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Adler Mannheim : Riskantes Spiel mit „Psycho Bill“

Bill Stewart: „Zweiter werden ist wie seine Schwester küssen“ Bild: dpa

Seine Erfolge können sich sehen lassen, sei Ruf ist legendär schlecht. Eishockeytrainer Bill Stewart greift auch mal zu rabiaten Mitteln. Jetzt ist er zurück in Mannheim.

          Sie hatten es sich schön ausgedacht. Für das „Dinner der Herzen“ tauschten die Profis der Mannheimer Adler ihre Eishockey-Ausrüstung und schlüpften in ungewöhnliche Rollen: Stürmer Phil Hungerecker servierte den Willkommens-Sekt, Torwart Denis Endras trat als Kellner auf und Verteidiger Mark Stuart nahm an den Tischen die Getränkewünsche auf. Für Mannschaft und Fans sollte die Charity-Veranstaltung am Montag, deren Erlös hilfsbedürftigen Menschen zukam, zu einem Ereignis mit hohem Unterhaltungswert werden. Für den lange im Voraus geplanten geselligen Abend wurden jedoch kurzfristig Änderungen an der Gästeliste notwendig. Die sorgten dafür, dass es (anders als gedacht) eine denkwürdige Veranstaltung wurde:

          Die Plätze von Trainer Sean Simpson, seinem Assistenten Colin Müller und Manager Teal Fowler blieben im Festsaal des Hotels leer. Wenige Stunden zuvor waren sie von der Klubführung darüber unterrichtet worden, dass sie mit sofortiger Wirkung allesamt von ihren Aufgaben entbunden sind – ein Schritt, der selbst für die Verhältnisse der von der nordamerikanischen Hire-&-Fire-Mentalität geprägten Deutschen Eishockey Liga spektakulär anmutet.

          Nicht weniger überraschend ist auch, wie Geschäftsführer Daniel Hopp, die prägende Führungsfigur der Adler, dafür sorgen will, dass sich fortan vieles wieder zum Besseren wendet bei dem Verein, in den er und sein Vater Dietmar seit fast zwei Jahrzehnten jede Menge Geld investierten: Bill Stewart führt seit Dienstag abermals das Kommando beim siebenmaligen Meister, der auch bei der jüngsten Niederlage (2:4) bei den Straubing Tigers ein schlechtes Bild abgab. Stewart war erst Mitte Oktober von dem Klub aus Ostbayern entlassen worden.

          In Mannheim ist der 60-Jährige kein Unbekannter, doch die Erinnerungen an sein erstes Wirken bei den Badenern zwischen 2000 und Januar 2004 fallen durchaus zwiespältig aus. An Erfolgen mangelte es nicht, so holte er gleich in der ersten von ihm verantworteten Saison den Titel. Aber durch sein Auftreten hatte er einen gewöhnungsbedürftigen Ruf, den er bei den folgenden sechs Stationen hierzulande nicht mehr loswurde.

          Stewart, der bis heute im Umgang mit den Spielern nicht eben durch pädagogisches Feingefühl auffiel, scheut sich nicht, zu rabiaten Mittel zu greifen, wenn er glaubt, damit sich und seinem Team einen Vorteil zu verschaffen. Der Erfolg heiligt für ihn viele Mittel. „Zweiter werden ist wie seine Schwester küssen“, gehört zu den vielen Sprüchen Stewarts. Mit dem heute in Wolfsburg arbeitenden Kollegen Pavel Gross lieferte er sich einen Faustkampf hinter der Bande, schleuderte aus Frust eine Bierflasche durch die Scheibe des Mannschaftsbusses und täuschte einen Schwächeanfall vor, um Zeit zu schinden, die seine Spieler zum Schleifen der Schlittschuhe nutzen konnten.

          Kritiker, an denen es nicht mangelt, nennen ihn wahlweise „Kill Bill“ oder „Psycho Bill“ – was ihn nicht stört, wie er bei seiner Vorstellung am Dienstag in Mannheim behauptete: „Ich kenne meine Spitznamen. Ob ich nach der Saison einen anderen haben werde, wird die Zeit zeigen.“ Stewart soll die Adler, derzeit auf Platz sieben der Tabelle, bis zum Ablauf dieser Spielzeit trainieren; nur die ersten sechs Mannschaften sind im kommenden Frühling direkt für die Play-offs qualifiziert. Er wolle von jetzt an „jedes Spiel gewinnen“, verkündete Stewart – ein ambitioniertes Projekt, bei dem der Italo-Kanadier im günstigsten Fall mehr gewinnen kann als bloß Punkte. Für die Adler, deren Ansehen bislang wesentlich besser war als das ihres neuen, alten Kommandogebers steht durch das Risiko dieser gewagten Rückholaktion noch mehr auf dem Spiel.

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