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Sven Hannawald im Gespräch : „Die Tournee ist bedeutender als Olympia“

Seine Leistung steht in den Skisprung-Geschichtsbüchern: Sven Hannawald gelang 2001/2002 der Grand Slam bei der Tournee. Bild: Fabian Fiechter

Vier Springen bei der Tournee, vier Siege – das hat nur Sven Hannawald geschafft. Im F.A.Z.-Interview spricht er über die Qualität seiner Nachfolger und verrät, was ihn zurück auf die Schanze holen könnte.

          Er weiß nicht nur, wie man die Vierschanzentournee gewinnt, er weiß sogar, wie man es schafft, dabei alle vier Springen für sich zu entscheiden. Im Winter 2001/2002 gelang Sven Hannawald diese bis heute einmalige Kunststück. Nach den Erfolgen von Severin Freund in Oberstdorf und Peter Prevc in Garmisch-Partenkirchen wird dieser Rekord auch in diesem Winter nicht gebrochen.

          Wie gewinnt man die Tournee?

          Indem man die richtigen Voraussetzungen geschaffen und seine Hausaufgaben erledigt hat. Trainingszustand und Material müssen passen, das Team muss funktionieren. Damit hat man neunzig Prozent erreicht, dieses Niveau bringen alle Top-Springer mit, die für den Sieg in Frage kommen. Die verbleibenden zehn Prozent, das sind die ausschlaggebenden: Davon entfallen acht Prozent auf aktuelle Entwicklungen, die niemand vorhersagen kann. Das lässt sich nicht üben. Bei der Tournee spielen so viele Sachen eine Rolle, die überraschend passieren. Es schauen wesentlich mehr Menschen zu als sonst, deswegen muss man sensibel an die Aufgabe herangehen, und man muss sich auf veränderte Bedingungen einstellen können. Erwartungen können schnell in Enttäuschungen umschlagen. Und dann bleibt noch der kleine Rest von zwei Prozent, den niemand im Griff hat: Der entscheidet, ob es sein soll oder nicht.

          Und wer hat diesmal am Ende die Nase vorne?

          Wer sich am besten bis zum 6. Januar zusammenreißen kann. Die Tournee ist das Nonplusultra. Für mich ist sie bedeutender als Olympia, weil jeder Sportler sich in vier Wettbewerben beweisen muss und nicht ein einziger guter Tag zum Triumph genügt. Deswegen ist sie so schwierig, aber auch interessant. So wie es ausschaut, haben Severin Freund und Peter Prevc die besten Karten.

          Auf was kommt es in den Tagen zwischen Auftakt in Oberstdorf und Finale in Bischofshofen an?

          Alles, was störend wirkend kann, sollte von den Athleten ferngehalten werden. Das ist das Einzige, was sich grundsätzlich sagen lässt. Und die Rahmenbedingungen müssen stimmen: Essen, Hotel, der Transport zwischen den Orten, die medizinische Betreuung. Ansonsten sind alle Sportler anders zu beurteilen. Der eine sucht die Ruhe und kapselt sich ab, der andere spielt am Handy, um abzuschalten und der Anspannung zwischen Training und Wettkampf entgegenzuwirken. Patentrezepte gab es schon zu meiner Zeit keine. Jeder reagiert unterschiedlich, auch das macht die Betreuung für die Trainer ja so anspruchsvoll. Man sollte sich vom Glauben an die eigene Stärke leiten lassen, die aktuelle Situation, so wie sie nun mal ist, annehmen – und falls Schwierigkeiten auftreten, sie schleunigst lösen. Das ist wie bei einem Autorennen: Hat man ein Reifenproblem, muss man schnell in die Box und es beheben lassen. Und danach geht es ohne Einschränkungen weiter.

          Die Deutschen kamen in der Vergangenheit mit der selbst auferlegten Erwartungshaltung nicht klar. Wie wurden sie stressresistenter?

          Die Tournee ist traditionell das Highlight der Saison. Da kann niemand erwarten, dass wenig los ist. Fakt ist, dass die deutschen Skisprung-Anhänger nach einem Erfolg lechzen, nachdem uns zuletzt unsere Alpen-Freunde immer abgehängt haben. Werner Schuster, der deutsche Bundestrainer, hat recht, wenn er sagt, dass seine Springer in den vergangenen Jahren manchmal ein wenig grün hinter den Ohren waren. Ihnen fehlte vielleicht auch ein Tick Erfahrung, um mehr zu erreichen. Aber sie haben gelernt. Besonders Severin Freund ist extrem gewieft. Er weiß jetzt, wie er sich zu verhalten hat, um viel erreichen und sich zugleich vom Druck durch die Medien und die Fans nicht von seinem Plan abbringen zu lassen.

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