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Torah Bright : Königin des Freestyle-Snowboardens

  • -Aktualisiert am

„Unglaubliche Ausstrahlung” - Torah Bright Bild: Lorenz Holder

Die Australierin Torah Bright ist 20 Jahre alt, Mormonin - und das neue Gesicht einer aufregenden jungen Sportart. Ein Mädchen aus der Mormonenwelt und die wilde Snowboardszene - wie passt das zusammen?

          Torah Bright gibt ein Interview. Torah Bright gibt eigentlich ständig Interviews. Torah Bright ist ein Star. Auf dem Kitzsteinhorn, auf dem Gletscher, steht sie vor zwei Kameramännern und einem Reporter, der ihr unentwegt Fragen stellt. Jene Fragen, die das Fernsehen einem Star vor einem Wettkampf immer stellt. Form? Vorbereitung? Erwartungen? Im Hintergrund findet die Qualifikation für die "Roxy Chicken Jam" statt, die wichtigste Frauen-Snowboardveranstaltung des Jahres in Europa. Die 20 Jahre alte Australierin muss sich nicht qualifizieren, sie ist Weltmeisterin.

          Torah Bright ist das neue Gesicht einer aufregenden Sportart, die Königin des Freestyle-Snowboardens. Interviews mit ihr sind begehrt. Dem Ton der Managerin nach sollte man zu diesem Anlass mindestens ein Kamerateam und ein halbes Dutzend Tontechniker in den Koffer gepackt haben. Ohne Fernsehteam und Mikrofon steht man recht nackt da. Und es ist kalt in 3200 Meter Höhe, die Sonne ist schon hinter der Bergkuppe abgetaucht. 14 Grad minus. Das Fernsehteam hat die Aufnahmen beendet; Form, Vorbereitung und Erwartungen sind ausreichend behandelt. Torah Bright schlägt vor, mit den Boards ein Stück den Berg hinaufzusteigen und sich oben in die Sonne zu setzen. Wir stapfen hinauf, die Bretter hinterm Rücken, raus aus dem Schatten, hinein in die Sonne. Mit den ersten Schritten verfliegt die Kälte. Torah mag ein Star sein, doch in erster Linie ist sie Snowboarderin. Und Snowboarder stapfen nun mal gern gemeinsam den Berg hinauf.

          „Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Zigaretten“

          Torah Bright erzählt, wie sie in Cooma, südlich von Sydney, in den Bergen aufgewachsen ist. Im Kindesalter stellte ihre Mutter sie auf Ski. Erst mit elf Jahren, im Laufe eines schlechten Winters, entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Board. "Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern. Meine Mutter hat uns Kindern Bretter ausgeliehen für zwei Stunden. Ich war von Anfang an verrückt danach." Am nächsten Morgen musste die Mutter wieder Bretter leihen, am Ende des dritten Tages hat sie ein paar gebrauchte Boards gekauft.

          Torah Bright glänzt mit spektakulären Sprüngen
          Torah Bright glänzt mit spektakulären Sprüngen : Bild: Lorenz Holder

          Ein Jahr später hatte Torah Bright ihren ersten Sponsor, mit 15 zog sie mit Mutter und Bruder Ben, ebenfalls Snowboardprofi, in die Mormonen-Hochburg Salt Lake City in die Vereinigten Staaten. "Die Leute dort sind sehr konservativ", sagt Torah Bright, "das gefällt mir." Sie ist gläubige Mormonin. "Mit 14 habe ich mich entschlossen, mein Leben nach dieser Religion auszurichten. Und ich bin sehr glücklich damit." Sie hat in ihrem Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken. "Der Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Zigaretten ist auch eine Frage der Gesundheit."

          Topfahrerin und Model

          Ein Mädchen aus der Mormonenwelt und die wilde Snowboardszene - wie passt das zusammen? Drew Stevenson, Chef des internationalen Snowboardverbandes TTR, ebenfalls Australier, ist auf den ersten Blick ein wilder Bursche. Er hat Haare bis zu den Schultern, meist eine Zigarette oder ein Bier in der Hand, häufig beides. So auch an diesem Abend an der Hotelbar. Er redet schnell und gestikuliert mit der Zigarette zwischen den Fingern. Zwei Zigaretten sind ihm schon abgebrannt, ohne dass er sie auch nur einmal zwischen den Lippen gehabt hätte. Alle kennen ihn, alle mögen ihn, alle brauchen ihn für irgend etwas. Stevenson kommt gerade aus Japan vom TTR-Großereignis "X-Trail" zurück, das 45 000 Zuschauer in den Tokio Dome gezogen hatte. Für diese ganz großen Bühnen des Snowboardens seien die Sprünge der meisten Frauen noch nicht spektakulär genug, findet er. Doch die Entwicklung der letzten beiden Jahre stimmt ihn optimistisch, die Frauen holten auf, sie hätten es verdient, ernst genommen zu werden, "als Snowboarderinnen, als Athletinnen".

          Stevenson schiebt eine Liste herüber mit der Staffelung des Preisgelds, das die TTR den Führenden der Weltrangliste am Ende der Saison auszahlt. Männer und Frauen sind gleichberechtigt, die Weltmeisterin bekommt 50.000 Dollar, genauso viel wie der Weltmeister. Die Frauen haben aufgeholt, kreieren ihren eigenen Stil. Das honorieren auch die Sponsoren. Ein Star wie Torah Bright ist als Topfahrerin des Roxy-Teams auch Model. Ihre weiße Skibrille ist mit gold-silbernen Perlen besetzt, sie hat sie selbst entworfen. Die Australierin kommt an der Bar vorbei und begrüßt Stevenson mit einem Küsschen. "Sie hat eine unglaublich positive Ausstrahlung", sagt er. "Wenn sie einen Raum betritt, ändert sich die ganze Atmosphäre."

          Sie tanzt und lacht den ganzen Abend

          Zur Party am Abend erscheinen die Fahrerinnen in Kleidern und Stiefeln mit hohen Absätzen. Sie sind die Ersten auf der Tanzfläche: ausgelassene Mädels, die einen Limbo-Wettbewerb austragen. Mittendrin ist Torah Bright, sie tanzt, sie lacht den ganzen Abend. Gegen elf Uhr verlassen die Fahrerinnen die Party, sie wollen fit sein für den großen Wettkampf.

          Am nächsten Morgen ist es immer noch eisig kalt. Torah Bright und ihre amerikanische Konkurrentin Jamie Anderson singen und tanzen vor dem vierten und letzten Durchgang, um sich warmzuhalten. Torah Bright steht unter Druck, sie hat ihr Können in den ersten drei Durchgängen nicht zeigen können. Auch im letzten Durchgang stürzt sie bei der Landung. Jamie Anderson, erst 17 Jahre alt, gelingt dagegen alles. Am Lift wartet Torah Bright lachend auf die zweitplazierte Amerikanerin, sie selbst ist ohne gelungenen Sprung geblieben. Während der Liftfahrt ist von Enttäuschung allerdings nichts zu spüren. Torah Brights Stimmung reagiert nicht auf Sieg oder Niederlage. Sie lacht und zeigt zum Himmel über dem Kitzsteinhorn. Ob wir den Regenbogen dort oben gesehen hätten?

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