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Viererbob-WM : Wie der Sprinter, so der Kurvenkünstler

Männer wie Stiere (v.l.): Maximilian Arndt, Marko Huebenbecker, Alexander Roediger und Martin Putze Bild: dpa

Nach einem mäßigen Saisonstart sind die besten deutschen Bobfahrer beim Saisonhöhepunkt mit der Konkurrenz Schlitten gefahren. Bei der Viererbob-WM gewinnt Maximilian Arndt mit seiner Crew.

          Die Schweizer, die Russen, die Amerikaner, was haben sie nicht alles versucht? Sie ließen ein Weltcup-Rennen aus, um sich in St. Moritz auf die Bob-WM vorzubereiten. Sie stürzten sich immer wieder zu Trainingsfahrten in die Natureisbahn, sie brachten einen neuen Bob mit, sie analysierten die Teilzeiten, studierten Kurvenein- wie -ausfahrten und fühlten sich gut vorbereitet. Aber am Ende war es wie beim Rodeln: Nach Francesco Friedrich im Zweier gewann am Sonntag Maximilian Arndt den Viererwettbewerb, nicht ganz so überraschend, aber souverän. Trotz eines mäßigen Starts in die Saison sind die besten deutschen Bobfahrer beim Saisonhöhepunkt mit der Konkurrenz Schlitten gefahren.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Diese Freude im Ziel, das Klatschen der gewaltigen Pranken, die gegenseitigen Hiebe der Schieberkolosse auf die starken Schultern ließ den Wert dieses Sieges für die deutsche Crew, vom Anschieber über den Piloten bis zum Cheftrainer Christoph Langen erkennen: „Was für ein spannender Wettbewerb. Das ist für mich als Trainer ja aufregender als zu meiner Zeit als Pilot“, sagte der Olympiasieger und lachte sich die ganze Anspannung vom Leib.

          Ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi, letztlich keinen Tag zu früh, weiß er sein Team um zwei junge Siegertypen bereichert. Um Kerle, die ihre Fuhre nach Hause bringen, jeder auf seine Art. Der 22 Jahre alte Friedrich ist der Sprintertyp unter den Steuermännern, Arndt mit 25 schon etwas erfahrener, der Kurvenkünstler. Er ließ den großen Schlitten im dritten Lauf nach dem (risikoreichen) Wechsel auf seine Schönwetterkufen hinauffahren in die Steilwandkurve namens „Horse Shoe“. Der Bob touchierte den Holzüberstand. Doch es reichte, um in der Spur zu bleiben und an dieser heiklen Stelle nicht alles zu kippen, den Bob, die Männer, das Rennen. Der lange, schwere Schlitten verzeiht keine ungenauen Lenkmanöver, lässt sich nicht so schnell einfangen wie das kleinere Modell. „Da gibt es kaum Spielraum. Das war sensationell“, fügte Langen mit Blick auf die Ergebnisse von Thomas Florschütz (7.), Manuel Machata (8.) und Friedrich (13.) hinzu, „er ist der beste Pilot im Moment“.

          Jungs, die brüllen wie Stiere

          Was nutzt das aber, wenn es so einem Expresskapitän an Beschleunigung fehlt, wie sie andere bis zum Einstieg zeigen? Im Zweier ist Arndt nicht auf Tempo gekommen. Im Vierer „prügelten mich“ die drei Hintermänner „durch die Bahn“, im dritten Durchgang vorbei am führenden Alexsandr Subkow und dann im Finale zu einem Titel mit 0,47 Sekunden Vorsprung. Trotz Bahnrekord konnte auch der Amerikaner Steven Holcomb (3.) nicht mithalten.

          Wer aber sind diese „Jungs“, die brüllen wie die Stiere, losmarschieren, einsteigen und dann abtauchen? Kraftpakete mit der Antrittsschnelligkeit von Sprintern: Martin Putze, einst Kugelstoßer, schob schon den Bob-Star Andre Lange nach vorne. Alexander Rödiger wurde Zweiter bei der WM 2009 im Schlitten des Olympiasiegers. Marko Hübenbecker bringt 110 Kilogramm auf die Wage und neigt schon mal dazu, Kleinigkeiten so weit von sich zu werfen, dass Weltrekorde registriert werden: bei 83,32 Meter blieb ein Telekommunikationsgerät liegen. In St. Moritz hielt er sein Handy lieber fest, allein schon wegen der Gratulanten.

          Bob-WM

          Viererbob, Endstand nach 4 Läufen

          1. Deutschland 1 (Maximilian Arndt/Oberhof, Marko Hübenbecker/ Magdeburg, Alexander Rödiger, Martin Putze/beide Oberhof) 4:20,67 (1:05,21/1:05,68/1:05,09/1:04,69) Min.;
          2. Russland 1 (Alexander Subkow, Alexej Negodajlo, Dmitri Trunenkow, Maxim Mokrussow) 4:21,14 (1:05,26/1:05,58/1:05,50/1:04,80);
          3. USA 1 (Steven Holcomb, Justin Olsen, Steven Langton, Curtis Tomasevicz) 4:21,26 (1:05,55/1:05,59/ 1:05,47/1:04,65);
          4. Schweiz 1 (Beat Hefti, Alex Baumann, Thomas Lamparter, Jürg Egger) 4:21,30 (1:05,65/1:05,50/1:05,41/1:04,74);
          5. Großbritannien 1 (John Jackson, Stuart Benson, Bruce Tasker, Joel Fearon) 4:21,33 (1:05,84/1:05,46/1:05,26/1:04,77);
          6. Schweiz 2 (Rico Peter, Thomas Ruf, Patrick Blöchliger, Simon Friedli) 4:21,34 (1:05,68/1:05,66/1:05,21/1:04,79);
          7. Deutschland 2 (Thomas Florschütz/Riesa, Andreas Bredau, Ronny Listner/beide Magdeburg, Thomas Blaschek/Oberhof) 4:21,41 (1:05,63/1:05,66/1:05,34/1:04,78);
          8. Deutschland 3 (Manuel Machata/Potsdam, Jannis Bäcker/Winterberg, Jan Speer, Christian Poser/beide Potsdam) 4:21,68 (1:05,59/1:05,69/ 1:05,41/1:04,99).

          Quelle: F.A.Z.

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