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Vierschanzentournee Späths großer Sprung, Schmitts kleine Schritte

"Sensationell", lobte sich Georg Späth nach seinem dritten Platz beim Neujahrsspringen, während Hannawald und Schmitt immer noch mit ihrer Form hadern. Sigurd Pettersen baute mit seinem Sieg die Führung in der Gesamtwertung aus.

© AP Vergrößern Flog auf Platz drei: Georg Späth

Die deutschen Skispringer werden gemessen an den früheren Erfolgen von Martin Schmitt und Sven Hannawald; aber man darf nicht nur auf deren aktuelle Plazierungen schauen, sondern muß auch auf die anderen, noch weniger vertrauten und klangvollen Namen achten: auf den 22 Jahre alten Georg Späth zum Beispiel, mit 1,87 Metern der längste im deutschen Aufgebot.

Auf Rang drei (120,5 und 118,5 Meter) landete der Oberstdorfer beim Neujahrsspringen der 52. Vierschanzentournee als bester Deutscher vor Michael Uhrmann (Platz sieben), Hannawald (Rang neun), Maximilian Mechler (Zwölfter) und Schmitt (Platz 22). "Sensationell", lobte sich Späth, der nach der ersten Runde Zweiter gewesen war. "Ich war schon nervös, der zweite Sprung war eine Herausforderung. Ich habe einfach versucht, nicht groß nachzudenken und einen normalen Sprung zu machen."

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Pettersen auf dem Weg zum Gesamtsieg

Er feierte seine bislang beste Weltcupplazierung, erstmals gehörte er zum Trio auf dem Siegerpodest. "Für ihn und für mich war das keine Sensation mehr", sagte Bundestrainer Wolfgang Steiert. "Georg hat unheimlich an Selbstvertrauen gewonnen, es hat ja nicht mal mehr viel gefehlt zum ersten Platz."

bfb garmisch sigurd © REUTERS Vergrößern Zweiter Sieg im zweiten Springen: Der Norweger Sigurd Pettersen baut die Führung in der Gesamtwertung aus

Der Sieg vor über 30.000 Zuschauern ging, wie zum Tourneeauftakt vor drei Tagen in Oberstdorf, wieder an den 23 Jahre alten Norweger Sigurd Pettersen (123 und 120,5 Meter), der damit auf dem geraden Weg zum Gesamtsieg zu sein scheint. Seine über Trainings- und Wettkampftage hinweg stabile Form sorgt inzwischen schon für Spekulationen, Pettersen könnte - nach Hannawald im Jahr 2002 - der zweite "Grand-Slam-Gewinner" der Tournee werden, also mit vier Tageserfolgen triumphieren. Am Donnerstag war der Vorsprung vor dem Österreicher Martin Höllwarth (118,5 und 121 Meter) aber nur noch sehr knapp: 0,7 Punkte, umgerechnet weniger als ein halber Meter. Die Frage lautet, ob Pettersen den Streß bis zum Ende durchhält oder ob die Kraft schwindet? Denn im Sommer fiel er nach einer Schulteroperation fast ein Vierteljahr lang aus, ihm fehlt Training und vielleicht auch die Substanz, um den erfahrenen, 29 Jahre alten Höllwarth dauerhaft auf Distanz halten zu können. Späth (in Oberstdorf Siebter) und Uhrmann (Vierter) liegen in der Gesamtwertung als Dritter und Vierter ebenfalls aussichtsreich.

Steierts Sorgenfall bleibt Schmitt

Nach einer mißratenen Weltmeisterschaftssaison, einem mäßigen Einstieg in diesen Winter sowie einem durchwachsenen Auftakt dieser Tournee hat sich das Team des Deutschen Skiverbandes am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen berappelt. "Die Truppe hat wacker gekämpft und voll angegriffen", sagte Bundestrainer Steiert. "Es sind so viele Namen, da weiß ich fast schon nicht mehr, wer alles vorne mit dabei ist", flachste er. "Ich kann eigentlich niemanden herausstellen. Es stimmt bei uns. Auch das, was Hannawald nach den Schwierigkeiten der letzten Tage abgeliefert hat, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden." Steierts Sorgenfall bleibt allerdings Schmitt, der diesmal von Rang 15 im Finale noch um sieben Plätze (114,5 und 108 Meter) abrutschte. Ihm fehlen zur Spitze jeweils rund fünf bis zehn Meter.

Die Leistungen Schmitts, aber auch Hannawalds, haben seit Oberstdorf verstärkt die Biomechaniker um Horst Mroß beschäftigt. Weil Athleten und Trainer sich keinen rechten Reim mehr auf die Situation machen konnten, waren die Wissenschaftler aus Leipzig gefragt; subjektiv hatten die Athleten ihre Sprünge nicht als besonders schlecht erlebt, aber die Weiten fehlten. Die Videoanalysen haben ergeben, daß die wichtigsten Parameter bei der Luftfahrt - Anstellwinkel der Ski, Winkel zwischen Unterkörper und Ski sowie zwischen Oberkörper und Flugbahn - von den Idealwerten ein Stück entfernt sind.

Hannawalds Selbstkritik: „Fast alles geht in die Hose“

Schmitt meinte an Neujahr: "Für mich war es heute wieder ein kleiner Schritt. Es sind verschiedene Dinge, warum es bei mir nicht stimmt. Ich habe allgemeine Probleme und muß weiter an mir arbeiten." Hannawald, dessen Abweichungen vom technischen Leitbild Trainer Steiert mit "vier bis fünf Grad" angab, war am Ende versöhnt mit Partenkirchen. Die Schanze, die älteste bei der Vierschanzentournee, gilt unter den Deutschen als eckig, schwierig, unattraktiv. "Ein absolut reelles Springen. Es war ein schöner Tag, auch wenn ich nicht hundertprozentig meine Leistung bringen konnte", sagte Hannawald (114,5 und 116 Meter). "Ich hoffe, daß ich in Innsbruck und Bischofshofen in meinen Ablauf reinfinde, das ist mir bislang nicht gelungen." Derzeit müsse er viel zu sehr kämpfen und arbeiten, um das Springen genießen zu können: "Der Spaß fehlt ein bißchen."

Nach dem ersten Durchgang hatte Hannawald sogar noch geklagt, die Fragezeichen würden von Sprung zu Sprung größer. "Fast alles geht jetzt in die Hose." Bei dieser unangemessen scharfen Selbstkritik spielte wohl die Erinnerung an das Training am Silvestertag mit. Im Schneeregen war Hannawald schwach gesprungen und entnervt zurück ins Mannschaftshotel gefahren. "Martin und Sven sind sehr mit sich selber beschäftigt und lassen ihre Probleme nicht so raus", sagte Aufsteiger Späth. "Das machen sie mit sich selber aus oder mit Wolfgang Steiert."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung

 
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