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Vierschanzentournee Deutsche machen keine großen Sprünge

Gregor Schlierenzauer hat das Neujahrsspringen vor Wolfgang Loitzl gewonnen. Hinter den beiden Österreichern landete der Schweizer Simon Ammann auf Rang drei. Dagegen wirken die deutschen Skispringer weiterhin verkrampft.

© Bongarts/Getty Images Vergrößern Gute Luftfahrt: Gregor Schlierenzauer

Jahr für Jahr nimmt Alexander Pointner in Garmisch-Partenkirchen am 1. Januar doppelte Glückwünsche entgegen - mit dem Beginn eines neuen Jahres wird der Cheftrainer der österreichischen Skispringer auch jeweils ein Jahr älter. Zur Gratulation zu seinem 39. Geburtstag kam diesmal eine weitere, die allerdings auch langsam Routine wird: Ein österreichischer Skispringer ist fast immer vorn. Nach dem Sieg von Andreas Kofler im ersten Wettbewerb der Vierschanzentournee in Oberstdorf kam am Freitag der hohe Tournee-Favorit Gregor Schlierenzauer (136,5 und 137,5 Meter/277,7 Punkte) in Garmisch-Partenkirchen auf der neuen Olympiaschanze Platz eins. Sein Landsmann, Titelverteidiger Wolfgang Loitzl (135 und 135 Meter/272,5) kam auf Rang zwei.

Einer allerdings riss sogar die Zuschauer auf der Tribüne von ihren Sitzen: Simon Ammann, der Führende im Weltcup, sprang auf 143,5 Meter im zweiten Durchgang (132 Meter im ersten) und stellte damit einen Schanzenrekord auf, den bisher Schlierenzauer mit 141 Metern gehalten hatte. Mit 272,4 Punkten wurde er Dritter vor dem Sieger von Oberstdorf, dem Österreicher Andreas Kofler (136 und 137/271,9). In der Gesamtwertung der Tournee führt Kofler vor Loitzl und dem Finnen Ahonen, der am Freitag Sechster wurde.

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Uhrmann verpasste wieder deutlich das Finale

Für die deutschen Skispringer war es dann doch wieder „ein Tag wie jeder andere“ - wie Andreas Wank sagte. Nein, zum Feiern war ihnen nicht zumute an diesem Neujahrstag. Zwar waren vier im Finale, zwei mehr als in Oberstdorf. Aber Plazierungen bestenfalls im Mittelfeld sind nicht das, „was man den begeisterten Zuschauern zurückgeben möchte“, wie Martin Schmitt sagte. Wie schon im Allgäu, als er Zwölfter geworden war, behauptete sich der junge Star im deutschen Team, Pascal Bodmer, als bester Deutscher. Er sprang 128 und 131,5 Meter weit (243,6 Punkte) und wurde Sechzehnter. In der Gesamtwertung liegt er auf Rang zehn.

Gregor Schlierenzauer © Vergrößern Hier kann man wirklich mal von der Erfolgsspur sprechen: Gregor Schlierenzauer beim Neujahrsspringen

Michael Neumayer scheint sich immerhin gefangen zu haben. Nach Rang 31 in Oberstdorf steigerte er sich am Freitag mit Sprüngen auf 126,5 und 130 Meter und 242,1 Punkten auf Platz 17. Andreas Wank kam mit 128 und 127,5 Metern (235,9 Punkte) auf Rang 20, Martin Schmitt wurde mit 128,5 und 126,5 Metern (232,4 Punkte) 25. Michael Uhrmann dagegen, der in den ersten Wettkämpfen der Saison stabilste deutsche Springer, kommt bei der Tournee überhaupt nicht zurecht und verpasste in Garmisch wie schon in Oberstdorf deutlich das Finale. Auch einige der jungen Springer, auf die Schuster setzt, wie Richard Freitag sind noch zu schwankend in ihren Leistungen.

Schmitt ist mal wieder in ein Loch gefallen

„Vielleicht sind wir noch nicht am Tiefpunkt angelangt“, hatte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster nach der Enttäuschung von Oberstdorf gesagt, als Pascal Bodmer mit Rang zwölf der Beste war - und er hatte natürlich gehofft, dass seine Worte auf der zweiten Station der Tournee nicht bestätigt würden. Doch anstatt sich aus dem Tief zu befreien, scheint seine Mannschaft weiter verkrampft. Viel hängt dabei an Martin Schmitt, der mit Spitzenleistungen bei der Tournee im vergangenen Winter für neue Hoffnungsschimmer im deutschen Skispringen gesorgt hatte. In diesem Jahr können sich die anderen eben nicht verstecken.

„Letztes Jahr hat er die Angst genommen, zu versagen“, sagt Schuster, „die anderen sind dahinter über sich hinausgewachsen“. Doch das System ist durcheinander geraten. Schmitt fiel im Herbst „übertrainiert in ein körperliches Loch“, so Schuster. Die gesamte Saisonplanung musste korrigiert werden. Und das hinterlässt Spuren. Zusätzlich muss Schmitt wieder einmal mit seinem Material experimentieren.

Bestenfalls Trippelschritte auf dem Weg nach Vancouver

Der Schwarzwälder gibt sich keiner Illusion hin, und er will auch nichts schönreden. Nein, über Nacht gehe nichts, aus Platz 23 in Oberstdorf wird nicht ganz schnell eine Platzierung unter den besten fünf. „Mein Absprung ist sehr dürftig“, sagt er. „Der Unterschied ist eigentlich nicht zu sehen“, sagt Schuster. Aber genau dieses Quäntchen macht die Sicherheit aus, mit der ein Springer in den Wettkampf geht, die vieles wie von selbst gehen lässt. Und die sich am Ende in einem Weitenunterschied von fünf bis zehn Metern bemerkbar macht. „Letztes Jahr hat er sich spielend leicht gehalten, er hat gemerkt, ich bin wieder wer“, sagt Schuster. Dann kam der letzte Schritt, der Schmitt bei der Weltmeisterschaft zur Silbermedaille führte. „In diesem Winter ist es sehr anstrengend für ihn.“

Bei der Vierschanzentournee wirken die Anstrengungen bestenfalls wie Trippelschritte - und auf dem Weg zum nächsten großen Saisonziel, die Olympischen Spiele in Vancouver, scheinen Schmitt, scheinen die deutschen Skispringer nur noch Siebenmeilenstiefel helfen zu können.

Quelle: FAZ.NET

 
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