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Veröffentlicht: 01.01.2011, 15:54 Uhr

Vierschanzentournee Ammann gewinnt Sprung-Farce am Neujahrstag

Das Neujahrs-Skispringen in Garmisch-Partenkirchen hat einen würdigen Sieger: Olympiasieger Simon Amman springt am besten. Der Wettkampf geriet angesichts ungünstiger Windverhältnisse allerdings zur Farce und musste nach einem Durchgang abgebrochen werden.

von , Garmisch-Partenkirchen
© dpa Sieger in Garmisch-Partenkirchen: Simon Amman gewinnt das Neujahrsskispringen

Es sollte wieder einmal ein Skisprungfest werden, am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen. 22.000 Zuschauer tanzten, sangen, hielten sich warm - nur den meisten der fünfzig besten Athleten war die gute Laune vergangen. Sicher, ein Sieger Simon Ammann nimmt heftiger Kritik die Spitze. Der Schweizer Doppel-Olympiasieger freute sich laut: „Das ist die Situation, die ich gebraucht habe.“ Insgeheim wird er diesen Erfolg - vor dem Russen Pawel Karelin und dem Polen Adam Malysz - auf der zweiten Station der Tournee aber einordnen können. Denn extrem wechselnder Wind, oft an der Grenze zum noch Erträglichen für Skispringer, pustete die anderen Favoriten heftig durcheinander.

Die guten Bedingungen zu Beginn des ersten Durchgangs - nur der konnte ausgetragen und gewertet werden - nutzte der Schwarzwälder Martin Schmitt mit einem hervorragenden Sprung, seinem wohl besten in diesem Winter: Er wurde Siebter und erzielte damit sein bestes Ergebnis seit zwei Jahren. Stephan Hocke als 13., Michael Uhrmann auf Rang 15, Pascal Bodmer als 16. und Michael Neumayer auf Platz 18 zeigten immerhin, dass in der deutschen Mannschaft das Potential liegt, von dem ihr Trainer Werner Schuster in den vergangenen Tagen immer wieder gesprochen hat. (siehe auch: Vierschanzentournee - Live-Ticker, Ergebnisse und Termine)

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Einer der Verlierer des ersten Januartages war der bisherige Seriensieger der Saison, der Österreicher Thomas Morgenstern. Er landete auf Rang 14, führt zwar weiterhin in der Tourneewertung, büßte aber auf Ammann von seinem Vorsprung von 30 Punkten 16,5 Punkte ein. Ohne lautes Schimpfen - das nur zu verständlich gewesen wäre - fügte er sich: „So etwas passiert“, sagte Morgenstern, und verkniff sich jeden Seitenhieb auf die Jury, auch wenn er die Verhältnisse für „teilweise gefährlich“ hielt.

Vierschanzentournee - Garmisch-Partenkirchen - Martin Schmitt © dpa Vergrößern Gunst der Stunde: Martin Schmitt landet auf Rang sieben

Windregel überfordert

Die Windregel, die Ungerechtigkeiten mit Bonus- und Minuspunkten ausgleichen soll, war an diesem Samstag einfach überfordert. Titelverteidiger Andreas Kofler, Fünfter in Oberstdorf, konnte gerade noch einen Sturz verhindern und wurde Fünfzigster, sein österreichischer Landsmann Manuel Fettner, der Dritte im ersten Springen, landete auf Platz 29 - den beiden nahm der Wind ihre Chancen auf eine gute Plazierung in der Tourneewertung wie auch dem Finnen Matti Hautamäki, dem bisherigen Zweiten, der auf Rang 34 geblasen wurde.

In zwei Tagen in Innsbruck wollen sich die Österreicher schadlos halten; dann ist auch Gregor Schlierenzauer wieder dabei, der nach einem Innenband-Einriss Anfang Dezember pausieren musste. Morgenstern ist nach wie vor der große Favorit, und das Austria-Team wird bei den beiden Springen in der Heimat sicher wieder auftrumpfen. Als Geschenk, das man nicht planen könne, sind sie immer wieder bezeichnet worden, die jungen Überflieger. Morgenstern tauchte als sechzehnjähriges Wunderkind im Dezember 2002 in der Weltspitze auf. Auch Schlierenzauer war erst 16, als er im März 2006 sein erstes Weltcup-Springen bestritt. In der Mannschaft haben sie Weltmeistertitel und olympische Goldmedaillen gewonnen und gelten derzeit als unschlagbar. Alles nur Talent, alles tatsächlich vom Himmel gefallen?

Neurocoaching für den Erfolg

Alexander Pointner, der Cheftrainer der Österreicher - am Neujahrstag wurde er vierzig Jahre alt -, weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt. Seit er vor sieben Jahren Cheftrainer wurde, legte er seinen Ehrgeiz hinein, seine Sparte mit den anderen des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) zu vernetzen. „Und das funktioniert jetzt“, sagt er, „das ist die ganze Basis, auf der wir so gut sein können.“ Pointner arbeitet eng mit Hans Pum, dem Alpindirektor des ÖSV, und Toni Giger, dem Leiter der Abteilung Entwicklung, Forschung und Innovation des Verbandes, zusammen. Von Materialfragen bis zu Trainingsplänen geht die Kooperation. „Wir arbeiten auf einem Level, wie es kein anderer Verband tut“, sagt Pointner.

Aber auch Pointner selbst entwickelt sich weiter. „Ich mache ein ganz anderes Coaching als andere, ich arbeite schon länger dran, und darüber kann man auch reden.“ Neurocoaching ist das Stichwort, entwickelt von dem Deutschen Ulrich Conrady auf der Grundlage der Audiovisuellen Wahrnehmungsförderung, die mit Hilfe von Schallwellen das Nervensystem stimuliert und dadurch die Lern- und Aufnahmefähigkeit und körperliche Leistungsfähigkeit verbessern soll. „Das macht so viel Spaß“, sagt Pointner, „weil ich weiß, dass ich vielleicht erst bei vierzig Prozent meiner Fähigkeiten angelangt bin.“

Ergebnis harter Arbeit

Ein bestens funktionierendes Betreuerteam von der Nationalmannschaftsebene bis hinunter in die Stützpunkte der Landesverbände nennen die Österreicher als weiteren Pluspunkt. „Und schließlich haben wir die professionellsten Athleten“, sagt Pointner. „Ich kenne viele Sportler anderer Sparten. Aber so wie sich unsere Athleten entwickeln, findet man das selten im Spitzensport.“ Gegenseitige Wertschätzung, guter Teamgeist und viel Spaß nennt er als wichtige Pfeiler. „Spaß ist ein wichtiger Punkt, wenn man eine Mannschaft hat, die schon alles erreicht hat.“

Es gehe nicht nur darum, alles zu gewinnen - „das haben wir schon“. Es gehe darum, die Programme abzurufen, die man sich erarbeitet habe. „Und wenn man jetzt zum Beispiel Thomas Morgenstern in die Augen schaut, dann sieht man, er ist eine Sportgröße geworden, die nicht nur auf der Schanze, sondern auch abseits eine gute Figur macht.“ Und so etwas ist dann eben das Resultat harter Arbeit - und nicht vom Himmel gefallen. (siehe auch: Vierschanzentournee - Live-Ticker, Ergebnisse und Termine)

Quelle: FAZ.NET mit dpa.

 

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