12.02.2006 · Snowboard-Superstar Shaun White hat die Goldmedaille in Turin gewonnen. Der 19 Jahre alte Amerikaner gewann in Bardonecchia den Wettbewerb in der spektakulären Halfpipe. Die deutschen Hoffnungen erfüllten sich nicht. FAZ.NET-Bildergalerie.
Im Kampf gegen die „rote Tomate“ haben sich die deutschen Snowboarder als zu grün erwiesen: Wie die anderen Konkurrenten konnten der Schlierseer Christophe Schmidt und Vinzenz Lüps aus Utting dem Amerikaner Shaun White den Sieg im olympischen Halfpipe-Finale in Bardonecchia nicht im Ansatz streitig machen.
Nachdem der Goldmedaillengewinner bereits mit 13 Jahren Profi wurde und mit 15 ein Star in seiner Disziplin war, gewann er nun im Alter von 19 sein erstes olympisches Edelmetall. „Dieser Sieg ist einfach großartig, hier schaut die ganze Welt zu. Daß ich danach ein paar Tränen vergossen habe, zeigt die Bedeutung des Erfolges. So etwas habe ich nämlich bisher noch nie gemacht“, meinte der überglückliche White. Schmidt wurde am Ende mit 37,5 Punkten Achter, Lüps landete mit 36,8 Zählern auf Rang neun.
Bedeutender Erfolg
White, der seinen Spitznamen wegen seines roten Haarschopfs trägt, erreichte 46,8 Punkte und verwies seinen Landsmann und Salt-Lake-Silbermedaillengewinner Daniel Kass (44,0) sowie den Finnen Markku Koski (41,5) auf die Ränge zwei und drei. Die deutschen Finalisten waren unterdessen sehr zufrieden mit ihrem Auftritt: „Das ist ein gutes Ergebnis. Das Finale war mein Ziel. Der Rest war eine Zugabe“, sagte Christophe Schmidt. Lüps, der auf Grund einer Wette mit seinem Bruder Luis mit aufgetragenem Lippenstift antrat, fügte hinzu: „Das war eine super Woche. Ich bin zufrieden und happy. Viel besser kann ich es nicht. Die Bedingungen waren toll und ich habe mich sehr wohl gefühlt.“
Der als deutsche Medaillenhoffnung gehandelte Weltcup-Führende Jan Michaelis (München) war derweil ebenso wie Xaver Hoffmann aus Garmisch-Partenkirchen bereits in der Qualifikation gescheitert und beendete den Wettkampf als 15., Hoffmann belegte Platz 34. „Diese Wertung ärgert und nervt mich total. Ich weiß nicht, was ich noch hätte machen sollen“, hatte Michaelis nach dem zweiten Qualifikationslauf über die Jurywertung geklagt. Hoffmann, der bereits 1998 in Nagano und 2002 in Salt Lake Ciy nicht über die olympische Ausscheidungsrunde hinausgekommen war, ärgerte sich derweil über zwei Stürze in der Qualifikation: „Das ist schon enttäuschend. Aber wenn ich auf den Arsch falle und wenigstens meine Teamkollegen kommen ins Finale, ist das schon okay.“ So zogen statt der höher gehandelten Michaelis und Hoffmann immerhin die beiden Außenseiter Lüps und Schmidt in die Endrunde ein und erfüllten somit die Vorgabe von Timm Stade.
Deutsche Hoffnungen erfüllten sich nicht
Der Sportdirektor des Snowboard Verbandes Deutschland (SVD) hatte sich zwei seiner Athleten im Finale gewünscht. Hier bekamen die beiden Deutschen dann aber schnell ihre Grenzen aufgezeigt. White, der sich im ersten Qualifikationslauf eine ungewohnte Schwäche geleistet und in den Schnee gegriffen hatte, bewies Nervenstärke und stand schon vor dem zweiten Durchgang des Finales, in dem nur der bessere von zwei Läufen gewertet wurde, als Olympiasieger fest.
Mit in die Luft gestreckten Armen ging der Teenager, der durch Preisgelder, DVD-Produktionen sowie Sponsorenverträge jährlich rund eine Million Dollar verdient, in die Pipe und genoss auf der Röhrenkante surfend den Jubel der rund 5600 Zuschauer. Am Montag steht in Bardonecchia die Halfpipe-Entscheidung der Frauen auf dem Programm. Als Favoritinnen gehen die Amerikanerin Hannah Teter, Manuela Pesko aus der Schweiz und Doriane Vidal (Frankreich) ins Rennen. Deutsche Läuferinnen sind nicht am Start.