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Super-G der Herren Österreicher gehen leer aus

Stille in Schladming: auch die rot-weiß-roten Herren verpassen im Super-G das Siegertreppchen. Gold holt Riesenslalom-Spezialist Ligety vor Überraschungsmann de Tessières.

© AP Vergrößern „All american boy: Sieger Ted Ligety

Als Ted Ligety ins Ziel des Super-G kam, hätte man glauben können, ein Österreicher habe gerade gewonnen. Riesen-Jubel, wehende rot-weiß-rote Fahnen, ein prächtiger Empfang. Der hatte nur zum Teil damit zu tun, dass der amerikanische Riesenslalom-Weltmeister so beliebt ist in Österreich - es schwang mindestens ebenso die Vorfreude mit, dass oben ja noch vier einheimische Fahrer standen, die Ligetys Zeit unterbieten konnten. Als aber später Aksel Lund Svindal freundlich ins hohe Halbrund des Zielstadions winkte, da kam von den Fans schon kaum mehr eine Reaktion. Der Norweger hatte nämlich gerade den besten Österreicher Hannes Reichelt vom Podium geschubst und Bronze gewonnen. Und das hieß: Auch im zweiten WM-Rennen von Schladming keine Medaille für Österreich. Da kann die Stimmung schon mal etwas durchhängen.

Bernd Steinle Folgen:  

Svindal selbst kam nach seinem dritten Platz auch nicht gerade ins Schwärmen. „Es war mein schlechtester Super-G in dieser Saison“, sagte er. Bisher war er dreimal Erster und einmal Zweiter gewesen. Dass er trotzdem ganz zufrieden war mit seinem Rennen, hatte mit den schwierigen Bedingungen zu tun, vor allem mit dem stark drehenden Kurs, den ausgerechnet sein eigener Trainer gesteckt hatte. „Es ist ein technisch sehr anspruchsvoller Hang“, sagte Svindal. Mit anderen Worten: kein Hang für Speedfreunde wie ihn. Sondern ein Hang wie gemacht für Ted Ligety.

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Der Kombinations-Olympiasieger 2006 war schon im Weltcup zuletzt das Maß der Dinge gewesen - allerdings nicht im Super-G, sondern im Riesenslalom. Ligety hat vier der fünf Saisonrennen gewonnen, und in Alta Badia hatte er dabei Freund und Feind mit einem perfekten ersten Durchgang verblüfft, den er mit fünf Sekunden Vorsprung auf den vor ihm gestarteten Reichelt beendete. Keiner fährt so spektakuläre Schwünge wie Ligety, keiner hat in den vergangenen Jahren den Riesenslalom so dominiert wie er. Im Super-G gewann Ligety allerdings noch nie ein Weltcup-Rennen. Über Platz zwei in Val d’Isere im Dezember 2009 kam er bislang nicht hinaus - bis zu diesem WM-Rennen. „Ich denke“, sagte er nun lächelnd, „das war ein ganz gutes Timing.“

Ted Ligety of the U.S. clears a gate during the men's Super G race at the World Alpine Skiing Championships in Schladming Mit amerikanisch-aggressiver Linie auf Goldkurs: Ted Ligety © REUTERS Bilderstrecke 

Ligety hatte sich für den Superriesenslalom einiges ausgerechnet. Zum einen, weil das Gelände in Schladming auf Technikspezialisten wie ihn zugeschnitten ist, ohne große Gleitpassagen, aber mit vielen Wellen und Rippen, auf denen sich der Freeski-Freund Ligety wie zu Hause fühlte. Und zum anderen, weil er in diesem Jahr schon so stark war wie lange nicht mehr im Super-G - zweimal Vierter, einmal Sechster. Also zog Ligety seine Schwünge so sauber wie möglich in den weichen Schnee, blieb näher an der Ideallinie und geriet dabei weniger ins Rutschen als die meisten anderen. „Ich bin ein hohes Risiko eingegangen“, sagte Ligety - doch genau das könnte bei Weltmeisterschaften eben den Unterschied ausmachen, wie Svindal sagte. Und der muss es wissen, er gewann am Mittwoch seine zehnte Medaille. „Du musst bereit sein, dieses kleine Extra-Risiko einzugehen.“ Und Ligety tat das an diesem Tag „mehr als jeder andere Fahrer“, wie Svindal befand.

„Ich wollte immer eher ein Allroundfahrer sein“, sagte Ligety. Dass es nun in der Nachbarsparte Super-G so rund läuft für den Kurvenstar, führt er auch auf die schmaleren Ski zurück, die seit dieser Saison, wie auch im Riesenslalom, vorgeschrieben sind und mit denen er besser zurechtkommt als die Speedspezialisten. Ligety war der größte Kritiker dieser Materialreform des Internationalen Skiverbands, nun erweist er sich als einer ihrer größten Gewinner. Denn auch seine Dominanz im Riesenslalom beruht darauf, dass er sich schneller als andere auf die neuen Ski eingestellt hat, daraus macht er selbst keinen Hehl. Am Freitag nächster Woche wird das auch in Schladming wieder zu bewundern sein, bei der WM-Entscheidung im Riesenslalom. Davor hat Ligety auch noch in der Super-Kombination am Montag Medaillenchancen.

Mit den Nichten trainiert und Silber gewonnen

Aus deutscher Sicht verlief der Super-G wenig spektakulär: Stephan Keppler landete nur auf Platz 33, Tobias Stechert erreichte im ersten Rennen nach seiner Knieverletzung immerhin Rang 24. „Das Licht war ziemlich schlecht und die Piste unruhig. Das ist nicht unbedingt das, was man sich für ein erstes Rennen nach einer Verletzung wünscht“, sagte Stechert.

Nichts zu wünschen übrig ließ der Tag für den Silbermedaillengewinner Gauthier de Tessières. Er war eigentlich gar nicht für die WM vorgesehen, bis er vor drei Tagen einen Anruf erhielt: Teamkollege Johan Clarey hatte sich beim Training am Rücken verletzt und musste operiert werden, de Tessières rückte nach. Und das, obwohl er zuletzt nur noch mit seiner sechs Jahre alten Nichte trainiert hatte, wie der 31 Jahre alte Franzose sagte. So gelang ihm nun der größte Erfolg seiner Karriere. „Das ist Schicksal“, sagte der glückliche de Tessières. Schönes Schicksal.

Alpine Ski-WM in Schladming/Österreich

Herren, Super-G
Gold: Ted Ligety (USA) 1:23,96 Minuten
Silber: Gauthier de Tessières (Frankreich) 1:24,16;
Bronze: Aksel Lund Svindal (Norwegen) 1:24,18;
4. Hannes Reichelt (Österreich) 1:24,51; 5. Matthias Mayer (Österreich) 1:24,91; 6. Alexis Pinturault (Frankreich) 1:24,99; 7. Christof Innerhofer (Italien) 1:25,05; 8. Romed Baumann (Österreich) 1:25,17; ... 24. Tobias Stechert (Oberstdorf) 1:26,64; 33. Stephan Keppler (Ebingen) 1:27,55.

Ted Ligety (28 Jahre alt)
2 x Weltmeister: Super-G 2013, Riesenslalom 2011
1 x Olympiasieger: Kombination 2006
1 x WM-Bronze: Riesenslalom 2009
3 x Disziplin-Sieger im Weltcup: Riesenslalom 2008, 2010, 2011

Quelle: FAZ.NET

 
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