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Vierschanzentournee Freund springt aufs Podest

Der Norweger Jacobsen gewinnt das erste Springen der Vierschanzentournee in Oberstdorf und verweist Favorit Schlierenzauer auf Platz zwei. Severin Freund springt als erster Deutscher seit vier Jahren aufs Podium.

© dpa Vergrößern Hoch hinaus: Severin Freund in Oberstdorf

Der Auftakt ist gemacht. Und er fiel so vielversprechend aus, wie es das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) in seinen optimistischsten Prognosen kalkuliert hatte: Zum Beginn der Vierschanzentournee flog Severin Freund in Oberstdorf mit Weiten von 138,5 sowie 135,5 Metern auf den dritten Platz und machte sich und den Fans sogleich Lust auf mehr. Der 24 Jahre alte Bayer musste am Sonntag lediglich Sieger Anders Jacobsen (138 und 139 Meter) sowie dem zweitplazierten Österreicher Gregor Schlierenzauer (134,5 und 138,5) den Vortritt lassen.

Marc Heinrich Folgen:  

„Heute hat vieles sehr gut gestimmt, als es darauf ankam“, kommentierte Freund seine furiose Vorstellung unter Flutlicht vor einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer, nachdem er sich zuvor in den Probedurchgängen bei Nieselregen und ständig wechselnden Böen noch schwer getan hatte. Zuletzt stand bei der Tournee mit Martin Schmitt am 4. Januar 2009 - ebenfalls als Dritter - in Innsbruck ein Deutscher auf dem Podest. In Oberstdorf belegte Schmitt nun den 16. Platz.

Von seinem geglückten Debüt versprach sich Freund, der vor zwölf Monaten an gleicher Stelle Vierter war, weiteren Aufwind für die kommenden Tage und sah darin zugleich auch einen Mutmacher für die Kollegen, von denen Michael Neumayer als Achter (136,5, 134,5) der nächstbeste im Klassement war. Gemeinsam habe man sich schließlich auch in der Mannschaftswertung einiges vorgenommen: „Wir haben gezeigt, dass man mit uns rechnen muss.“

Sonderschichten vor Weihnachten

Gutes Omen für den Gewinner aus Norwegen, der bei der Tournee 2006/2007 schon einmal Gesamtsieger war: Wer bei den vergangenen drei Gelegenheiten zum Jahresausklang auf der Schattenbergschanze auf dem ersten Platz landete, lag stets auch am Schluss der Veranstaltung ganz vorne. Jacobsen, der bei seinem Coup auch von günstigen Windverhältnissen profitierte, hatte eigentlich vor anderthalb Jahren seine Karriere schon für beendet erklärt und nur noch als Fernsehkommentator in seiner Heimat arbeiten wollen.

Vierschanzentournee Oberstdorf © dpa Vergrößern Der Sieger: Anders Jacobsen

Dann heuerte jedoch der österreichischen Coach Alexander Stöckl bei den Skandinaviern an - und die Lust am Weitermachen sowie das Interesse an der Arbeit mit dem charismatischen Skisprungfachmann erfasste Jacobsen und verdrängte sämtliche Rückzugsgedanken. Jacobsen, den seine Mitstreiter im Zielbereich mit vereinten Kräften hochleben ließen, hatte sich vor Weihnachten in Sonderschichten in Oberstdorf auf seinen Wiedereinstieg ausgiebig vorbereitet. „Das kam mir sicherlich zu Gute“, sagte der 27 Jahre, damals habe er aber nicht die Möglichkeit besessen, seine Form mich Athleten aus anderen Nationen zu messen, „daher bin ich nun schon wirklich verblüfft“. Der gelernte Klempner fügte scherzend an, dass „sicher auch das gute Feiertagsessen zuhause bei meiner Familie einen günstigen Einfluss Leistung hatte“. Jacobsen wertete sein Darbietung als „ein kleines Märchen: Momentan passt einfach alles. Es ist schwer, mein Glück in Worte zu fassen.“ Sich selbst schätzte er vor der Fortsetzung der Wettkampfserie an diesem Dienstag in Garmisch-Partenkirchen als einen „gefährlichen Außenseiter“.

