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Vierschanzentournee Schlierenzauer breitet die Flügel aus

Bei der Vierschanzentournee hat der Österreicher mit dem Sieg in Innsbruck den Norweger Jacobsen von der Spitze verdrängt. Severin Freund verpasst seinen zweiten Podestplatz um einen Punkt - er landet auf Platz vier.

© dpa Vergrößern Wieder Herr der Lüfte: Gregor Schlierenzauer steht vor einem weiteren Tourneesieg

Zuhause ist es eben doch oft am schönsten: Im dritten Anlauf hat sich Gregor Schlierenzauer zum ersten Mal bei der Vierschanzentournee ganz nach vorne geschoben. Der Titelverteidiger und Publikumsliebling in Österreich gewann am Freitag überlegen das Springen in Innsbruck mit Weiten von 131,5 sowie 123 Metern. Zweiter wurde der Pole Kamil Stoch (124,5/123,0) vor dem Norweger Anders Bardal (125,0/120,0). Der beste deutsche Teilnehmer, Severin Freund, verpasste seinen zweiten Podestplatz um einem Punkt: Der Münchner sprang mit 125 und 120,5 Meter auf den vierten Rang.

Schlierenzauer löste mit dem von seinen Landsleuten trotz strömenden Regens frenetisch bejubelten Erfolg Anders Jacobsen als Gesamtführenden ab. Der Norweger verspielte mit seinem siebten Platz die Chance auf den ersten Vierfach-Triumph der Tourneehistorie nach Sven Hannawalds Coup vor elf Jahren.

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„Ein phantastisches Gefühl“, kommentierte Schlierenzauer den 44. Weltcupsieg seiner Karriere, „es war ein perfekter Adrenalin-Kick.“ Nebel, Tauwetter und jede Menge Wasser in der Anlaufspur konnten ihn bei seinem Angriff auf die Spitze nicht bremsen. Ganz im Gegenteil, der Zweiundzwanzigjährige behielt den Durchblick und meisterte die schwierigen Bedingungen so gut wie keiner der Mitbewerber.

„Als Tiroler ist man so ein Wetter ja schon mal gewohnt“, sagte Schlierenzauer lächelnd und läutete das nun anstehende Wochenende der Entscheidung mit einer Kampfansage an die Konkurrenz ein: „Ich bin mir sicher, dass es noch besser geht.“ In Bischofshofen geht die Tournee an diesem Sonntag zu Ende, und Schlierenzauer fühlt sich vor dem Schlussspurt der vierteiligen Serie bestens gewappnet: „Ich bin bereit. Und wenn mich die Zuschauer wieder so pushen, ist alles möglich.“

Four Hills ski jumping tournament in Innsbruck © dpa Vergrößern Enttäuschung am Bergisel: Anders Jacobsen gibt die Führung ab

Für ihn, der in Innsbruck mit Heimvorteil startete, gab es nach seiner Demonstration der Stärke viele Lobesworte - auch vom Gegner. „Hut ab, vor diesem Auftritt“, sagte Alexander Stöckl, der Coach der Norweger, „das war beeindruckend, wie er mit dem Druck klar gekommen ist.“ Der österreichische Nationaltrainer Alexander Pointner kommentierte die überzeugende Darbietung, die nun einen fünften Sieg seiner Auswahl bei der Tournee in Folge möglich macht, ähnlich: „Gregor hat gezeigt, wie reif er ist.“

Pointner hatte seinem Vorzeige-Athleten gestattet, vor dem Wettkampf zuhause zu schlafen. Schon bei der Qualifikation, bei der er zum dritten Mal in Folge das beste Resultat erzielt hatte, deutete sich danach an, dass der im zwanzig Kilometer entfernten Ort Fulpmes aufgewachsene Schlierenzauer auf dem Bergisel hellwach zur Sache gehen und seine Qualitäten würde ausspielen können. „Von dort sieht er ins Stubaital, wo er wohnt, dort holt er sich im Training den Feinschliff“, sagte Pointner.

„Ich weiß, dass ich mein Paket beisammen habe“

Den Sommer über hatte Schlierenzauer mehr als zweihundert Sprünge von der Olympiaanlage absolviert, deren Eigenheiten er wie kaum ein Zweiter verinnerlicht hat. „Wenn man zu seiner Heimschanze kommt, ist das immer etwas Besonderes. Und wenn man weiß, dass die Fans hinter einem stehen, ist das genial. Es war heute Gänsehaut pur“, sagte er nach seinem umjubelten Auftritt vor mehr als 22.000 Zuschauern.

Dabei profitierte er auch von einer Entscheidung Pointners, der im ersten Durchgang angesichts der günstigen Windverhältnisse entschied, den Anlauf um eine Luke verkürzen zu lassen - was Schlierenzauer einen Punktebonus bescherte. Er holte auch dank seiner perfekten Landung einen Rückstand von elf Zählern auf Jacobsen auf; und ließ im Finale den weitesten Satz des Tages folgen, der ihm einen Vorsprung von zehn Punkten vor seinem ärgsten Rivalen bescherte. „Ich weiß, dass ich mein Paket beisammen habe. Jetzt gilt es, die Topleistung noch einmal abzurufen“, sagte Schlierenzauer, „ich vertraue auf meine Power, will Jacobsen mit meinen Waffen schlagen.“

Vierschanzentournee Innsbruck © dpa Vergrößern Auf dem Weg zum Podium: Severin Freund wird in Innsbruck Vierter

Der 27 Jahre alte Norweger, der in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen das entscheidende Quäntchen Glück mehr auf seiner Seite hatte, reagierte enttäuscht über sein Abschneiden. Wütend stampfte er nach seinem siebten Platz im Ziel mit den Ski in den völlig aufgeweichten Kunstschnee, zeigte sich nach einem Augenblick der Besinnung aber als fairer Verlierer: „Das war schlecht von mir. Ich war angespannt. Der Bessere hat heute gewonnen.“

Und die deutschen Starter? Bei ihnen überwog die Zufriedenheit, den Abwärtstrend gestoppt zu haben. „Ich muss den Hut ziehen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. „Das war toll von Severin Freund, er hat super gearbeitet und nie den Kopf hängen lassen.“ Der erhoffte Podestplatz in der Endabrechnung sei so machbar, „dieses Ergebnis kam zur rechten Zeit, um noch mal richtig in die Spur zu finden“.

„Wir sind vor dem Finale gut aufgestellt“

Lediglich 1,2 Punkte trennen Freund vom Gesamt-Dritten Tom Hilde aus Norwegen. Richard Freitag (Aue) als Elfter, Martin Schmitt (Furtwangen) auf Rang zwölf und Michael Neumayer (Berchtegaden) als Dreizehnter rundeten ein Bild ab, das viel freundlicher aussah als noch am Neujahrsabend. Andreas Wellinger aus Ruhpolding wurde 21., rückte in der Gesamtwertung aber als zweitbester Deutscher auf Platz sieben vor.

„Wir sind vor dem Finale gut aufgestellt“, sagte der Österreicher Schuster, der am Freitag auch über den „Materialkrieg“ bei den besten Nationen im Skispringen klagte - und den von ihm als Teenager entdeckten Schlierenzauer im Showdown um den Titel nun eindeutig im Vorteil sieht: „Das Momentum ist definitiv auf seiner Seite.“

Quelle: F.A.Z.

 
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