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Tour de Ski Angst vor der Alpe Cermis

03.01.2009 ·  Am Schlussakt der Tour de Ski scheiden sich die Geister: Sehenswerter Sport oder „brutal-hartes Bergsteigen“? Die Sportler haben einen „Höllenrespekt“ vor dem Hang und bereiten sich mit Klettertraining vor. Denn die Alpe Cermis verlangt ihnen alles ab.

Von Claus Dieterle
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An diesem Hang im Val di Fiemme scheiden sich die Geister. Dass die Mittelstation der Alpe-Cermis-Seilbahn mit ihren 1278 Metern der absolute Höhepunkt der Tour de Ski ist, steht zweifelsfrei fest, aber ob dieser finale Anstieg nun das Höchste des Skilanglaufs oder fast schon dessen Perversion ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Fakt ist, dass der ultrasteile und extrem spannende Schlussakt der Tour auf Langlaufski die Gemüter bewegt und allein deshalb schon ein Erfolg ist. „Man muss ja sehen, was für eine Öffentlichkeitswirksamkeit dieser Lauf hat. Zwölf Fernsehstationen übertragen die Etappe live“, sagt Jürg Capol, Direktor Langlauf im internationalen Skiverband und Erfinder der Tour samt ihrem vermeintlichen Highlight.

6,3 Kilometer Anlauf, dann 3,7 Kilometer Finale mit 425 Höhenmetern, durchschnittlich 12 bis 14 Prozent Steigung, aber auch drei extrem steile Passagen mit bis zu 28 Prozent - das sind die Daten der Schlussetappe. Langlauf extrem - das gibt auch Capol zu. Aber er hat es genau so gewollt. „Man geht in Extreme, um nach vorne zu kommen und den Langlaufsport dort zu positionieren, wo er eigentlich ist: im Kampfbereich. Dieser Kampf, das Gesicht, dass jemand vielleicht Schmerzen hat und über die Ziellinie keucht, das ist ein Teil vom Sport, das sollen die Leute sehen.“ Man muss dem Schweizer zugutehalten, dass er die Strecke selbst hochgelaufen ist.

Höllenrespekt vor dem Berg

Und es stimmt wohl auch, dass dieses Kletter-Finale am Sonntag die Zuschauer vor Ort und am Fernsehschirm wieder in den Bann schlägt. Aber die Athleten haben vor dieser Extrembelastung am Ende einer kräftezehrenden Sieben-Etappen-Tour durch Deutschland, Tschechien und Italien - vorsichtig ausgedrückt - einen Höllenrespekt.

„Du darfst keine Sekunde die Konzentration verlieren, sonst kommst du aus dem Rhythmus“, sagt Axel Teichmann, der vor einem Jahr Probleme mit der Höchstschwierigkeit hatte. Diesmal liegt der zweimalige Weltmeister vor den letzten beiden Etappen als Fünfter der Gesamtwertung mit 55,9 Rückstand auf den Spitzenreiter Dario Cologna (Schweiz) in Lauerstellung und gibt sich vorsichtig optimistisch. „Meine Form ist viel besser als vor einem Jahr. Hoch muss man ja sowieso, also lasse ich es auf mich zukommen“, sagt der Thüringer. Es kann schließlich alles passieren am Berg.

Wer wüsste das besser als René Sommerfeldt, der im vergangenen Jahr just dieses Finale genutzt hat, um sich noch von Rang neun auf den zweiten Platz hochzuarbeiten. Diesmal hat sich das spezielle Klettertraining am Fichtelberg für den Oberwiesenthaler leider nicht ausgezahlt. Eine Erkältung hat ihn gestoppt. Genau wie zwei Tage später den Kollegen Tobias Angerer, Sieger der Premieren-Tour 2006/2007. Der Bayer kann Teichmann nur raten: „Man muss den Berg mit Respekt angehen.“ Angerer hat aber auch zugegeben, dass er auf dem beschwerlichen Weg nach oben versucht habe, sich alles Mögliche vorzustellen, nur um nicht in seinen geschundenen Körper hineinhören zu müssen.

„Für Frauen grenzwertig“

Die Frauen müssen übrigens auch da hinauf. „Viehauftrieb“ nennt es Angerers Teamkollegin Stefanie Böhler despektierlich. Es komme vor allem darauf an, „oben noch bei Sinnen“ zu sein. Claudia Nystad findet, dass die Alpe Cermis „nur am Anfang etwas mit Langlauf zu tun“ habe.

Auch Bundestrainer Jochen Behle spricht von „Bergsteigen mit Ski“ und befindet: „Für Frauen ist der Berg grenzwertig.“ Evi Sachenbacher-Stehle, noch mit Chancen auf eine Top-Ten-Plazierung, scheut sich nicht, das Wort Angst in den Mund zu nehmen: „Die beiden Male, als ich da hoch bin, war es so brutal hart. Davor habe ich schon Schiss.“ Für sie steht fest: „Mit dem Berg werde ich kein Freund mehr.“

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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