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Vierschanzentournee Schlierenzauer springt den Sieg nach Hause

Im strömenden Regen von Bischofshofen behält Gregor Schlierenzauer die Nerven und gewinnt wie im Vorjahr die Vierschanzentournee. Ein Fiasko erlebt indes Severin Freund. Die Deutschen sind für einen großen Coup noch nicht reif.

© AFP Vergrößern „Das ist ein phänomenales Gefühl“: Gregor Schlierenzauer triumphiert beim Heimspiel

Es war spannend bis zum Schluss, doch Gregor Schlierenzauer hat auch im strömenden Regen von Bischofshofen einmal mehr die Nerven behalten: Der Österreicher holte beim Abschlussspringen der Vierschanzentournee mit Sprüngen auf 133 und 137,5 Meter seinen 45. Weltcupsieg und verwies damit den Norweger Anders Jacobsen sowohl in der Tages- als auch der Gesamtwertung auf den zweiten Platz. „Das ist ein phänomenales Gefühl“, kommentierte der Wiederholungstäter seinen Erfolg, den fast 20.000 Zuschauer an der Paul-Ausserleitner-Schanze frenetisch mit ihm feierten.

Marc Heinrich Folgen:  

„Unter extremem Druck reifen Diamanten. Dieser Sieg ist unglaublich und kaum zu fassen. Es wird noch dauern, bis ich begriffen habe, dass ich die Tournee zum zweiten Mal gewonnen habe“, sagte der Tiroler am Vorabend seines 23. Geburtstages. Neben einer weiteren großen Glas-Trophäe für seinen ohnehin prall gefüllten Pokal-Schrank brachte ihm die Glanztat 20.000 Franken und einen Geländewagen als Siegprämie ein.

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Bester Deutscher in der Endabrechnung wurde Michael Neumayer aus Berchtesgaden auf Rang sechs: Der Dreiundreißigjährige landete mit 132 und 128,5 Metern im abschließenden Wettbewerb auf dem achten Platz. Deutlich schlechter lief es für den vor Wochenfrist noch so hoch gehandelten Severin Freund. Der Bayer, in diesem Winter immerhin schon Weltcup-Führender, hatte den Finaldurchgang verpasst - und damit die Chancen verspielt, wie vom Deutschen Skiverband erhofft, auf dem Podium zu stehen; er rutschte auf den 13. Platz ab.

„Das ist sehr bitter, wenn sich die Sache erledigt hat, bevor der Wettkampf beendet ist“, beschrieb Freund seine Gefühle. „Ich habe nicht gedacht, dass mir solch ein Fehler unterläuft. Jetzt muss ich wieder aufstehen und die richtigen Lehren daraus ziehen. So ist der Leistungssport“, sagte Freund. Auch Bundestrainer Werner Schuster haderte mit dem Auftritt seines bis dahin beständigsten Profis: „Severin wollte es erzwingen, er war unlocker. Das ist ziemlich schade für ihn. Er muss noch stabiler werden, damit ihm so etwas nicht wieder passiert.“

Bei Landung Sieg: Gregor Schlierenzauer gewinnt die Vierschanzentournee Bei Landung Sieg: Gregor Schlierenzauer gewinnt die Vierschanzentournee © dpa Bilderstrecke 

Unter dem Strich blieben so der erste deutsche Tournee-Podestplatz seit vier Jahren durch Freunds dritten Rang in Oberstdorf und die Erkenntnis, dass die DSV-Springer für einen großen Coup noch nicht reif sind. „Die Tournee ist in der absoluten Spitze an uns vorbeigelaufen. Von der mannschaftlichen Präsenz her sind aber wir so gut wie schon lange nicht mehr“, sagte Schuster.

Auf der vereisten Anlaufspur in Bischofshofen hatten Wasserpfützen immer wieder die Sportler ausgebremst, so dass vielen von ihnen das „richtige Timing beim Absprung“ abhanden kam, wie Freund schilderte. Er gratulierte Schlierenzauer zu seinem Triumph: „Er hat sich in keinem Springen eine Blöße gegeben, war beständiger als ich und ist auch mit der Konkurrenzsituation durch Anders Jacobsen bestens zurecht gekommen“.

„Für mich ist die Tournee sehr positiv gelaufen“

Andreas Wellinger (Ruhpolding) verpasste eine Überraschung. Ihm gelang zwar in der ersten Runde mit 133,5 Metern ein spektakulär weiter Satz, doch kurz nach der Landung, als er schon zum Jubeln ansetzen wollte, geriet er mit dem rechten Ski an einer Delle im Schnee aus dem Tritt und fiel zu Boden. „Ich weiß gar nicht, warum ich gestürzt bin. Das ist zwar schade, aber ich bin trotzdem zufrieden. Meine Zeiten werden kommen“, sagte der 17 Jahre alte Teenager. Bei seinem Tournee-Premiere erreichte er einen für ihn bemerkenswerten neunten Platz.

Direkt dahinter landete der wiedererstarkte Martin Schmitt. „Für mich ist die Tournee sehr positiv gelaufen. Es ist toll, dass ich nach Österreich weiterfahren und mich noch steigern konnte“, sagt der Routinier, der nun mit einem Startplatz bei der Weltmeisterschaft in Val die Fiemme in sechs Wochen rechnen kann.

Ergebnisse der Vierschanzentournee

Das vierte Springen im Überblick:

1. Gregor Schlierenzauer (Österreich) 272,7 Pkt. (133,0/137,5 m)
2. Anders Jacobsen (Norwegen) 270,4 (131,5/139,0)
3. Stefan Kraft (Österreich) 261,3 (131,0/131,0)
4. Kamil Stoch (Polen) 260,2 (131,0/131,5)
5. Anders Bardal (Norwegen) 257,3 (130,0/130,0)
6. Thomas Morgenstern (Österreich) 253,7 (132,0/127,0)
7. Dmitri Wassiljew (Russland) 252,9 (132,0/130,5)
8. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 251,5 (132,0/128,5)
9. Tom Hilde (Norwegen) 250,9 (126,5/131,0)
10. Maciej Kot (Polen) 250,8 (132,0/126,0)

...12. Richard Freitag (Aue) 248,1 (130,0/125,0)
19. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 243,2 (133,5/130,0)
21. Andreas Wank (Oberhof) 242,2 (124,5/129,5)
24. Martin Schmitt (Furtwangen) 239,8 (127,0/126,0)
33. Severin Freund (Rastbüchl) 118,0 (126,0)

Gesamtstand nach dem vierten Springen:

1. Gregor Schlierenzauer (Österreich) 1100,2 Pkt.
2. Anders Jacobsen (Norwegen) 1087,2
3. Tom Hilde (Norwegen) 1029,2
4. Kamil Stoch (Polen) 1027,2
5. Anders Bardal (Norwegen) 1026,8
6. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 996,7
7. Dmitri Wassiljew (Russland) 994,8
8. Peter Prevc (Slowenien) 989,9
9. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 988,7
10. Martin Schmitt (Furtwangen) 980,8
11. Richard Freitag (Aue) 979,6;

...13. Severin Freund (Rastbüchl) 895,1
26. Andreas Wank (Oberhof) 726,5
38. Danny Queck (Lauscha) 502,5;
39. Maximilian Mechler (Isny) 496,8
52. Felix Schoft (Partenkirchen) 222,6
59. Karl Geiger (Oberstdorf)

Quelle: F.A.Z.

 
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