„Mit noch mehr Genuss“

Im voll besetzten Stadion in Oberstdorf erlebten die deutschen Profis vor 24.500 Zuschauern, die insbesondere die einheimischen Akteure bei jedem Versuch nach vorne zu brüllen versuchten, einen abwechslungsreichen Nachmittag, der ihnen Selbstvertrauen brachte für den weiteren Verlauf der Tournee. „Kompliment an alle, wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Es sah schon alles sehr flüssig aus, wir haben uns anstecken lassen von der phantastischen Stimmung“, lobte Bundestrainer Werner Schuster seine Auswahl. Die von ihm betreuten Sportler, meinte der Österreicher, hätten sich „frei gesprungen“ und würden nun hoffentlich in der Woche bis zum 6. Januar „mit noch mehr Genuss“ zur Sache gehen.

Vierschanzentournee Oberstdorf © dpa Vergrößern Jubel nach dem ersten Sprung: Severin Freund

Von seinem geglückten Debüt versprach sich Freund, der vor zwölf Monaten an gleicher Stelle Vierter war, weiteren Aufwind und sah darin zugleich auch einen Mutmacher für die Kollegen, von denen Michael Neumayer als Achter (136,5, 134,5) der nächstbeste im Klassement war. Gemeinsam habe man sich schließlich auch in der Mannschaftswertung einiges vorgenommen: „Wir haben gezeigt, dass man mit uns rechnen muss.“

Ebenfalls Grund zur Freude hatte Youngster Andreas Wellinger (131 und 127), der als Zehnter eine überzeugende Premiere feierte. Richard Freitag wirkte als 15. dagegen als einziger im DSV-Tross unzufrieden. Noch schlechter lief es für die hoch gehandelten Österreicher Thomas Morgenstern und Andreas Kofler. Morgenstern, Tourneesieger von 2011, schied im ersten Durchgang aus; Kofler, der 2010 triumphiert hatte, wurde am Abend wegen der „Verwendung eines nicht regelkonformen Anzugs“ nach der Kontrolle der Ausrüstung disqualifiziert. Beide spielen damit im weiteren Verlauf der Tournee bei der Suche nach dem neuen Champion keine Rolle mehr.

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Auch das kann Freund in die Karten spielen. Dass er so gut aus den Startlöchern kam, ließ auch ihn bei allem Glauben an die eigene Stärke ein bisschen über sich selbst staunen. Der Bayer, der in dieser Saison schon zwei Weltcups gewonnen und zwischenzeitlich das Gelbe Trikot getragen hatte, fing sich ausgerechnet in der kurzen Pause über Weihnachten eine Erkältung ein. Auch am Wochenende ging er in Oberstdorf nur mit dickem Schal um den Hals vor die Hoteltür und versuchte mit viel heißem Tee seinen Halsentzündung zu lindern. Dass seine Stimme bei den vielen Pflichtterminen vor dem ersten Springen bisweilen rau wirkte, hatte ihn nicht wirklich irritiert: „Denn hier kommt es ja nicht aufs Reden an“, wie er in leisem Ton sagte. Und seinen Worten ließ er dann, als es zählte, Taten folgen

Die Ergebnisse in Oberstdorf im Überblick

1. Anders Jacobsen (Norwegen) 308,6 Pkt. (138,0/139,0 m)
2. Gregor Schlierenzauer (Österreich) 297,0 (134,5/138,5)
3. Severin Freund (Rastbüchl) 290,8 (138,5/135,5)
4. Dmitri Wassiljew (Russland) 282,6 (137,5/138,5)
5. Tom Hilde (Norwegen) 281,3 (135,5/138,5)
6. Simon Ammann (Schweiz) 280,3 (133,5/139,0)
7. Manuel Fettner (Österreich) 278,7 (136,5/131,0);
8. Michael Neumayer (Berchtesgaden) 274,6 (136,5/134,5)
9. Rune Velta (Norwegen) 272,8 (132,5/134,5)
10. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 272,4 (131,0/127,0)
...
15. Richard Freitag (Aue) 264,1 (126,5/129,0)
16. Martin Schmitt (Furtwangen) 263,6 (125,0/130,5)

...
19. Danny Queck (Lauscha) 259,7 (126,0/128,5)
...
24. Maximilian Mechler (Isny) 251,7 (126,5/123,5)
...
34. Andreas Wank (Oberhof) 125,0 (127,0)
...
47. Felix Schoft (Partenkirchen) 113,9 (121,0)

Quelle: dpa

 
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