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Teammanager Michael Huth : Grenzgänger in der Eiskunstlauf-Weltspitze

Erfolg nach Plan: die Italienerin Carolina Kostner mit Trainer Michael Huth nach ihrem Sieg bei der EM 2008 in Zagreb Bild: AFP

Michael Huth gilt als bester Teammanager im Eiskunstlauf. Bei der EM in Helsinki betreut er derzeit unter anderem Annette Dytrt. Die fünfmalige deutsche Meisterin himmelt Huth, der angeblich „ähnlich wie Klinsmann“ arbeitet, wie einen Guru an.

          Leben nach Plan, laufen nach Plan – geht das? Ja, wenn Michael Huth als Mann an der Bande mit im Spiel ist und sich das Leben und Laufen rund um die Eisbahn bewegt. Der 39 Jahre alte Sachse ist in seinem Metier der Laufbahnplaner par excellence, und darum gilt er als der derzeit beste Teammanager des internationalen Eiskunstlaufs.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Bei der Europameisterschaft in Helsinki betreut dieser Trainer und Cheforganisator die Titelverteidigerin Carolina Kostner aus Italien, den Titelverteidiger Tomas Verner aus Tschechien, die fünfmalige deutsche Meisterin Annette Dytrt sowie den ukrainischen Meister Anton Kowalewski. Es gibt also viel zu tun für den gebürtigen Dresdner, der in Oberstdorf mit seinem Gemeinschaftsprojekt Ice Dome zum Kristallisationspunkt für viele Läufer aus vielen Ländern geworden ist, die im Allgäu das Gruppenerlebnis in einer Einzeldisziplin suchen.

          „Für mich ist Herr Huth einfach der weltbeste Trainer“

          Die großen vier, die Huth nach Helsinki begleitet hat, bilden so etwas wie die Spitze eines von Jahr zu Jahr gewachsenen Eisberges. „Wir arbeiten so ähnlich, wie Klinsmann es macht“, hat der Reformer Huth vor kurzem gesagt, „Trainer und Betreuer für jeden Bereich. Ich stelle mich nicht hin und sage: Ich bin der Guru.“

          Annette Dytrt aber, die immer mehr versprach, als sie dann halten konnte, himmelt ihren neuesten Coach trotzdem wie einen Guru an. „Für mich“, hat die 25 Jahre alte Oberstdorferin in Helsinki gesagt, „ist Herr Huth einfach der weltbeste Trainer.“ So ähnlich, wenn auch nicht ganz so überschwänglich, hat sich die fragile Läuferin auch schon über ihre früheren Betreuer Steffi Rutkies, Alexander Wedenin, Shanetta Folle, Ilona Schindler und Karel Fajfr geäußert.

          Michael Huth: „Du musst ruhig und entspannt bleiben“

          Diesmal aber scheinen die Chancen nicht schlecht zu stehen, dass die international noch nie über EM-Platz zehn hinausgekommene Bayerin tschechischer Herkunft endlich den richtigen Kunstlauflehrer gefunden hat. „Das war jetzt die Endstation“, sagt sie über den Wechsel zu Huth. Auch der Teammanager gibt der im vergangenen Sommer begründeten Zusammenarbeit eine verheißungsvolle Perspektive: „Ich traue ihr alles zu.“ Also auch eine Medaille in der Damenkonkurrenz dieser Europameisterschaft, die für Annette Dytrt und Carolina Kostner am Freitag beginnt.

          Verner und Kowalewski starten schon an diesem Mittwoch ihr Unternehmen Euro mit dem Kurzprogramm. Von da an kann auch Huth nur noch in Maßen auf den Lauf der Dinge einwirken. „Du musst ruhig und entspannt bleiben“, hat er seine Art der unmittelbaren Einstimmung auf einen großen Wettkampf beschrieben. Dabei weiß er genau, dass seine in Helsinki von einer Trainerin (Vlasta Koprivova), einer Mentaltrainerin (Petra Weber) und einem Choreographen (Rostislav Sinitsin) begleitete Arbeit mit eine Reihe von Spitzenläufern „schon sehr grenzwertig ist“.

          Annette Dytrt: „Er hat das gewisse Etwas, das mir weiterhilft“

          Grenzgänger Huth lässt sich die Anstrengung, möglichst jedem seiner Läufer gerecht zu werden, kaum anmerken. In seinem Helsinki-Aufgebot wird viel gelacht, offen miteinander geredet und mündig gehandelt. „Meine Läufer“, sagt Huth, „müssen einen hohen Eigenantrieb haben und den eisernen Willen, an ihre Grenze zu gehen, und das nicht immer nur dann, wenn sie von ihrem Trainer motiviert werden.“ Carolina Kostner und Tomas Verner hat Huth mit freundlicher Beharrlichkeit und positiver Zielstrebigkeit nach ganz oben geführt.

          Annette Dytrt ist gerade dabei, zu begreifen, dass sie nun endlich die alte Versagensangst loswerden könnte und neue Horizonte entdecken kann. Huth hat sie beim Oberstdorfer Training mit Fajfr oft beobachtet und sich dabei gesagt: „Das eine oder andere würdest du anders machen, du könntest sie vielleicht voranbringen.“ Den entscheidenden Schritt hin zur neuen sportlichen Liaison ist dann die Läuferin gegangen. „Er hat das gewisse Etwas, das mir weiterhilft“, sagt Annette Dytrt heute. Und es scheint, als glaubte sie diesmal ihren eigenen Worten.

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