersuppe als Zaubertrank: Wer ein richtiger Schwede ist, muss mindestens einmal am Wasalauf teilgenommen haben. 300.000 Skiläufer und Zuschauer machen jedes Jahr mit. Am Sonntag gewinnt ein Schwede in Streckenrekordzeit.

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© picture-alliance / dpa/dpaweb Vergrößern 90 Kilometer, fast 16.000 Teilnehmer: Der Wasalauf ist Jahr für Jahr ein Massenphänomen

Es müffelt im Klassenzimmer. In der Grundschule von Mora riecht es am Abend überall nach Schweiß und nasser Kleidung. Hunderte Freizeitsportler müssen improvisieren. In Mora, in der Mitte von Schweden gelegen, am Zielort des Wasalaufs gibt es kaum Hotels. Um die angereisten Langläufer trotzdem unterbringen zu können, sind die meisten öffentlichen Gebäude für zehn Tage geräumt worden. In der Grundschule kostet die Nacht pro Person 20 Euro. Auf Luftmatratzen und Isomatten liegen Wildfremde nebeneinander.

Gemeinsam der Tradition verpflichtet. „Als Schwede sollte man zumindest einmal im Leben den Wasalauf bestreiten“, sagt die 20 Jahre alte Sophia Pärsson und zieht den Reißverschluss ihres Schlafsacks zu. „Es machen zwar auch ein paar tausend Ausländer mit.“ In diesem Jahr zum Beispiel auch die zum Medienstar aufgestiegene Schwägerin von Prince William, Pippa Middleton. „Aber im Grunde ist es eine nationale Angelegenheit.“

Seit 1922 findet der Lauf statt, der an den Freiheitskämpfer und späteren schwedischen König Gustav Vasa erinnern soll. Es ist Schwedens größtes Sportereignis. Ein Volksfest. Etwa 300.000 Skilangläufer und Zuschauer zieht es jedes Jahr in die abgeschiedene Waldregion am Siljansee, wo noch Elche und Bären leben. Zwischen den Kleinstädten Sälen und Mora gilt es 90 Kilometer auf perfekt präparierten Loipen zu absolvieren.

„Unsere Nation ist langlaufverrückt“, sagt Jonas Bauer vom Skiclub Mora, der mit 25 festangestellten Mitarbeitern den Wasalauf organisiert. „Hier ist das Wimbledon des Langlaufs. Mit dem Unterschied, dass jeder dabei sein kann. Profis und Amateure.“ Weil aber nicht alle einen der knapp 16.000 Startplätze für das Hauptrennen bekommen können, werden bereits seit neun Tagen Wettbewerbe ausgetragen.

Der große Sieger am Sonntag hieß - zum dritten Mal in Folge - Jörgen Brink. Der Siebenunddreißigjährige gewann diesmal in Streckenrekordzeit. Für die 90 Kilometer benötigt er 3 Stunden 38 Minuten und 41 Sekunden. Er verwies seinen Landsmann Daniel Tynell und Stanislav Rezac aus Tschechien auf die Plätze. Bei den Frauen gewann Staffel-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Vibeke Skofterud als erste Norwegerin den Wasalauf.

„Gut für Hirn und Körper“

Vor der Grundschule in Mora geht es um vier Uhr morgens los. Pendelbusse bringen die Teilnehmer zum Start nach Sälen. Dort ist es windig und kalt. Minus 15 Grad. Auf dem schneebedeckten Boden haben die Veranstalter Lagerfeuer entzündet, an denen sich die Läufer versammeln. Gunnar Sundblad, 82 Jahre alt, trägt einen alten Wintermantel, zum 50. Mal ist er beim Wasalauf dabei. „Das Rennen ist gut für das Hirn und für den Körper. In zehn Stunden will ich im Ziel sein“, sagt er und macht sich dann mit Tausenden Langläufern auf die Strecke. Schon nach wenigen Metern wird es eng.

Der erste Anstieg gleicht einem Nadelöhr. Es kommt zum Superstau. Bis zu einer Stunde Wartezeit müssen die Letzten hier einkalkulieren, bis sie richtig loslaufen können. Nur der klassische Stil ist erlaubt. Der Schlittschuhschritt, das Skaten, ist verboten. Im Morgengrauen geht es durch Wälder, vorbei an einsamen Bauernhöfen und durch kleine Dörfer. „Es ist schon brutal anstrengend“, sagt Pius Nilsson.

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