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Vierschanzentournee Küttel siegt als Kurzarbeiter, Schmitt ausgebremst

 ·  Der Schweizer Andreas Küttel hat das „halbe“ Neujahrsskispringen in Garmisch-Partenkirchen gewonnen. In der Tournee-Gesamtwertung führt der Österreicher Gregor Schlierenzauer. Martin Schmitt auf Rang acht und Michael Uhrmann als Neunter sorgten für Hoffnung im deutschen Team.

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Einen Zweifel wollte er erst gar nicht erst aufkommen lassen: „Ich hätte auch noch einen zweiten runtergehauen“, sagte Andreas Küttel und wollte sich dabei ausschütten vor Lachen. Er war in Wartestellung und bereit, seinen Vorsprung aus dem ersten Durchgang des Neujahrsspringens in Garmisch-Partenkirchen zu verteidigen, als den Schweizer die Botschaft erreichte: „Du bist der Sieger.“ Regen und Wind hatten ihm zu vorzeitigem Jubel verholfen.

So hässlich, wie er sich nur gebärden kann, hatte der Winter im Werdenfelser Land die Athleten zum neuen Jahr begrüßt. Er ließ gerade nur zu, dass die Anlaufspur der Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen fünfzig Springer ertrug, ehe sie buckelte und drohte, die Athleten aus der Bahn zu werfen. Küttel hatten Rippen und Rillen nichts anhaben können. Mit einem Sprung auf 125,5 Meter festigte er seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee und rückte dem Sieger vom Auftaktspringen in Oberstdorf, dem erst 16-jährigen Neuling im Weltcup, Gregor Schlierenzauer, näher. Der Österreicher wurde in Garmisch-Partenkirchen Vierter in dem reduzierten Wettbewerb. Zum vierten Mal in der Geschichte der Tournee wurde ein Springen in nur einem Durchgang entschieden - und Athleten, Verantwortliche und Zuschauer bekamen wieder einmal die Unberechenbarkeit der Freiluftsportart vor Augen geführt.

In der Weltelite zurückgemeldet

Der zweite Platz des Finnen Matti Hautamäki (125 Meter) ist nicht gerade als Erfolg eines Außenseiters zu werten, doch schon auf Platz drei wurde einer getragen, der es selbst kaum glauben wollte. Noriaki Kasai aus Japan flog mit Windes Hilfe 128 Meter, weiter als alle anderen an diesem Tag, landete mit beiden Beinen gleichzeitig, und schlug ungläubig und lachend die Hände vor's Gesicht. „I like Garmisch-Partenkirchen“ gab er strahlend von sich.

Des einen Freud ist in solchen Fällen des anderen Leid: Auf Rang acht (122 Meter) fand sich der beste Deutsche wieder. Was noch vor wenigen Wochen Zufriedenheit ausgelöst hätte, wurde nun schon mit leichter Enttäuschung quittiert. Denn der Schwarzwälder Martin Schmitt hatte sich in drei Trainingssprüngen und der Qualifikation beeindruckend in der Weltelite zurückgemeldet und neue Hoffnung auf einen Platz auf dem Siegespodest geschürt. Immerhin gab sein Auftritt auch anderen Hilfestellung: „Wenn ich sehe, dass beim Martin der Knopf aufgeht, gibt es mir auch einen Schub“, sagte Michael Uhrmann - er wurde Neunter (120,5 Meter).

Schmitt hat wieder „ein gutes Gefühl

Soll also an dem Sorgenkind der vergangenen fünf Jahre plötzlich wieder die deutsche Skisprung-Seele genesen? Hatte nicht gerade erst Jörg Ritzerfeld (in Garmisch-Partenkirchen 23.) als Zwölfter in Oberstdorf seiner Mannschaft noch die Blamage erspart, das schlechteste Ergebnis seit mehr als zwanzig Jahren abzuliefern (Uhrmann auf Platz 15, Schmitt auf Rang 18)? Ausgerechnet dieser Martin Schmitt taucht nun als Silberstreif am Horizont auf. Am 13. März 2002 hatte er zuletzt auf dem Siegespodest eines Weltcupspringens gestanden und war nach einer zweiten Knieoperation im September 2002 im tiefen Loch der Misserfolge versunken. Er hatte nur noch Mitleid geerntet - nun ist er der neue Hoffnungsträger.

Schmitt lieferte eine Erklärung: Der Anzug, sagt er, „es ist ein anderer als in Oberstdorf.“ Ein alter Anzug, vom Anfang der Saison und nicht so hart im Stoff, hat ihm die Bewegungsfreiheit verschafft, die er braucht, um endlich wieder abzuheben. Aber in Wirklichkeit hat er sich frei gemacht von anderem Ballast. Er ist ein neuer Martin Schmitt. Das Lächeln, mit dem er auch Misserfolge zu erklären versuchte, ist echt, die Körpersprache zeugt von Selbstvertrauen, das er sich mit dem neuen österreichischen Stützpunkttrainer in Hinterzarten, Stefan Horngacher, erarbeitet hat. „Es war auf jeden Fall ein Schritt“, sagt Schmitt jetzt, „weil es nicht nur ein Sprung war, sondern jeder Sprung kam. Und das ist ein gutes Gefühl.“

Einem, der mit Schmitt schon auf Siegespodesten ganz oben gestanden hat, ist dieses Gefühl völlig verloren gegangen. Georg Späth wird nach der verpassten Qualifikation in Oberstdorf in den nächsten Wochen intensiv trainieren und keinen Wettkampf bestreiten. „Der Anspruch von Schorsch ist es, nicht nur mitzureisen und dabei zu sein, sondern auch Leistung zu zeigen. Und die Leistung reicht momentan nicht, um in so einem hochklassigen Feld in Form zu kommen“, sagte Bundestrainer Peter Rohwein, der die Entscheidung mit Späth gemeinsam traf. Für den Allgäuer springt beim Rest der Tournee der sechzehnjährige Partenkirchener Felix Schoft. Auf seiner Schanze hätte er sich schon für das Finale der besten 50 qualifiziert - wäre er nicht am Silvestertag nach der Anzugkontrolle (der Overall saß nicht eng genug am Körper) disqualifiziert worden.

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