Home
http://www.faz.net/-gu7-75jy8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Vierschanzentournee Schlierenzauer springt den Sieg nach Hause

Im strömenden Regen von Bischofshofen behält Gregor Schlierenzauer die Nerven und gewinnt wie im Vorjahr die Vierschanzentournee. Ein Fiasko erlebt indes Severin Freund. Die Deutschen sind für einen großen Coup noch nicht reif.

© AFP Vergrößern „Das ist ein phänomenales Gefühl“: Gregor Schlierenzauer triumphiert beim Heimspiel

Es war spannend bis zum Schluss, doch Gregor Schlierenzauer hat auch im strömenden Regen von Bischofshofen einmal mehr die Nerven behalten: Der Österreicher holte beim Abschlussspringen der Vierschanzentournee mit Sprüngen auf 133 und 137,5 Meter seinen 45. Weltcupsieg und verwies damit den Norweger Anders Jacobsen sowohl in der Tages- als auch der Gesamtwertung auf den zweiten Platz. „Das ist ein phänomenales Gefühl“, kommentierte der Wiederholungstäter seinen Erfolg, den fast 20.000 Zuschauer an der Paul-Ausserleitner-Schanze frenetisch mit ihm feierten.

Marc Heinrich Folgen:  

„Unter extremem Druck reifen Diamanten. Dieser Sieg ist unglaublich und kaum zu fassen. Es wird noch dauern, bis ich begriffen habe, dass ich die Tournee zum zweiten Mal gewonnen habe“, sagte der Tiroler am Vorabend seines 23. Geburtstages. Neben einer weiteren großen Glas-Trophäe für seinen ohnehin prall gefüllten Pokal-Schrank brachte ihm die Glanztat 20.000 Franken und einen Geländewagen als Siegprämie ein.

Mehr zum Thema

Bester Deutscher in der Endabrechnung wurde Michael Neumayer aus Berchtesgaden auf Rang sechs: Der Dreiundreißigjährige landete mit 132 und 128,5 Metern im abschließenden Wettbewerb auf dem achten Platz. Deutlich schlechter lief es für den vor Wochenfrist noch so hoch gehandelten Severin Freund. Der Bayer, in diesem Winter immerhin schon Weltcup-Führender, hatte den Finaldurchgang verpasst - und damit die Chancen verspielt, wie vom Deutschen Skiverband erhofft, auf dem Podium zu stehen; er rutschte auf den 13. Platz ab.

„Das ist sehr bitter, wenn sich die Sache erledigt hat, bevor der Wettkampf beendet ist“, beschrieb Freund seine Gefühle. „Ich habe nicht gedacht, dass mir solch ein Fehler unterläuft. Jetzt muss ich wieder aufstehen und die richtigen Lehren daraus ziehen. So ist der Leistungssport“, sagte Freund. Auch Bundestrainer Werner Schuster haderte mit dem Auftritt seines bis dahin beständigsten Profis: „Severin wollte es erzwingen, er war unlocker. Das ist ziemlich schade für ihn. Er muss noch stabiler werden, damit ihm so etwas nicht wieder passiert.“

Bei Landung Sieg: Gregor Schlierenzauer gewinnt die Vierschanzentournee Bei Landung Sieg: Gregor Schlierenzauer gewinnt die Vierschanzentournee © dpa Bilderstrecke 

Unter dem Strich blieben so der erste deutsche Tournee-Podestplatz seit vier Jahren durch Freunds dritten Rang in Oberstdorf und die Erkenntnis, dass die DSV-Springer für einen großen Coup noch nicht reif sind. „Die Tournee ist in der absoluten Spitze an uns vorbeigelaufen. Von der mannschaftlichen Präsenz her sind aber wir so gut wie schon lange nicht mehr“, sagte Schuster.

Auf der vereisten Anlaufspur in Bischofshofen hatten Wasserpfützen immer wieder die Sportler ausgebremst, so dass vielen von ihnen das „richtige Timing beim Absprung“ abhanden kam, wie Freund schilderte. Er gratulierte Schlierenzauer zu seinem Triumph: „Er hat sich in keinem Springen eine Blöße gegeben, war beständiger als ich und ist auch mit der Konkurrenzsituation durch Anders Jacobsen bestens zurecht gekommen“.

„Für mich ist die Tournee sehr positiv gelaufen“

Andreas Wellinger (Ruhpolding) verpasste eine Überraschung. Ihm gelang zwar in der ersten Runde mit 133,5 Metern ein spektakulär weiter Satz, doch kurz nach der Landung, als er schon zum Jubeln ansetzen wollte, geriet er mit dem rechten Ski an einer Delle im Schnee aus dem Tritt und fiel zu Boden. „Ich weiß gar nicht, warum ich gestürzt bin. Das ist zwar schade, aber ich bin trotzdem zufrieden. Meine Zeiten werden kommen“, sagte der 17 Jahre alte Teenager. Bei seinem Tournee-Premiere erreichte er einen für ihn bemerkenswerten neunten Platz.

