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Vierschanzentournee Comeback für den Hannawald-Effekt

Die stark verbesserten deutschen Skispringer mit Severin Freund an der Spitze können die Österreicher wieder ärgern - und vor der Vierschanzentournee erkennt mancher schon einen neuen „Hype“.

© REUTERS Kreuzen im Vorderfeld auf: Mit Deutschlands Skispringer ist wieder zu rechnen

In der Unruhe liegt die Kraft. Lange konnte Gregor Schlierenzauer auch über Weihnachten seine Füße nicht still halten. Der Zweiundzwanzigjährige ist eine Ausnahmeerscheinung im Kreis der Skispringer-Elite: begabt wie kein Zweiter, mit besten körperlichen Voraussetzungen gesegnet und von einer Leidenschaft für seine Sportart erfüllt, die ihn zu einem Perfektionisten werden ließ, der am liebsten jede freie Minute zum Training oder zum Werkeln am Material nutzt.

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Nun bereitet er sich auf die nächsten (sportlichen) Feiertage vor - und den Sprung in die Geschichtsbücher. Der Österreicher geht in die an diesem Wochenende beginnende Vierschanzentournee als Titelverteidiger. Mit angemessenem Selbstvertrauen und „beflügelter“ als bei seinen vorherigen Auftritten an gleicher Stelle, „weil ich sie letztes Jahr gewonnen und mir einen Kindheitstraum erfüllt habe“.

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Für Schlierenzauer, der trotz seiner Jugend schon Einzel-Weltmeister und Team-Olympiasieger war, stehen jede Menge Siege zu Buche. Alleine 43 im Weltcup. Rekordhalter in dieser Wertung ist noch Matti Nykänen, der es auf 46 brachte. Mit Erfolgen bei den ersten Stationen der Tournee in Oberstdorf an diesem Sonntag, in Garmisch-Partenkirchen an Neujahr und am 4. Januar im Innsbrucker Bergisel-Stadion könnte Schlierenzauer mit dem Finnen gleichziehen. Und ihn dann, bei einem perfekten Verlauf, zum Abschluss der Traditionsveranstaltung in einer Woche in Bischofshofen überholen. Vier Triumphe en suite bei der Tournee glückten bis heute nur Sven Hannawald 2001/2002. „Jeder weiß, dass ich der beste Skispringer der Welt sein möchte. Und es ist noch Luft nach oben“, sagte Schlierenzauer. „Aber ich habe gelernt, dass man gewisse Dinge nicht erzwingen kann, sondern sie sich verdienen muss.“ Auch deswegen schnallte er sich, kaum dass das Heiligabend-Menü verdaut war, schon wieder Ski unter: Er will gewappnet sein.

Severin Freund © dpa Vergrößern Der deutsche Vorflieger 2012/2013: Severin Freund

Respekt nötigt Schlierenzauer speziell die aufblühende Konkurrenz aus Deutschland ab, die sich Chancen ausrechnet, in den kommenden zehn Tagen mal wieder im Rampenlicht zu landen: „Es wird keine lässige Sache, auch weil sie so stark sind.“ Das Duell mit den Österreichern, die bei der Tournee in den vergangenen vier Jahren jeweils vorne landeten (Schlierenzauer, Thomas Morgenstern, Andreas Kofler und Wolfgang Loitzl), verspricht spannend wie lange nicht zu werden. 16 von 21 Podestplätzen gingen in den sieben Wettbewerben dieser Saison an Athleten aus beiden Lagern; fünf Einzelsiege sprangen für das „Team Austria“ heraus, zwei sicherte Severin Freund dem Deutschen Ski-Verband (DSV).

Freude über die aufgelebte Rivalität

„Vor der Tournee konnte es nichts Besseres geben, als dass die Rivalität wieder auflebt“, sagte der österreichische Chefcoach Alexander Pointner. Schließlich gelte auch in seinem Metier der Slogan: Konkurrenz belebt das Geschäft. Tatsächlich sorgte der Aufschwung in Schwarz-Rot-Gold, der in erster Linie mit dem Münchner Freund und dem erst 17 Jahre alten Emporkömmling Andreas Wellinger (Ruhpolding) in Verbindung gebracht wird, in den Vorverkaufsstellen der Tournee für lange vermissten Andrang. „So einen Hype hat es seit der Ära von Martin Schmitt und Sven Hannawald nicht mehr gegeben“, berichtete Stefan Huber, der Geschäftsführer des Organisationskomitees.

Der Tiroler Werner Schuster kümmert sich seit 2008 als Trainer um das Fortkommen der DSV-Athleten - und seine Arbeit als Entwicklungshelfer führt immer öfter zu den gewünschten Ergebnissen. „Wir wollen die gezeigte Qualität weiterführen“, kündigte der 43-Jährige vor dem Start in Oberstdorf an, „wir möchten die Springen nutzen, um etwas zu feiern zu haben. Die Chancen dafür stehen gut.“ Hoch gehandelt wird insbesondere Freund, der in diesem Winter - dank der raschen Umstellung auf die enger anliegenden Anzüge und gesundheitlicher Stabilität - einen mächtigen Schritt in seiner Entwicklung gemacht hat. „Es ist eine große Ehre, wenn man als Mitfavorit genannt wird. Ich persönlich tue mich aber schwer mit der Formulierung. Es gibt immer einen Kreis von Anwärtern“, sagt der 24-Jährige höflich. Schuster sieht es ähnlich und rät, in Anbetracht des unterhaltsamen Nachbarschaftsduells den Blick auf mögliche Siegertypen aus anderen Nationen nicht voreilig einzuschränken: Gerade die Angriffe des Norwegers Anders Bardal und des Polen Kamil Stoch gelte es beim Kampf um die begehrten Plätze wohl ebenfalls abzuwehren.

DSV-Adler © dpa Vergrößern Vielversprechende deutsche Adler (v.l.): Severin Freund, Richard Freitag und Andreas Wellinger

Für Freund, den nominellen Leader, liegt ein Grund für die allgemeine Wertschätzung in der neuen Ausgeglichenheit des DSV-Kaders: „Vieles läuft momentan leichter, weil wir als Mannschaft so gut harmonieren. Jeder pusht den anderen, jeder hilft dem anderen“, sagt er. Als persönliches Ziel bezeichnet er es, „erst einmal einen Podestplatz zu machen“ - und fügt im Nachsatz ein wenig mutiger an: „In Willingen ist mir schon mal ein Heimsieg geglückt, das war ein großartiges Gefühl. So etwas wäre bei der Tournee sicher genauso schön.“

Angesichts des zu erwartenden Ballyhoos schuf sich Freund, der als Student schon in einigen Klausuren feststellen musste, dass nicht immer der auf den ersten Blick naheliegende Ansatz zu tragfähigen Resultaten führt, gedanklich einen Plan B - um so gelassen wie möglich die körperliche und geistige Belastungsprobe in den kommenden Tagen zu bewältigen: „Wenn ich am Ende nicht ganz vorne dabei bin, geht die Welt auch nicht unter“, lautet sein entspanntes Motto. Auch diese innere Ruhe ist es, die manchen von Freunds Gegnern ausgesprochen unruhig werden lässt.

Quelle: F.A.Z.

 
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