Direkt dahinter landete der wiedererstarkte Martin Schmitt. „Für mich ist die Tournee sehr positiv gelaufen. Es ist toll, dass ich nach Österreich weiterfahren und mich noch steigern konnte“, sagt der Routinier, der nun mit einem Startplatz bei der Weltmeisterschaft in Val die Fiemme in sechs Wochen rechnen kann.

Ergebnisse der Vierschanzentournee

Das vierte Springen im Überblick:

1. Gregor Schlierenzauer (Österreich) 272,7 Pkt. (133,0/137,5 m)
2. Anders Jacobsen (Norwegen) 270,4 (131,5/139,0)
3. Stefan Kraft (Österreich) 261,3 (131,0/131,0)
4. Kamil Stoch (Polen) 260,2 (131,0/131,5)
5. Anders Bardal (Norwegen) 257,3 (130,0/130,0)
6. Thomas Morgenstern (Österreich) 253,7 (132,0/127,0)
7. Dmitri Wassiljew (Russland) 252,9 (132,0/130,5)
8. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 251,5 (132,0/128,5)
9. Tom Hilde (Norwegen) 250,9 (126,5/131,0)
10. Maciej Kot (Polen) 250,8 (132,0/126,0)

...12. Richard Freitag (Aue) 248,1 (130,0/125,0)
19. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 243,2 (133,5/130,0)
21. Andreas Wank (Oberhof) 242,2 (124,5/129,5)
24. Martin Schmitt (Furtwangen) 239,8 (127,0/126,0)
33. Severin Freund (Rastbüchl) 118,0 (126,0)

Gesamtstand nach dem vierten Springen:

1. Gregor Schlierenzauer (Österreich) 1100,2 Pkt.
2. Anders Jacobsen (Norwegen) 1087,2
3. Tom Hilde (Norwegen) 1029,2
4. Kamil Stoch (Polen) 1027,2
5. Anders Bardal (Norwegen) 1026,8
6. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 996,7
7. Dmitri Wassiljew (Russland) 994,8
8. Peter Prevc (Slowenien) 989,9
9. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 988,7
10. Martin Schmitt (Furtwangen) 980,8
11. Richard Freitag (Aue) 979,6;

...13. Severin Freund (Rastbüchl) 895,1
26. Andreas Wank (Oberhof) 726,5
38. Danny Queck (Lauscha) 502,5;
39. Maximilian Mechler (Isny) 496,8
52. Felix Schoft (Partenkirchen) 222,6
59. Karl Geiger (Oberstdorf)

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
SV Darmstadt 98 Der Zuarbeiter und die Arbeitsbiene

Dieses Duo hat sich gesucht und gefunden: Dominik Stroh-Engel und Marco Sailer beflügeln das Spiel von Darmstadt 98. Für den Trainer sind sie das Sturmgespann des Vertrauens. Da geht es mitunter wie bei Eheleuten zu. Mehr Von Alex Westhoff, Darmstadt

17.10.2014, 08:04 Uhr | Rhein-Main
’Quantum of the Seas’ auf dem Weg in die Nordsee

348 Meter lang, 41 Meter breit und Platz für über 4000 Passagiere - die Quantum of the Seas hat einige Superlative zu bieten. Klar, dass auch in der Nacht auf Dienstag viele Menschen an die Ems kamen, um die Überführung des Kreuzfahrtschiffes zu verfolgen. Mehr

23.09.2014, 10:06 Uhr | Gesellschaft
Früherer Weitsprung-Europameister Reif beendet überraschend seine Karriere

Die deutsche Leichtathletik muss bei der WM 2015 in Peking und bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro auf einen Top-Weitspringer verzichten: Christian Reif macht überraschend Schluss mit dem Leistungssport. Mehr

21.10.2014, 19:58 Uhr | Sport
Fashion Week zieht von New York nach London

Die Fashion Week ging in New York unter anderem mit Schauen von Calvin Klein, Ralph Lauren und Marc Jacobs zu Ende. Gezeigt wurde die Mode für Frühjahr/Sommer 2015. Mehr

13.09.2014, 08:50 Uhr | Stil
Roma-Kapitän Totti Das letzte Denkmal

Seit mehr als 20 Jahren gibt Francesco Totti beim AS Rom den Takt vor – auch am Dienstag (20.45 Uhr) gegen Bayern in der Champions League. Seine Treue zu dem Traditionsklub bezeichnet er als eine Mischung aus Faulheit und Liebe. Mehr Von Julius Müller-Meiningen, Rom

21.10.2014, 08:51 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.01.2013, 18:35 Uhr

Bitte streiten

Von Christoph Becker

Gut, dass die Bremer ihre Idee umsetzen, außergewöhnliche Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen künftig der DFL in Rechnung zu stellen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung ist das Beste, was in dieser Sache passieren kann. Mehr 36 24

Ergebnisse, Tabellen und Statistik